Interview
„Athen ist nur auf den ersten Blick ein Chaos"

Ioannis Spanudakis, Managing Director des Athener Organisationskomitees, über die Olympischen Spiele als Testfall für Griechenland.

Herr Spanudakis, Griechenland erhielt 1997 den Zuschlag für die Olympiade 2004. Damals begann die Regierung griechische Wirtschaftsführer aus aller Welt heimzurufen.

Die Jahreszahl trifft nicht zu. Es war 2000, als die Regierung sich auf die Suche machte. Damals hatte das Organisationskomitee eine schwierige Zeit durchzustehen. Viele Baubewilligungen waren in der Schwebe, der Zeitplan bereits in Verzug. In der Diskussion mit dem Internationalen Olympischen Komitee ließ sich die griechische Regierung davon überzeugen, die Organisation zu verändern. Gianna Angelopoulos-Daskalaki wurde zurückgerufen, um die Organisation für Athen 2004 zu übernehmen. Sie hatte schon 1997 das Bewerbungskomitee präsidiert, das die Olympischen Spiele nach Griechenland holte. Die neue Führung wollte Leute einbringen, die sowohl dem olympischen Gedanken verbunden waren wie auch starke Managementfähigkeiten mit sich brachten.

Was reizte Sie, zurückzukehren?

Für ein kleines Land wie Griechenland sind die Spiele eine riesengroße Sache, die außerordentlich talentierte und motivierte Menschen auf allen Organisationsstufen braucht. Ich wusste, dies würde eine einmalige Chance in meiner Karriere sein.

Werden Sie alle Bauarbeiten pünktlich beenden können?

Definitiv. Alle Vorbereitungen sind gemacht oder in der Schlussphase.

Wie haben Sie den langwierigen Planungs- und Genehmigungsprozess abkürzen können?

Wir verlangten von den Gerichten, die Einsprüche gegen olympische Vorhaben schneller zu behandeln. Wir wollten die demokratischen Prozesse nicht verhindern, aber wir mussten sie beschleunigen.

Das hat geklappt?

Die Regierung erließ Gesetze, die verlangten, dass die Gerichte olympische Projekte prioritär abzuwickeln hätten. Wir haben bewiesen, dass es möglich ist, innerhalb von vier Jahren demokratische Prozes- se zu durchlaufen und dennoch ein gigantisches Projekt auf die Beine zu stellen. Viele Bauwerke haben wir in weniger als vier Jahren verwirklicht.

Wie komplex war die Vorbereitung?

Nehmen Sie die Personalführung. Das Organisationskomitee hat heute 6 500 Menschen direkt angestellt. Nicht zu vergessen sind die rund 55 000 vertraglich an uns gebundenen Zulieferer, die für die Organisation während der Spiele wichtig sind. Caterer, Reinigungspersonal und andere mehr. Hinzu kommen 45 000 Freiwillige und 41 000 Sicherheitsleute. All diese Leute muss man instruieren, trainieren und auf alle Begebenheiten vorbereiten. Die Olympischen Spiele sehe ich als eine Art Testfall für Griechenland.

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