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Interview: Deutsche Börse rechnet mit steigender Zahl von Börsengängen in 2005

Die Deutsche Börse rechnet mit einer steigenden Zahl von Börsengängen im nächsten Jahr. "In den Boomjahren hatten wir 130 bis 140 Börsengänge, ansonsten waren es zehn bis 20.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Börse rechnet mit einer steigenden Zahl von Börsengängen im nächsten Jahr. "In den Boomjahren hatten wir 130 bis 140 Börsengänge, ansonsten waren es zehn bis 20. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen", sagte Rainer Riess, Managing Director Stock Market Business Development der Deutschen Börse AG , der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Schwerpunkt werde seiner Einschätzung nach auf den Branchen Software, IT, Bio- und Nanotechnologie liegen. In diesem Jahr hatten nur fünf Unternehmen den Gang aufs Parkett gewagt, einige andere hatten den Start abgesagt.

Nach der Euphorie der Jahre 1999 und 2000 und der anschließenden Ernüchterung habe sich die Stimmung mittlerweile wieder normalisiert, sagte Riess. "Ich denke, so wie wir die Übertreibung 1999/2000 in die eine Richtung gesehen haben, so haben wir sie 2002/2 003 in die andere Richtung gesehen." Die Anleger seien mittlerweile mündiger geworden. Das hätten die Börsengänge der letzten Zeit gezeigt. "Der Anleger ist da, wenn das Angebot und der Preis stimmen." Ein Beispiel sei der Börsengang der Postbank im Juni. Dort hatten sich zunächst nicht genügend Interessenten gefunden. Erst als die Post die Preisspanne senkte, verkauften sich die Aktien.

FÜR und Wider DES Börsengangs Abwägen

Auch die Unternehmen würde das Für und Wider eines Börsengangs genauer abwägen, sagte Riess. "Es ist gut, dass die Hürden nicht zu niedrig liegen, dass der Anlegerschutz hoch ist, dass viele Unternehmen mittlerweile auch genau die Frage nach der Kosten-Nutzenrelation eines Börsengangs stellen. Die Messlatte liegt heute höher, aber das ist auch in Ordnung." Mit der geplanten Einführung der neuen Eigenkapitalrahmenanforderungen für Banken und Wertpapierfirmen ("Basel II") von 2006 an müssten sich einige Unternehmen nach Alternativen zum klassischen Bankkredit umsehen.

Obwohl sich in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Gebiet viel in Deutschland getan habe, sei der Zugang zu alternativen Finanzierungsmethoden wie Business Angels, Private Equity oder Venture Capital in anderen Ländern noch einfacher als in Deutschland, sagte Riess. "Es gibt in Deutschland keinen Mangel an guten Ideen, sondern nur einen Mangel daran, diese Ideen zu finanzieren und aus ihnen Unternehmen zu machen."

Eigenkapitalforum 2004

Der Kontaktaufnahme zwischen Kapital und Kreativen habe sich daher das von der KfW Mittelstandsbank und der Deutschen Börse initiierte Eigenkapitalforum verschrieben, sagte Riess. Auf dem Forum treffen sich zwischen dem 22. und 24 November in Frankfurt rund 200 Unternehmen und etwa 250 Investoren. Insgesamt sind rund 2 600 Teilnehmer angemeldet. Unternehmen auf der Suche nach Eigenkapital stellen ihre Geschäftstätigkeit und Produkte vor und geben einen Ausblick über die zu erwartende Geschäftsentwicklung. Außerdem besteht die Gelegenheit, mit Messeständen für ein Investment und weiterführende Kontakte zu werben.

Für das Börsenjahr 2005 gab sich Riess verhalten optimistisch. "Ich denke, wir haben eine Zeit extrem niedriger Volatilität gesehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Kurse wieder nach oben bewegen. Dafür spricht auch vieles." So habe sich die wirtschaftliche Situation aufgehellt und es gebe auch wieder einige interessante Unternehmen, die an die Börse gehen wollen.

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