Archiv
INTERVIEW IWH: Arbeitsmarktreformen bisher mit wenig Wirkung - teilweise FlopDPA-Datum: 2004-07-04 14:39:12

HALLE (dpa-AFX) - Die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung sind nach Expertenansicht bisher wenig erfolgreich gewesen. "Gemessen an dem Anspruch der Hartz-Kommission, die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu halbieren, ist das Ergebnis mager", sagte der Arbeitsmarkexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Herbert Buscher, in einem dpa- Gespräch. Die Arbeitslosigkeit sei sogar weiter gestiegen. Die Reformen seien dennoch unverzichtbar.

HALLE (dpa-AFX) - Die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung sind nach Expertenansicht bisher wenig erfolgreich gewesen. "Gemessen an dem Anspruch der Hartz-Kommission, die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu halbieren, ist das Ergebnis mager", sagte der Arbeitsmarkexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Herbert Buscher, in einem dpa- Gespräch. Die Arbeitslosigkeit sei sogar weiter gestiegen. Die Reformen seien dennoch unverzichtbar.

Zahlenmäßig gut liefen die Ich-AG, sagte Buscher. Allerdings werde sich erst in etwa eineinhalb Jahren mit Ablauf der drei-Jahres- Förderzeit zeigen, welche Ich-AG noch am Markt sind. "Im Osten liegen fast alle im Niedriglohn-Sektor bei Dienstleistungen und sind daher besonders gefährdet bei rückläufigem privaten Konsum", sagte der Wissenschaftler.

KAPITAL FÜR ARBEIT UND PSA'S EIN FLOP

Hingegen habe sich das Programm Kapital für Arbeit genauso als Flop erwiesen, wie die Personal-Service-Agenturen (PSA). "Kapital für Arbeit hat erhebliche Mitnahme-Effekte produziert und ist inzwischen klammheimlich wieder verschwunden", sagte Buscher. Die Idee der PSA zeuge von schlechter regionaler Marktkenntnis. Bei der gegenwärtigen Wirtschaftssituation würden kaum Leiharbeiter gebraucht.

Zweifel äußerte der Wirtschaftsforscher auch bezüglich des Erfolgs der Mini-Jobs. "Mini-Jobs sollen ja der Renner sein. Wenn die Regierung von 1,4 Millionen neuen Mini-Jobs spricht, müssten wir das an den Arbeitslosenzahlen oder an den Beschäftigtenzahlen eigentlich merken." Er gehe davon aus, dass Mini-Jobs zu einem Großteil von Menschen ausgeübt werden, die nicht arbeitslos und auch nicht erwerbstätig sind, wie Schüler, Studenten, Rentner. "Die dürfen Nebenverdienste machen und tauchen nicht in der Statistik auf. Insofern helfen Mini-Jobs kaum bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit", bilanzierte Buscher.

RIESENPROBLEME BEI UMSETZUNG VON ARBEITSLOSENGELD II

Wenngleich die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe vom Grundsatz her richtig sei, sehe er bei der Umsetzung Riesenprobleme. "Es gibt noch zu viele Unklarheiten." Auch das mit dem Arbeitslosengeld II verbundene Prinzip "fördern und fordern" werde nicht funktionieren. "Wenn es nicht genügend Stellen gibt, können sie auch nicht mit Langzeitarbeitslosen besetzt werden."

Buscher räumte ein, dass manche Reforminstrumente "einfach auch noch Zeit brauchen, um sich durchzusetzen". Außerdem sei die Konjunkturlage trotz Aufhellung noch zu schlecht, um positiv auf den Arbeitsmarkt durchzuschlagen. Die so genannten Hartz-Reformen seien dennoch wichtig. "Das Reformsignal aus Deutschland über den längst fälligen Umbau des Arbeitsmarktes ist auch im Ausland empfangen worden. Verkrustungen wurden aufgebrochen und es gibt mehr Flexibilität", sagte Buscher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%