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Interview Aktionärsschützer: Einschnitte im 'VW-Schlaraffenland' vernünftig

Das milliardenschwere Sparpaket des VW-Konzerns ist nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der einzige Weg, den schwächelnden Autobauer wieder auf Kurs zu bringen. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder VW senkt die Kosten, oder man entlässt ein paar Leute und der Rest verdient weiterhin das Gleiche", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz am Dienstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

dpa-afx DÜSSELDORF/WOLFSBURG. Das milliardenschwere Sparpaket des VW-Konzerns ist nach Ansicht der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der einzige Weg, den schwächelnden Autobauer wieder auf Kurs zu bringen. "Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder VW senkt die Kosten, oder man entlässt ein paar Leute und der Rest verdient weiterhin das Gleiche", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz am Dienstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

VW bezahle für die Sünden der Vergangenheit. Das Management sei in früheren Tarifverhandlungen zu nachsichtig gewesen und habe sich im Irrglauben einer ewig boomenden Branche eine zu teure Belegschaft geleistet, sagte Kurz. VW-Personalvorstand Peter Hartz hatte am Montag ein radikales Sparprogramm vorgestellt, mit dem der Konzern bis 2011 seine jährlichen Lohnkosten von 6,8 auf 4,8 Mrd. reduzieren will.

Ende DES VW-Schlaraffenlandes

Die Gewerkschaft IG Metall werde sich in der am 15. September beginnenden Tarifrunde mit veränderten Realitäten abfinden müssen. "Die Mitarbeiter im VW-Schlaraffenland müssen damit leben, dass ihnen einen Pfannkuchen-Baum weggenommen wird", meinte Kurz. Bei VW hätten sich übertarifliche Leistungen angestaut, die nicht mehr finanzierbar seien. Die Löhne der VW-Beschäftigten liegen durchschnittlich um 20 % über dem Niveau der Metallindustrie.

Die DSW, Interessenvertreterin der Kleinaktionäre, riet dem Konzernvorstand, bei der Ablehnung von Jobgarantien hart zu bleiben. "Die von der Gewerkschaft geforderten zehn Jahre sind ökonomisch gesehen völlig neben der Spur." Dagegen hatte Daimlerchrysler zuletzt eine Beschäftigungsgarantie für die 160 000 deutschen Jobs bis 2012 verbindlich zugesichert.

Allerdings habe auch der VW-Vorstand Schwächen gezeigt. Viel Geld sei für die Oberklassen-Offensive verbrannt und Fehler in der Modellpolitik gemacht worden. Die "gewaltigen Kostenprobleme" seien jedoch nicht allein dem Management anzulasten. Das Land Niedersachsen, mit rund 18 % Großaktionär, habe jahrzehntelang aus politischem Kalkül ein hohes Lohnniveau gut geheißen, kritisierte Kurz.

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