Interview
"Im Jahr 2010 sind wir längst jenseits des Internet"

Handelsblatt.com sprach mit dem deutschen IOC-Vize-Präsidenten Thomas Bach über die Vermarktung von TV-Rechten für das Internet. IOC-Funktionäre wollen Internet-Übertragungen vermarkten

LAUSANNE. Bei der Weltkonferenz für Sport und Neue Medien in Lausanne wird über die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), Sportveranstaltern und den Neuen Medien gesprochen. Für den deutschen IOC-Vize-Präsidenten Thomas Bach wird dem Internet in Sachen TV-Rechte zu viel Bedeutung beigemessen. Für Handelsblatt.com sprach Heinz P. Kreuzer mit dem Fecht-Olympiasieger und Wirtschaftsanwalt.

Herr Bach, wie sind die Rechte für Fernsehen und Internet bis zu den Olympischen 2008 vergeben?

Bach: Die Internetrechte sind zusammen mit den TV-Rechten vergeben bis zum Jahr 2008. Ich glaube, so viel kann man nach dem Montagvormittag sagen, das es nicht unbedingt von Schaden ist, wenn man sich die Zahlen und Entwicklungen ansieht.

Zur Zeit wird der TV-Vertrag für Olympia 2010 vorbereitet, was sind Ihre Erwartungen?

Bach: Da kann ich Ihnen nur meine persönliche Meinung sagen. Ich glaube, das wir im Jahre 2010 schon längst jenseits des Internets sind, das wir im Jahre 2010 interaktives Fernsehen haben werden und sich deswegen viele Fragen, die wir heute mit dem Internet verbinden, überhaupt nicht mehr stellen. Dort werden sich dann ganz andere Fragen stellen. Ich glaube, es wird dann interaktives Fernsehen geben, also wenn sie so wollen, eine Konvergenz der beiden Medien.

Eine Grundforderung bei der Vergabe der Internetrechte ist ja, bewegte Bilder dürfen nur national im Rechtegebiet übertragen werden?

Bach: So sind die Rechte vergeben worden. Die Problematik, die wir haben, ist folgende. Die Internetrechte sind jetzt an die Fernsehrechte gekoppelt, und die Fernsehrechte sind national oder regional vergeben. Und das ist genau die Schwierigkeit, der wir uns im Moment gegenüber sehen, das das eben mit den Möglichkeiten und Erfordernissen des Internets nicht übereinstimmt. Darüber befinden wir uns in Gesprächen mit den Broadcastern. Ich sehe hier nicht eine wirkliche Konkurrenz zwischen Broadcast und Internet. Die Frage stellt sich im Sport anders als beispielsweise in der Musikindustrie, die mehrfach zum Vergleich angeboten wurde. Insoweit ist es den Größenordnungen überhaupt nicht vergleichbar, was sie an Zuschauern erreichen im Verhältnis zum Fernsehen. Wir müssen das Internet unter anderen Gesichtspunkten beobachten, nicht unter der Vergabe von Rechten, sondern wir müssen die Stärken des Internets nutzen und das ist individualisierte Kommunikation mit unseren verschieden Zielgruppen.

Wie sehen Sie die Rolle des Internets bei der Olympischen Bewegung in der Zukunft?

Bach: Selbst wenn sie sich die Businesspläne der Unternehmen hier bei dieser Konferenz anschauen. Im Jahr 2005 werden nach den Prognosen 500 Millionen Leute Zugang zum Internet haben. Wenn sie sich dann noch auf die Kontinente verteilt anschauen, dann wissen sie auch, das sie in Afrika, in Asien, in Südamerika und in Teilen Europas weiße Flecken haben werden. Wenn ich unterstelle, das nur 50 Prozent der Leute, die Zugang zum Internet haben, auch den Zugang nutzen, sind sie runter auf 250 Millionen. Und wenn sie dann von den 250 Millionen noch diejenigen abziehen, die den Zugang nutzen, um vielleicht E-Mails auszutauschen, aber nicht, um sich um Olympia zu kümmern, dann sind sie vielleicht bei 150 bis 200 Millionen. Und selbst wenn Fernsehen stagniert, was es nicht tun wird, sind es bei diesem Medium vier Milliarden. In der Zeit wird sich die Relation nicht dramatisch verschieben, und gleichzeitig werden sie nach meiner persönlichen Meinung genau in dieser Zeit die Konvergenz der beiden Medien haben, so dass am Ende dieses Weges das interaktive Fernsehen steht, mit dem sie dann die Milliarden erreichen werden.

Also keine Möglichkeit für das IOC, mit dem Internet mehr Geld zu generieren?

Bach: Nein, das ist auch nicht unser Ziel. Ich glaube, da wären wir auch die ersten, die Geld im Internet generieren. Das sollten wir gar nicht versuchen. Wir sollten es nutzen, zur Kommunikation, zielgerichtet, aber nicht irgendwo, um Einnahmen zu erzielen. Wenn es welche gibt, werden wir uns nicht dagegen wehren, aber es wird nicht die Zielsetzung sein.

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