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INTERVIEW: Banken können bei 'Industrialisierung' von Autoindustrie lernen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Banken können bei der viel diskutierten"Industrialisierung der Finanzbranche" Experten zufolge einiges von derAutoindustrie lernen. "Wichtige Themen sind hier schlanke Fertigungsstrukturen,Beziehungen zu Zulieferern, Produktstandardisierungen und die Ansprache vonKunden", sagte der Wissenschaftler Dieter Bartmann in einem Gespräch mit derNachrichtenagentur dpa-AFX. Die Autobranche könne sich hingegen bei derRisikokontrolle einiges aus der Bankenwelt abschauen.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutsche Banken können bei der viel diskutierten"Industrialisierung der Finanzbranche" Experten zufolge einiges von derAutoindustrie lernen. "Wichtige Themen sind hier schlanke Fertigungsstrukturen,Beziehungen zu Zulieferern, Produktstandardisierungen und die Ansprache vonKunden", sagte der Wissenschaftler Dieter Bartmann in einem Gespräch mit derNachrichtenagentur dpa-AFX. Die Autobranche könne sich hingegen bei derRisikokontrolle einiges aus der Bankenwelt abschauen.

Bartmann hat an der Universität Regensburg den Lehrstuhl für Bankinformatikinne. Zudem ist er geschäftsführender Gesellschafter des Instituts fürBankinnovation und Veranstalter des Forums "Bankenwelt und Automobilindustrie imDialog", welches vom 23. bis 24. Juni in Regensburg stattfindet.

"Was ist mein Kerngeschäft, was kann ich outsourcen, diese Fragen müssenBanken noch stärker angehen", sagte Bartmann. In der Autobranche seien dieFertigungsstrukturen hingegen sehr schlank und Zulieferer spielten beiInnovationen eine entscheidende Rolle. Viele Banken seien hingegen alsUniversalbanken noch gleichzeitig Produktions-, Handels- undDienstleistungsbetriebe. Damit verpassten sie die Vorteile, welche dieAusgliederung von Fertigungsprozessen biete.

VERBUNDSTRUKTUR

Auch Banken könnten eine Verbundstruktur kreieren, in der auf ihrem Gebietführende Spezialisten zusammenarbeiten. Zudem würden Risiken gesenkt, daeinzelne Partner bei Unzufriedenheit über die Leistung schneller und leichterausgetauscht werden könnten. Sollten jedoch "Zulieferer" in der Bankenindustrieeine größere Rolle spielen, sei eine genaue Planung und Zusammenarbeit nötig."Man muss dann die Voraussetzung schaffen, dass die Produkte oder Komponentengenauso so produziert werden und geliefert werden, wie man sie auch braucht",sagte Bartmann.

In diesem Zusammenhang sei bei Banken auch ein Denken in "Plattformen"nützlich. "Trotz Individualisierung und Personalisierung kann man im Bereich vongroßen Stückzahlen bleiben." So könnten beispielsweise im Filialgeschäft beiProdukten zur Altersicherung bestimmte Standardvarianten angeboten werden, dietrotzdem durch leichte Modifizierungen an einzelne Kundensegmente anpassbarseien. "Eine Einheit kann in einem Bankkonzern also Produkte entwerfen, die dannalle Filialen vertreiben", sagt Bartmann. Dann müsse nicht mehr jede Filiale vorOrt für jeden Kunden ein spezielles Finanzprodukt maßschneidern.

Durch die Standardisierung von Finanzprodukten würde auch eine bessereKennzahlen-Kontrolle möglich, sagt der Experte. Die Automobilbranche habe hierbereits sehr ausgeklügelte Systeme entwickelt. "Welches Produkt verursacht durchwelche Faktoren welche Kosten oder welcher Vertriebskanal ist besonders effektiv- das sind Fragen, die dann leichter quantitativ messbar sind."

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