Interventionsspekulationen verflüchtigt
Euro nähert sich historischem Tief an

Der Euro hat sich am Dienstag wegen nachlassender Spekulationen über mögliche Stützungskäufe durch die Notenbanken seinem historischen Tief vom vergangenen Herbst weiter angenähert. Zwischenzeitlich rutschte die Gemeinschaftswährung mit 0,8420 $ auf den tiefsten Stand in diesem Jahr, der Kurs lag damit nur noch um knapp zwei Cent über dem Rekordtief vom Oktober 2000.

rtr FRANKFURT. Analysten machten Äußerungen der Finanzminister der Eurogruppe über den Eurokurs für den Kursrutsch verantwortlich. Bei ihrem Treffen in Luxemburg sprachen sich die Minister nicht für Interventionen zu Gunsten der Gemeinschaftswährung aus. Einige Analysten hatten erwartet, dass die Minister den Euro mit einer deutlichen Stellungnahme stützen wollten. "Die europäischen Finanzminister haben gezeigt, dass der Euro ihnen keine Sorgen bereitet", sagte Ken Landon, Währungsanalyst von der Deutschen Bank.

Sein neues Sechs-Monats-Tief von 0,8420 $ verzeichnete der Euro am Morgen im Handel in Tokio. Bis zum Mittag erholte sich die Gemeinschaftswährung wieder auf Kurse um 0,8448/52 $. Am Montagabend hatte der Euro in New York zuletzt 0,8455/65 $ gekostet.

Nachdem sich die von Interventionsspekulationen ausgelösten Kursgewinne der Gemeinschaftswährung vom Montag nach den Äußerungen der Minister verflüchtigt hatten, äußerten sich Analysten skeptisch zu den Aussichten für den Euro. "Es könnte leicht passieren, dass der Euro im Sommer seine Rekordtiefs testet", sagte Landon. Technische Analysten sagten, falls der Euro unter seinen November-Tiefstand von 0,8370 $ falle, gebe es keine bedeutenden Unterstützungen bis zum Allzeit-Tiefstand von 0,8225 $ mehr. "Jetzt wird der Markt nicht zufrieden sein, bis er das Allzeittief antestet", sagte ein japanischer Händler.

Grasser sieht keinen Anlass für Intervention

Auf die Frage, ob Interventionen jetzt wieder angebracht seien, sagte der Vorsitzende der Gruppe der Euro-Finanzminister, Belgiens Finanzminister Didier Reynders, am Dienstag lediglich: "Interventionen sind ein Instrument, das zur Verfügung steht." Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte bereits am Montag gesagt, er sehe keinen aktuellen Anlass für eine Intervention. Am Montag war die Gemeinschaftswährung zuvor nach neuen Spekulationen über mögliche Stützungskäufe der Zentralbanken erstmals seit Tagen wieder über die Marke von 0,85 $ gestiegen. Im vergangenen Herbst hatten die Notenbanken an den Devisenmärkten mehrfach zu Gunsten des Euro interveniert.

Als weiteren Grund für Euro-Verkäufe nannten Analysten die Empfehlung der US-Investmentbank Morgan Stanley, den Anteil europäischer Staatsanleihen in einem weltweiten Portfolio auf 33 von 41 % zu reduzieren. Derweil teilte die Europäische Kommission mit, das Vertrauen der Industrie und der Verbraucher in die Wirtschaft der Euro-Zone sei im Mai im Vergleich zum Vormonat nochmals gesunken. Reynders sagte aber, die Gruppe der Finanzminister bleibe für die Wachstumsaussichten der Euro-Zone zuversichtlich. Auf Kurze Sicht Sorge bereite jedoch die Entwicklung der US-Konjunktur und der Ölpreise.

Eine im Vergleich zu den USA günstigere Konjunktureinschätzung für die Euro-Zone stärkt normalerweise den Kurs des Euro. Am Markt überwog zuletzt allerdings die Einschätzung, dass die US-Notenbank dem schwachen Wachstum in den USA mit weiteren Leitzinssenkungen entgegentreten könnte, was durch eine dadurch geförderte Konjunktur tendenziell zur einer Stärkung des Dollar führen könnte.

Der Dollar legte auch gegen die japanische Währung etwas zu und notierte am Mittag bei 119,84/90 Yen nach 119,20/30 Yen am Vorabend in New York.

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