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Interview: 'Immobilienskandal ernste Krise für die Branche' - Loipfinger

Der Frankfurter Immobilienskandal hat sich nach Einschätzung des Fondsexperten Stefan Loipfinger zu einer "ernsten Krise für die Branche" ausgeweitet. Jetzt müsse die Immobilienbranche zeigen, wie sie mit diesem Problem umgeht, sagte Loipfinger der dpa-AFX am Mittwoch. "Nicht nur das Vertrauen der Deka-Kunden ist erschüttert." Involviert seien mehr als 50 Personen und ein Ende sei noch nicht abzusehen. "Dies nehmen viele Anleger zum Anlass, ihr Investment zu überdenken", sagte der Experte.

dpa-afx FRANKFURT. Der Frankfurter Immobilienskandal hat sich nach Einschätzung des Fondsexperten Stefan Loipfinger zu einer "ernsten Krise für die Branche" ausgeweitet. Jetzt müsse die Immobilienbranche zeigen, wie sie mit diesem Problem umgeht, sagte Loipfinger der dpa-AFX am Mittwoch. "Nicht nur das Vertrauen der Deka-Kunden ist erschüttert." Involviert seien mehr als 50 Personen und ein Ende sei noch nicht abzusehen. "Dies nehmen viele Anleger zum Anlass, ihr Investment zu überdenken", sagte der Experte.

Die rosigen Zeiten für Immobilienfonds gehören laut Loipfinger erst einmal der Vergangenheit an. "Es hat eine Trendwende stattgefunden", sagte der Experte. Der Frankfurter Skandal sei nur die Spitze des Eisberges bei den Offenen Immobilienfonds. Hintergrund ist: Leitende Angestellte bei Immobilienfonds, Immobiliengesellschaften von Banken und Freiberufler wie Architekten in ganz Deutschland sollen bei Grundstücksgeschäften Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt oder angenommen haben.

'Massive Schwierigkeiten' Wegen Hoher Mittelabflüsse

Viele Fonds hätten wegen hoher Mittelabflüsse bei einer gleichzeitig hohen Investitionsquote "massive Schwierigkeiten", sagte der Herausgeber des Branchendienstes fondstelegramm.de. Als Beispiel nannte der Experte die iii-Fonds Nr. 1 und 2, Hansa Immobilien und Kanam Grund. Auch degi habe mit einer hohen Investitionsquote zu kämpfen. "Die Lage hat sich inzwischen so stark zugespitzt, dass angeblich die Bundesregierung bereits eingeschaltet worden ist", sagte Loipfinger. "Das ganze könnte sich schlimmstenfalls zu einer europaweiten Immobilienkrise ausweiten."

Die hohen Mittelabflüsse seien ein "systemimmanentes Problem der Immobilienfonds". Diese arbeiteten wie eine Bank. "Geld, das kurzfristig reinkommt, wird nach bestimmten Regeln zu einem Teil langfristig wieder ausgegeben", sagte Loipfinger. "Ein Immobilienfonds macht das Gleiche, nur umgekehrt." Er investiere langfristig in Immobilien mit dem Versprechen, jedem Anleger das Geld sofort zurückgeben zu können. "Wenn fünf bis zehn Prozent der Anleger ihr Geld zurückfordern, können dies die meisten Fonds verkraften, weil sie das Geld vorrätig haben", sagte er. "Sind es mehr, kann eine Lawine losgetreten werden."

Eine Möglichkeit für die Fonds, an Geld zu kommen, sei die Aufnahme von Krediten. "Allerdings belastet das die Performance der Fonds", sagte Loipfinger. Das führe dazu, dass noch mehr Anleger unzufrieden sind. "Irgendwann kann es soweit kommen, dass die Gesellschaften Immobilien verkaufen müssen, um Anlegern das Geld auszahlen zu können. Dies gestalte sich jedoch in der Regel schwierig. "Zu den Strategien vieler Immobilienfonds gehört es nämlich, wegen des geringeren Verwaltungsaufwands nur große Objekte zu kaufen. Allerdings ist es ungleich schwieriger diese wieder zu verkaufen."

'Korruptionsskandal HAT Lage Verschärft'

Nach dem Frankfurter Korruptionsskandal - der die Lage der Immobilienfonds verschärft habe - sei jetzt eine bedingungslose Aufklärung besonders wichtig. "Denn es dreht sich alles um das Vertrauen der Anleger", sagte Loipfinger. Zudem müssten entstandene Schäden ersetzt werden. "Das hat oberste Priorität", mahnte der Experte. Er forderte gleichzeitig eine deutlich verbesserte Transparenz. "Die Gesellschaften müssen endlich verstehen, dass ihre Politik der mangelhaften Transparenz längst nicht mehr zeitgemäß ist." So müssten die Preise, Namen der Käufer und Verkäufer, die Mieten und eine aktuelle Bewertung durch Sachverständige offen gelegt werden.

Die Gesellschaften sollten ihren eingeschlagenen Kurs noch einmal überdenken. "Die Risikostruktur hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert", sagte der Experte. So seien Fondsgesellschaften verstärkt als Projektentwickler aufgetreten, was im eingeschränkten Maße auch seine Berechtigung habe. Das Problem liege aber auch hier in der mangelhaften Transparenz. "Deswegen sollten Immobilienfonds Rechenschaft über ihre Aktivitäten ablegen", forderte der Experte.

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