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INTERVIEW DIW: Konjunkturflaute dämpft Magnetwirkung des ZuwanderungsrechtsDPA-Datum: 2004-07-04 14:27:17

BERLIN (dpa-AFX) - Die Konjunkturflaute wird die Magnetwirkung des neuen deutschen Zuwanderungsrechts auf ausländische Fachkräfte aus Expertensicht vorerst dämpfen. "Migranten gehen in erster Linie da hin, wo es Arbeitsplätze gibt", sagte Gert Wagner, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der dpa in Berlin. Mit den Regelungen sei aber endlich eine Grundlage für eine systematische Gestaltung der Zuwanderung in den Arbeitsmarkt gelegt. Der Erfolg hänge allerdings nun davon ab, wie die Verordnungen zum Gesetz ausgestaltet werden und die Verwaltungen in den Ländern die Vorgaben konkret umsetzen.

BERLIN (dpa-AFX) - Die Konjunkturflaute wird die Magnetwirkung des neuen deutschen Zuwanderungsrechts auf ausländische Fachkräfte aus Expertensicht vorerst dämpfen. "Migranten gehen in erster Linie da hin, wo es Arbeitsplätze gibt", sagte Gert Wagner, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der dpa in Berlin. Mit den Regelungen sei aber endlich eine Grundlage für eine systematische Gestaltung der Zuwanderung in den Arbeitsmarkt gelegt. Der Erfolg hänge allerdings nun davon ab, wie die Verordnungen zum Gesetz ausgestaltet werden und die Verwaltungen in den Ländern die Vorgaben konkret umsetzen.

"Wenn im nächsten Jahr noch nicht viele Hochqualifizierte kommen, wäre es falsch zu sagen, das Gesetz wäre nicht notwendig gewesen", sagte Wagner, der Mitglied im Zuwanderungsrat von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) ist. "Zuwanderung von Arbeitskräften steuert sich in gewisser Weise selbst. Wenn die Arbeitsmarktlage schlecht ist, wollen nicht viele kommen." Freilich seien nun in Deutschland die Voraussetzungen für qualifizierte Zuwanderer geschaffen, wenn in einer besseren konjunkturellen Phase wieder mehr Arbeitskräfte gesucht würden.

KEINE ZUSÄTZLICHEN GEFAHREN ANGESICHTS DER HOHEN ERWERBSLOSIGKEIT

Dies gelte nicht nur für Großunternehmen. "Wenn ein Mittelständler sich stärker auf Exporte hin orientiert, ist es hilfreich, jemanden aus dem Zielland einstellen zu können." Das von Koalition und Opposition ausgehandelte Zuwanderungsgesetz war am vergangenen Donnerstag vom Bundestag verabschiedet worden. Es sieht unter anderem vor, die Zuwanderung von Arbeitskräften flexibel nach den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts zu steuern. Am Freitag soll es im Bundesrat endgültig gebilligt werden.

Zusätzliche Gefahren angesichts der hohen Erwerbslosigkeit entstünden durch die Neuregelung nicht, meinte der Arbeitsmarkt- Experte. Qualifizierte Kräfte würden immer gebraucht. Wenn Selbstständige kämen, würden sie sogar Arbeitsplätze schaffen. "Wichtig ist, dass nicht die Bürokratie entscheidet, wo genau jemand gebraucht wird, sondern dass dies durch den Markt geregelt wird."

Im internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte werde Deutschland allerdings auch künftig Nachteile etwa wegen der Sprache haben. "Ein Computer-Spezialist aus Indien tut sich in England oder den USA leichter." Zumindest die deutschen Großstädte seien aber attraktiv, da es dort ein mehrsprachiges Geschäftsleben und Freizeitangebot gebe.

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