Interview in der "Le Monde"
"Talibanchef Omar ist kein guter Mensch"

In den Diensten des Talibanführers Mullah Mohammed Omar hat sich der afghanische Bauarbeiter Mohammed Scharif "zwei Jahre lang wie im Gefängnis" gefühlt. Scharif erzählte der Pariser Tageszeitung "Le Monde" (Samstagausgabe), dass er sich an den Bauarbeiten für acht Häuser, eine Moschee und unterirdische Schutzbunker für den Talibanchef beteiligte - und dafür nur "schwarze Nudeln und schlechten Reis" zu essen erhielt.

afp PARIS. Vor zwei Jahren sei er in die Hochburg des Talibanchefs in Kandahar gerufen worden, sagte der Bauarbeiter, der inzwischen nach Kabul zurückgekehrt ist. Die schlechte Versorgung der Arbeiter sei ein Hinweis dafür, dass "Mullah Omar kein guter Mensch ist".

Während Mullah Omars acht Kinder in Kandahar stets mit schmutziger Kleidung und barfuß herumgelaufen seien, habe der Talibanchef eine abgöttische Liebe zu seinen vier Kühen entwickelt, sagte Scharif. Häufig sei der Mullah in seinen Privatgarten gegangen, um die Kühe "zu bewundern, zu streicheln und stundenlang das Gras zu sprengen, das sie fressen sollten". Die Häuser des Talibanführers seien mit extrem dicken Mauern und mehreren Schutzschichten auf den Dächern errichtet worden. "Die Dächer bestehen aus einer 40 Zentimeter dicken Schicht Beton, über die ein Meter Erde geschichtet wurde, dann nochmals 40 Zentimeter Beton, dann zwei Schichten alte Reifen, Holz, nochmals Erde und eine letzte Betonschicht", sagte der Bauarbeiter. Darüber hinaus sei unter dem benachbarten Hügel ein ganzes Netzwerk von Tunneln gegraben worden.

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