Interview
Als Exot in Indien

Viele der international renommierten Management-Gurus sind Inder. Doch bislang hatte Indien keine eigene Business School, die im internationalen Vergleich mithalten konnte. Das soll nun mit der Indian School of Business in Hyderabad anders werden.

Nicht nur in Berlin soll eine neue Business School entstehen, die sich in der weltweiten Top-Liga behaupten kann. Im indischen Hyderabad eröffnete vor zwei Jahren die Indian School of Business (ISB) (www.isb.edu) mit ähnlich großen Ambitionen ihre Pforten.

Die ISB ist eine Initiative internationaler Firmen. Vor allem McKinsey mit McKinsey Worldwide-Chef Rajat Gupta ist involviert. Im "Governing Board" sitzen auch die Deutschen Ulrich Cartellieri (Deutsche Bank), Jürgen Dormann (ABB), Jürgen Schrempp (Daimler-Chrysler) und Peter Zencke (SAP). Entscheidend war die Unterstützung durch zwei US-Topschulen, Wharton und Kellogg. Der an der London Business School lehrende, international renommierte Management-"Guru" Sumantra Ghoshal, wirkte in der kritischen Anfangsphase als Gründungsdekan.

Handelsblatt ging der Frage nach, wie es nun wirklich an der ISB ist und sprach mit dem ersten deutschen ISB-Studenten Raphael Hegeler:

Wo standen Sie ausbildungsmäßig/ beruflich, als Sie sich entschlossen, ein MBA- Studium an der ISB aufzunehmen ?



Schon bevor ich BWL an der ESB Reutlingen und der CESEM, ihrer Partneruni in Reims, studierte, stand für mich fest, eines Tages einen MBA zu machen. Nach dem ESB-Studium leistete ich meinen Wehrdienst in Frankreich mit einer Ausbildung als Reserveoffizier. Anschliessend war ich viereinhalb Jahre bei Intel Corp. in der Münchener Zentrale für "Europe, Middle-East, Africa" tätig. Mein Aufgabenbereich umfasste Market Development wie etwa strategische Allianzen mit Softwarefirmen und Beratungsunternehmen. Mit knapp 30 entschied ich mich dann, den MBA in Angriff zu nehmen.



Sie sind einer der ersten MBA-Studenten an der ISB. Warum haben Sie sich entschlossen, ausgerechnet an dieser neuen, ungetesteten Business School in Indien einen MBA zu machen?

Meine Kriterien für ein MBA waren eindeutig: Kurzes, kompaktes Vollzeit MBA-Programm, mit herausragenden Professoren und einem soliden Netzwerk in Industrie- und akademischen Kreisen. Viele MBA-Programme konnten schon anhand dieser Kriterien eliminiert werden, wogegen die ISB klar hervorstach. Der Standort Indien erhöhte dabei ganz besonders mein Interesse, sowohl aufgrund des beneidenswerten Wachstumsmarktes als auch aufgrund meines beruflichen Hintergrundes im IT-Bereich. Eine sich im Entstehen befindende Schule zu besuchen, reizte mich umso mehr, als ich mir davon eine natürliche unternehmerische Denke auf dem Campus versprach und ich darin auch die Chance sah, aktiv an der Entwicklung von Grund auf mit dabei zu sein.



War es nicht ein Risiko, an eine Business School zu gehen, die es eigentlich noch gar nicht gab?

Ein Risiko, ja, allerdings ein kalkuliertes Risiko. Die Partnerschaft der ISB mit namhaften Business Schools (Kellogg, Wharton, London Business School), die Obhut einer führenden Topmanagement-Beratung und die Unterstützung einer Vielzahl von globalen Unternehmen, bilden ein solides Fundament, auf welches die ISB sich in ihrer weiteren Entwicklung verlassen kann. Außerdem habe ich auch in persönlichen Entscheidungen immer schon dazu tendiert, Neues zu versuchen und Wege zu gehen, von denen ich mir die höchste persönliche Bereicherung versprach



Welches sind Ihre Erfahrungen nach sieben Monaten in Hyderabad? Wo liegen die Stärken der ISB? Wo ihre Schwächen?

Herausragend zunächst die ISB-Fakultät. Zusätzlich zu den permanenten Lehrstühlen und zu den Professoren unserer Partner B-Schools, erfreuen sich ISB Studenten an namhaften Dozenten aus aller Welt. Dank dieser Top Professoren gehen Vorlesungen weit über die Referenzbücher hinaus und stellen einen wahren Wissensvorsprung dar. Beeindruckend dann die Studenten: Sie sind enorm begeisterungsfähig und intellektuell stimulierend; sie sind allesamt von starkem Wettbewerbsgeist geprägt, wobei sie stets Teamorientiertheit und Offenheit zeigen.

Die große Schwäche ist die mangelnde Internationalität. Diese ist seitens der Fakultät zwar bereits gewährleistet. Die Schule muss sich aber verstärkt einsetzen, um a) internationale Studenten zu werben und b) internationale Jobs zu generieren. Beides geht Hand in Hand, und es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis ein ISB-Jahrgang mit einem hohen internationalen Studenten-Mix graduiert. Dazu kommt das Fehlen eines großen Alumni-Netzwerkes.



Sie sind einer von nur zwei Nicht-Indern in einem Programm mit ingesamt 168 Teilnehmern. Fühlen Sie sich da als europäischer Exot?

Absolut. Man sticht natürlich hervor und als eine Art Vorzeige-Student ist man in alle möglichen Aktivitäten eingespannt. Dadurch kann man im Gegenzug ganz besonders zum Ziel beitragen, eine weltweit führende Business School aufzubauen. Die Lebensbedingungen sind für Nicht-Inder bedenkenlos: Die Infrastruktur steht keinem mir bekannten MBA-Campus' in den USA oder Europa nach. Auch seitens der Studenten ist Integration in das hiesige Leben kein Problem, z.B. wurde ich zum Vorsitzenden der Graduate Student Association gewählt. Ich sehe es also insgesamt als eine bereichernde Erfahrung, hier noch ein "Exot" zu sein.



Wie lernt, arbeitet es sich in einem indischen Kontext, nur mit Indern?

Praktisch jeder der indischen Studenten der ISB hat in irgendeiner Form internationale Erfahrung gesammelt. Die Professoren ihrerseits sind geprägt durch die typischen MBA-Programme, die - mehr als manchmal wünschenswert - sehr USA-zentrisch aufgebaut sind. Insgesamt sind daher Interaktion in Vorlesungen und Gruppendiskussionen kaum Indien-bezogen. Wir organisieren im Gegenteil sogar zusätzliche Vorlesungen und Kurse, um spezifische wirtschaftliche Zusammenhänge in Indien/Asien zu erörtern.



Die ISB ist eine Campus-Universität, isoliert von der quirligen Metropole Hyderabad. Wie viel Kontakt haben Sie da zu Indien/zu Indern?

Ich hatte mir vorgenommen, viel von Indien zu sehen, habe mir sogar ein Motorrad gekauft, um Land und Leute richtig kennenzulernen. Es stellt sich aber heraus, dass, wie wohl in jedem MBA Programm, Zeit die kostbarste Ressource eines jeden Studenten ist. Das ISB-Pensum, mit min. 680 "contact hours" einem 2-jährigen MBA Programm ebenbürtig, stellt ein klares Hindernis dar, viel Zeit außerhalb des Campuses zu verbringen. Aber schließlich lernt man Prioritäten zu setzen, und die paar Stunden in der Woche, die ich damit verbringe, zum Beispiel in kleine Dörfer in der Umgebung zu fahren, stellen eine überwältigende kulturelle Erfahrung dar.

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Wer Kontakt mit Raphael Hegeler aufnehmen möchte, kann dies unter folgender E-Mail-Adresse tun: raphael_hegeler@pgp2003.isb.edu

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