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Interview: Bertelsmann sucht weiter

Reuters FRANKFURT. Der Medienkonzern Bertelsmann schließt nach dem Ende der Fusionsgespräche seiner Tochter BMG mit der britischen EMI zum weltgrößten Musikkonzern Gespräche über eine Zusammenarbeit mit anderen Wettbewerbern nicht grundsätzlich aus. "Ob es Gespräche mit anderen gibt, ist im Moment völlig offen. Wir schließen aber nicht aus, dass es auf Grund des ständigen Wandels in den Medienmärkten neue Chancen und veränderte Möglichkeiten gibt", sagte Bertelsmann-Sprecher Manfred Harnischfeger der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Bertelsmann und EMI hatten zuvor mitgeteilt, ihre Gespräche über die mögliche Zusammenlegung ihrer Musikgeschäfte beendet zu haben, da sich hohe Hürden der Wettbewerbsbehörden abgezeichnet hätten.

Auf die Frage, wo die Probleme mit den Wettbewerbsbehörden gelegen haben, sagte Harnischfeger: "Wir haben keinen Grund, uns über die EU-Kommission zu beklagen. Die EU war bereit, die geänderten Marktbedingungen anzuerkennen." Allerdings hätte die Kommission auf eine umfangreiche Prüfung des Fusionsvorhabens bestanden. "Bertelsmann wäre bereit gewesen, das durchzustehen", sagte der Sprecher. EMI hatte im vergangenen Jahr bereits eine mögliche Fusion mit dem Wettbewerber Warner Music in Erwartung hoher Auflagen der Wettbewerbshüter abgesagt.

Die ursprüngliche Sorge der EU-Kommission, bei einer Fusion BMG/EMI werde der Wettbewerb eingeschränkt, weil dann nur noch vier statt fünf große Konzerne am Markt seien, habe sich nach Ansicht von Bertelsmann zuletzt abgeschwächt. "Es war unser Eindruck, dass die Kommission bereit war, nicht mehr auf einer fünften großen Kraft zu bestehen", sagte Harnischfeger. "Wir haben gesehen, dass sich die Kommission bewegt."

Da die BMG nun nicht mit EMI zusammengehe, werde es auch nicht zu den bei einem solchen Schritt erwarteten Kosteneinsparungen kommen, sagte Harnischfeger auf die Frage zu negativen Auswirkungen der Absage. "Das Schaffen von Synergien fällt jetzt weg." Vor allem bei Verwaltung und Vertrieb hätten hier Möglichkeiten bestanden, sagte der Bertelsmann-Sprecher. Zudem könnten beide Unternehmen nicht von dem Künstler- und Titel-Repertoire des anderen profitieren. Darüber hinaus werde die BMG nun nicht von der etwas stärkeren Durchdringung der EMI auf den weltweiten Märkten profitieren, während EMI aber auch nicht an der stärkeren BMG-Präsenz in den USA teilhaben werde.

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