Archiv
INTERVIEW Gartner: Deutschland mit viel Outsourcing-Potenzial - Umdenken nötigDPA-Datum: 2004-06-30 06:21:21

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutschland bietet für IT-Dienstleister aus Sicht eines Auslagerungs-Experten noch viel Potenzial. Service-Anbieter von Informationstechnologien (IT) müssten aber umdenken, um ihre Möglichkeiten bei deutschen Unternehmen voll auszuschöpfen, sagte Gartner-Analyst Peter Dück der dpa-AFX. Der Vice President bei dem Marktforschungsinstitut ist auch Berater für Outsourcing. Gartner ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von Marktforschung und Analysen über die weltweite IT-Branche.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Deutschland bietet für IT-Dienstleister aus Sicht eines Auslagerungs-Experten noch viel Potenzial. Service-Anbieter von Informationstechnologien (IT) müssten aber umdenken, um ihre Möglichkeiten bei deutschen Unternehmen voll auszuschöpfen, sagte Gartner-Analyst Peter Dück der dpa-AFX. Der Vice President bei dem Marktforschungsinstitut ist auch Berater für Outsourcing. Gartner ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von Marktforschung und Analysen über die weltweite IT-Branche.

"IT-Service-Anbieter müssen sich viel stärker Zielgruppen orientiert verhalten - derzeit verkauft die Branche vor allem ihre Kompetenzen", kritisiert Dück. "Die Denkweise ist eher: 'Ich kann Zigaretten drehen' statt 'Wie verkaufe ich eine Zigarette an eine 20-Jährige'". Ein Denkumbruch müsse erfolgen, um sich Deutschland mit seinen "stark mittelständisch geprägten Unternehmensstrukturen", die bis in große Konzerne reiche, zu erschließen.

IT-DIENSTLEISTER IN DEUTSCHLAND

Entscheidungen würden beispielsweise im Technologiekonzern Siemens < SIE.ETR > mit seinen vielen Sparten, Bereichen und deren Eigenverantwortlichkeiten oder auch in deutschen Automobilkonzernen oft dezentral gefällt. "Da ist es schwierig zum Beispiel für eine EDS, zu Siemens zu gehen und einen Mega-Deal zu erhoffen", sagt der Gartner-Analyst. Denn solche Großunternehmen erteilten nicht unbedingt konzernweite Auslagerungsaufträge." Eine Gesellschaft könne einem großen Konzern Dienstleistungen anbieten - das werde mit Erfolg getan und sei nicht das Problem. "Doch in einem Verkaufsprozess an zentraler Stelle den großen Coup zu landen, ist bei der Vielzahl von Buying-Zentren in einem solchen Konzern praktisch unmöglich."

Dück betont, dass IT-Dienstleister in Deutschland unterschiedlich aufgestellt seien. "Fast alle internationalen Anbieter wie Hewlett-Packard < HPQ.NYS > < HWP.FSE > , Computer Science Corporation (CSC) < CSC.NYS > < CS9.FSE > , Electronic Data Systems (EDS) < EDS.NYS > < EDS.FSE > , Accenture < ACN.NYS > < XET.FSE > oder Cap Gemini < PCAP.PSE > < CGM.FSE > haben in Deutschland noch nicht die Präsenz erzielt, die ihrer weltweiten Rolle entspricht." Eine Ausnahme bilde die seit langem in Deutschland präsente IBM < IBM.NYS > < IBM.ETR > .

Deutsche IT-Dienstleister wie die zur Siemens AG gehörende Siemens Business Services (SBS) oder die zur Deutschen Telekom < DTE.ETR > gehörende T-Systems seien zwar in Deutschland gut etabliert. Im Ausland hätten diese Gesellschaften jedoch ähnliche Schwierigkeiten Marktpräsenz aufzubauen wie umgekehrt ausländische Anbieter in Deutschland. Offensichtlich ticke der deutsche Markt anders. Anbieter, die dort groß geworden seien, könnten sich wohl schwer an andere Märkte sowie Spielregeln anpassen und umgekehrt. "Ein Grund für diese Asymmetrie ist die oft verkannte mittelständische Struktur selbst großer Konzerne in Deutschland."

'PROBLEMGRUPPE MITTELSTAND'

Dienstleister für Informationstechnologien müssten ihre Angebote anpassen. "Große Anbieter haben meist immer noch keine standardisierten Kataloge für ihre IT-Services", sagt der Gartner-Experte. "Das macht Verkaufsprozesse komplex und langwierig - und damit speziell für den Mittelstand unbrauchbar." Das werde wohl noch einige Zeit so bleiben. "Das Potenzial und Wollen ist da, aber den Königsweg hat noch keiner gefunden." Das werde wohl noch sechs bis acht Jahre dauern. "Dabei ist der Mittelstand eine typische Zielgruppe für Outsourcing", sagt Dück. "Denn eine 1.000-Mann-Firma zum Beispiel kann sich vielleicht gerade einmal zwei Netzwerk-Spezialisten leisten, mit denen ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb kaum zu stemmen ist."

Den Outsourcing-Prozessen fielen auch Stellen zum Opfer. "Verlagerbare Arbeitsplätze werden verlagert werden", sagte Dück. "Auch wenn dabei in Deutschland neue Arbeitsplätze entstehen, werden mehr Stellen abwandern als geschaffen werden." Nicht nur im Bereich Software-Entwicklung erwartet der Gartner-Analyst, dass noch mehr Stellen ins Ausland ausgelagert werden. "Für viele Aufgabenbereiche im IT-Umfeld wird der Standort Deutschland unattraktiv werden."

HINTERGRUND

Im vergangenen Jahr gaben Unternehmen in Deutschland nach Gartner-Berechnungen 104 Milliarden US-Dollar für Informationstechnologien aus. Rund drei Viertel davon flossen in IT-Dienstleistungen. In Westeuropa wird der Markt für IT-Services im laufenden Jahr laut Gartner um 3,1 Prozent wachsen und die nächsten drei Jahre stetig zulegen. 2007 soll die jährliche Zuwachsrate dann bei 8 Prozent liegen. Infolge des weltweiten Auslagerungs-Trends erwarten die Marktforscher, dass bis zu einem Viertel der traditionellen IT-Stellen in vielen Industrieländern bis zum Jahr 2010 in Schwellenländer verlegt wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%