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Interview: Einkommenserwartungen im November überraschend stabil - GfK

Die Einkommens- und Konjunkturerwartungen haben sich nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im November überraschend stabil entwickelt.

dpa-afx FRANKFURT. Die Einkommens- und Konjunkturerwartungen haben sich nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im November überraschend stabil entwickelt. "In einem Umfeld von steigendem Ölpreis, einem Höhenflug des Euro und fallenden Geschäftserwartungen ist das positiv zu bewerten", sagte der Vorstandsvorsitzende der GfK AG , Klaus Wübbenhorst, der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Auch die verbesserte Anschaffungsneigung sei ein Hoffnungsschimmer, auch wenn das Niveau weiterhin niedrig sei.

"Der höhere Rohölpreis hat die Stimmung der Verbraucher nicht weiter vermiest", sagte Wübbenhorst. "Die Hauptreisezeit ist vorbei und die Haushalte haben ihre Heizöltanks gefüllt." Auch die wieder leicht eingetrübte Stimmung bei den Unternehmen habe sich nicht direkt auf den Konsum ausgewirkt.

Stützung DES Privaten Kosums

Falls sich die Reformdiskussion in Deutschland im kommenden Jahr beruhigen sollte, könnte dies zu einer Stützung des privaten Konsums führen, sagte Wübbenhorst. "Die durch die Reformdiskussion verursachte Unsicherheit im vergangen Jahr hatte das Konsumklima belastet." Diskussionen wie über die Abschaffung von Feiertagen könnten den Verbraucher jedoch erneut verunsichern. Langfristig sei aber der Verzicht auf weitere Reformen für den Standort gefährlich.

Positiv auf die private Nachfrage sollte sich laut Wübbenhorst die Senkung der Einkommenssteuer zu Beginn des Jahres auswirken. "Die Verbraucher werden zu Beginn des Jahres spüren, dass am Ende mehr übrig bleibt", sagte Wübbenhorst "Normalerweise ist eine Einkommenssteigerung nur durch langwierige Tarifverhandlungen und Streiks zu erreichen. Bisher hat die Bundesregierung die Steuersenkung zu wenig vermarktet." Auch in der Presse seien die Steuersenkungen zu wenig beachtet worden. Der Konsument richte seine Ausgaben nicht nur am tatsächlichen Einkommen aus, sondern auch an den Einkommenserwartungen.

Kurzfristig konsumbelastend werden sich jedoch die zu Beginn des Jahres in Kraft tretenden Arbeitsmarktreformen im Rahmen der Harz IV Reformen auswirken. Dies könnte bei den Betroffenen insbesondere in Ostdeutschland zu einer weiteren Eintrübung der Stimmung führen. "Ich hoffe dennoch, dass es nicht zusätzlich zu Umsetzungsproblemen kommt", sagte Wübbenhorst. Die Arbeitsmarktreformen sind aber auf jeden Fall Schritte in die richtige Richtung, betonte der Experte.

Entscheidend für die Konsumstimmung ist aber laut Wübbenhorst ein Anziehen des Arbeitsmarktes. "Die Neigung der Deutschen, langfristige Anschaffungen zu tätigen, korreliert stark mit dem Gefühl von Arbeitsplatzsicherheit". Die Arbeitslosigkeit stelle für die Betroffenen eine hohe psychologischer Belastung dar, die den eigenen Wert in Fragen stelle und das Vertrauen nachhaltig belastete. Auch wenn die Beschäftigtenzahl ökonomisch gesehen wichtiger ist, so habe die Arbeitslosenzahl eine größere Auswirkung auf die Konsumneigung, da diese zeitnaher veröffentlicht wird.

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