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Interview: IG Metall-Bezirksleiter Meine: Bei Nichteinigung Warnstreiks bei VW

Einen Tag vor der dritten Tarifrunde bei Europas größtem Autokonzern VW hat die Gewerkschaft IG Metall am Montag mit Protestaktionen in zwei Werken und angedrohten Warnstreiks den Widerstand gegen den massiven Sparkurs des Unternehmens verstärkt. "Ich bin mir sicher, wenn es bis zum 28.

dpa-afx HANNOVER/WOLFSBURG. Einen Tag vor der dritten Tarifrunde bei Europas größtem Autokonzern VW hat die Gewerkschaft IG Metall am Montag mit Protestaktionen in zwei Werken und angedrohten Warnstreiks den Widerstand gegen den massiven Sparkurs des Unternehmens verstärkt. "Ich bin mir sicher, wenn es bis zum 28. Oktober keine Einigung gibt, wird die Tarifkommission Warnstreiks beschließen", sagte der IG Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Hartmut Meine am Montag in Hannover der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Am Montag hatten im VW-Werk Kassel an mehreren Veranstaltungen insgesamt 4 000 der knapp 15 000 Beschäftigten teilgenommen. In Emden legten 3 500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit nieder. Am Montagabend werden 1 500 bis 2000 Arbeiter der Spätschicht im Werk Salzgitter für etwa eine halbe Stunde sich an Aktionen beteiligen. Bei der dritten Verhandlungsrunde am Dienstag in Hannover wollen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 1 500 VW-Auszubildende protestieren.

'Belegschaft Will Klartext'

Die Gewerkschaft sei bis zum Auslaufen der Friedenspflicht am 28. Oktober in der komfortablen Position, den "Druck schrittweise zu erhöhen". Meine betonte, sich weiter für eine Lösung noch im Oktober einzusetzen. Es sei aber "nicht unwahrscheinlich", dass sich der Tarifstreit bis in den November hinziehen werde.

Der VW-Vorstand müsse bei der dritten Gesprächsrunde am morgigen Dienstag in Hannover endlich klar signalisieren, dass das Angebot zur langfristigen Sicherung der 103 000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Werken keine Sprechblase sei. "Die Zeit der schönen Folien und englischen Begriffe ist vorbei. Die Belegschaft will Klartext hören."

VW-Arbeiter Verdienen Mehr

Meine deutete an, dass die Garantien für Jobs und Standorte der Gewerkschaft wichtiger seien als die Forderung nach vier Prozent mehr Einkommen. "Jeder Realist weiß, dass die IG Metall sich mit ihrer Forderung nach vier Prozent mehr Lohn nicht vollständig durchsetzen kann, genauso wenig wie VW Nullrunden durchsetzen kann."

Die VW-Beschäftigten verdienen nach Konzernangaben derzeit durchschnittlich etwa 20 Prozent mehr als ihre Kollegen in der westdeutschen Metallindustrie. An diesem Punkt will der Konzern ansetzen, um die Arbeitskosten bis 2011 von 6,8 auf 4,8 Mrd. Euro zu reduzieren. VW leidet unter schwachem Absatz und im internationalen Branchenvergleich zu hohen Kosten.

Meine präzisierte seine Forderung nach mehrjährigen Standortgarantien: "Wir wollen, dass in einem Tarifvertrag festgeschrieben wird, wann und wo welche Modelle, Motoren, Achsen und Getriebe gebaut werden." Es sei klar, dass die IG Metall im Gegenzug etwas anbieten müsse. "Bevor es bei VW aber keine Bereitschaft gibt, uns etwas verbindlich zuzusagen, will ich über Details nicht spekulieren", sagte Meine.

Opel-Schicksal IST Warnung

Die "Gretchenfrage" in den Verhandlungen drehe sich weiterhin um die Garantien. Dies sei auch als Reflex auf die angekündigten Massenentlassungen bei den europäischen General Motors-Töchtern Opel und Saab zu sehen. Als interessanten Ansatz bewertete der niedersächsische IG Metall-Chef zudem die Tariflösung bei Daimler-Chrysler .

Dort hatte der Betriebsrat im Sommer einem Sparpaket über 500 Mill. Euro zugestimmt und dafür vom Konzern eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2012 erhalten. Wegen des VW-Haustarifvertrags sei diese Lösung in Wolfsburg aber nicht "Eins-zu-Eins" übertragbar, sagte Meine.

Der VW-Vorstand hatte in den bisherigen zwei Verhandlungsrunden keine Kompromissbereitschaft gezeigt. Sollte die IG Metall stur bleiben, hatte der Konzern den Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen und einen Investitionsstopp in Deutschland angedeutet.

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