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Interview: Hexal rechnet wegen Gesundheitsreform mit Verlust in Deutschland

Der Generika-Hersteller Hexal erwartet im laufenden Geschäftsjahr in Deutschland aufgrund des Zwangsrabattes von derzeit 16 Prozent erstmals einen Verlust.

dpa-afx HOLZKIRCHEN. Der Generika-Hersteller Hexal erwartet im laufenden Geschäftsjahr in Deutschland aufgrund des Zwangsrabattes von derzeit 16 Prozent erstmals einen Verlust. "Wir rechnen allein aufgrund des Zwangsrabatts in diesem Jahr mit Erlöseinbußen von mehr als 35 Mill. Euro und werden in Deutschland erstmalig Verlust machen", sagte Thomas Strüngmann, Chef des zweitgrößten deutschen Herstellers so genannter Nachahmer-Medikamente am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Wachstumspotenzial für Hexal, dessen Umsatz fast zur Hälfte auf das Konto der Auslandstöchter geht, sieht Strüngmann dagegen insbesondere in Süd- und Osteuropa, Lateinamerika und Asien.

Das Unternehmen der Zwillingsbrüder Thomas und Andreas ist auf so genannte Nachahmer spezialisiert. Gemeinsam produzieren sie Generika, also Medikamente deren Patentschutz abgelaufen ist. Der Wirkstoff ist fast gleich, der Name neu und der Preis deutlich niedriger als beim Originalmedikament. Hexal gründeten sie 1986 in einem Wohnhaus am Tegernsee. Mit rund 250 Medikamenten wie dem Hustenlöser ACC akut und dem Cholesterinsenker Simvahexal rechnet das Generika-Duo in diesem Jahr weltweit mit einem Erlösanstieg auf 1,3 Mrd. Euro nach 1,1 Mrd. im Vorjahr.

"Da wir, wie in den vorangegangenen Jahren, das erwirtschaftete Ergebnis immer wieder reinvestieren, wird auch in diesem Jahr kein Gewinn ausgewiesen werden", erklärte Strüngmann. Den Bekanntheitsgrad von Hexal steigerten sie durch Werbespots mit dem bekennenden Hypochonder Harald Schmidt und durch die Markteinführung des Cholesterinsenkers Simvahexal (Wirkstoff Simvastatin) in den vergangenen zwölf Monaten deutlich.

Börsengang Eine Option Unter Anderen - Hexal Mehr Wert ALS drei MRD Euro

Seit einiger Zeit rätseln die Brüder über die Zukunft der Firma, die mittlerweile nicht nur Generika herstellt, sondern auch 120 bis 150 Mill. Euro in die eigene Forschung- und Entwicklung steckt. "Die Option Börsengang bleibt weiterhin eine Möglichkeit unter anderen, sie wird allerdings aktuell nicht aktiv vorangetrieben." Bei einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro ist Hexal nach Strüngmanns Einschätzung mehr als die von Branchenbeobachtern angeführten 2,5 bis drei Mrd. Euro wert. "Ich kenne die Grundlagen dieser Schätzungen nicht, halte den Wert aber für weitaus zu gering", so der Hexal-Manager.

80 Prozent DER Deutschen Generika-Anbieter Werden Verschwinden

Der anhaltende Kostendruck wird nach Aussage des Hexal-Chefs in den kommenden Jahren von den derzeit 35 Generika-Herstellern in Deutschland fünf bis sieben übrig lassen. Die Gründe dafür sind vielfältig, so der Manager: "Apotheker können aus logistischen Gründen einfach nicht die analogen Präparate von 35 Unternehmen vorrätig halten. Weiterhin kostet die Pflege der Zulassung inzwischen so viel Geld, dass sich dies nur wenige Firmen noch leisten können. Hinzu kommt, dass nur die eine Chance haben, die international aufgestellt sind, weil sich die Einreichung einer Zulassung nur noch lohnt, wenn sie für mehrere Länder gleichzeitig erfolgt." Hexal ist hierzulande neben der ebenfalls nicht börsennotierten ratiopharm der zweitgrößte Anbieter von Generika.

Belastet habe die Branche, dass durch die neue Preisverordnung die bisher günstigen Generika zum Teil um mehrere Hundert Prozent teurer geworden seien. "Selbst wenn wir ein Präparat zum Herstellerabgabepreis von 1 Cent zur Verfügung stellen würden, würde das Produkt in der Apotheke trotzdem 8,90 Euro kosten", so Strüngmann.

Den Vorwurf, dass in Deutschland die Preise für Generika deutlich höher als in den USA sind, lässt Strüngman so nicht gelten: "Die leider oft angeführte Aussage, viele amerikanische Generika würden nur fünf-10 Prozent des Erstanbieterprodukts kosten, ist irreführende Meinungsbildung", empörte sich Strüngmann. In den USA seien die Erstanbieter-Präparate verglichen mit Deutschland zwei- bis dreifach teurer. Bei dem hohen Ausgangsniveau der Originalprodukte sei der absolute Preis der amerikanischen Generika im Schnitt-abgesehen von wenigen Blockbustern - sogar etwas teurer als in Deutschland.

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