Interview
„Ich habe viele Fehler gemacht“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Thomas Doll, der über seine Wandlung vom Individualisten auf dem Fußballplatz zum Erfolgstrainer des HSV spricht.

Herr Doll, Sie waren ein außergewöhnlicher Fußballspieler, ein Dribbelkünstler und Individualist, aber alles andere als ein Stratege. Wenn man Sie vor zehn Jahren gefragt hätte, ob Sie mal Trainer werden...

Doll: ? hätte ich laut gelacht. Früher war ich, nun ja, ein wenig anders. Ich hatte ja lange Haare, hier und da auch einen Ohrring. Aber das Schöne ist ja, dass du dich als Mensch entwickelst, wenn du an dir arbeitest.

Was unterscheidet den jungen Spieler Thomas Doll vom jungen Trainer?

Doll: Der Trainer denkt mehr. Ich habe damals viele, viele Fehler gemacht. Ich habe mich nur um den Fußball gekümmert, vieles vernachlässigt, die Familie, da kam ja dann auch die Scheidung von meiner ersten Frau in die Öffentlichkeit. Ich war einer, der in den Tag reinlebte, der nie über morgen nachgedacht hat. Mit der heutigen Weisheit würde ich schon das eine oder andere Problem umdribbeln.

Zum Beispiel?

Doll: Meine vielen Verletzungen. Viele davon kamen durch Unwissenheit zustande. Ich habe mir zu oft sagen lassen: komm, du musst am Wochenende spielen. Auf meinen Körper habe ich viel zu selten gehört. Die Aussicht auf eine WM-Teilnahme war mir mehr wert als meine Gesundheit. Also, das kann?s nun wirklich nicht sein.

Auf dem Platz haben Sie oft improvisiert. Trifft das auch auf den Trainer zu?

Doll: Nein. Ich will immer topvorbereitet sein. Das geht nicht aus dem Bauch heraus. Ich vergleiche mich als Trainer immer mit einem Bergsteiger, der auf eine Tour geht. Der braucht seine Haken, um oben zu überleben.

Sie sind mit 38 Jahren einer der jüngsten Trainer in der Bundesliga. Haben Sie mal überlegt, den Job abzulehnen? Der HSV hatte ein schlechtes Image. Da kann ein junger Trainer schnell scheitern.

Doll:Also, vor einem Jahr wäre es sicherlich zu früh gewesen. Ich war ja schon mal im Gespräch, als Kurt Jara entlassen wurde. Wahrscheinlich hätte ich angenommen, denn so eine Chance kriegt man ja nur einmal, aber der richtige Zeitpunkt wäre es wohl nicht gewesen.

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