Interview
„Das perfekte Gefühl“

Schwimmen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein schnelllebiges Geschäft. Weltklasse-Schwimmer Thomas Rupprath spricht im Interview mit dem Handelsblatt Weekend Journal über seinen täglichen Kampf gegen die Uhr.

Ian Thorpe plumpste bei den australischen Olympia-Ausscheidungen vom Startblock. Das kostete ihn die Berechtigung zum Start über seine Spezialdisziplin 400-Meter-Freistil, in der er mit 3:40,08 den Fabel-Weltrekord hält. Jetzt holt vielleicht in Athen jemand in dieser Disziplin die Goldmedaille, der drei Sekunden langsamer schwimmt. Ist das gerecht?

Ich finde schon. So sind halt die Ausscheidungskriterien - damit muss sich auch Ian Thorpe abfinden. Auf der anderen Seite ist es natürlich schade, denn die 400-Meter-Freistil-Strecke war die sicherste Medaille der Australier. Thorpe hätte das Rennen in seiner Paradedisziplin gut sichtbar mit einem Vorsprung von rund sechs Metern gewonnen, das sind nämlich genau die drei Sekunden, die er schneller ist.

Sie sind als Kurzbahn-Weltrekordler über 100-Meter-Rücken entthront worden. Der US-Boy Peter Marshall schwamm 26 Hundertstelsekunden schneller. Verfluchen Sie nicht die Zeitmesssysteme, die heute eingesetzt werden?

Ich bin froh, dass es diese modernen Zeitmessungen mit Tafeln und Matten bei uns Schwimmern gibt. Manchmal entscheiden nicht 26 Hundertstelsekunden über Sieg und Niederlage, sondern eine Hundertstelsekunde. Und solche Zeiten kann das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmen. Da hilft nur die elektronische Zeiterfassung.

Hilfreich sind in Ihrem Sport die maßgeschneiderten Schwimmanzüge. Sind Sie darin schneller?

Die modernen Anzüge passen heute wie eine zweite Haut. Das ist für Schwimmer wichtig, denn sie müssen ein gutes Wassergefühl beim Wettkampf haben. Außerdem ist die Wasserlage in diesen Anzügen optimal. Schneller ist man auch. Ich denke "mit" oder "ohne" macht eine bis zwei Zehntelsekunden im Wasser aus.

Motiviert es Sie im Training und im Wettkampf, gegen die Uhr zu schwimmen?

Ja. Ich habe überhaupt kein Problem damit, gegen die Uhr anzutreten. Das liegt an meinen Schwimmanfängen in Neuss. Damals hatte ich ganz selten Trainingspartner, da blieb nur die Uhr. Letztlich ist auch bei einem Wettkampf die Zeit ausschlaggebend. Meine Gegner nehme ich nur am Rande wahr.

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