Interview
„Man kann sich auch tot rennen“

Jungnationalspieler Andreas Hinkel über das Fußball-Länderspiel gegen Island, die Erfolge mit dem VfB Stuttgart, die richtige Art zu laufen und der Antwort auf die Frage, warum er sich noch nie mit Oliver Kahn privat unterhalten hat.

Herr Hinkel, wenn am Sonnabend um 17 Uhr in Hamburg das Spiel gegen Island angepfiffen wird, werden Sie wohl in der Anfangself stehen. Wissen Sie schon, mit wem Sie es zu tun bekommen werden?

Schon, aber er ist nicht so bekannt...

Vor einer Woche haben Sie noch in der Champions League gegen den Portugiesen Ronaldo von Manchester United gespielt. Und jetzt kommt Island, mit jemandem, dessen Namen Sie nicht kennen.

Das ist kein Problem. Wir haben uns nach dem Sieg nicht lange mit Manchester beschäftigt. Am selben Abend habe ich schon an das nächste Spiel gedacht: Köln, aha, jetzt spielst du gegen Matthias Scherz.

Gegen Manchester haben Sie ein großes Spiel gemacht. Trotzdem gab es Leute, die Ihnen vorgehalten haben, zu wenig für die Offensive getan zu haben.

Wieso? Ich spiele in der Viererkette. In der Abwehr. Und dafür, dass ich da Weltklasse-Offensivleute gegen mich hatte, die es in der Bundesliga fast gar nicht gibt, habe ich eigentlich noch viel nach vorne gemacht.

Vielleicht hat sich das Bild von den jungen Wilden schon so in den Köpfen festgesetzt, dass man vom VfB Stuttgart einfach erwartet, dass er pausenlos nach vorne spielt.

Da sind die Leute wohl noch verwöhnt von der letzten Saison, als wir immer frisch und forsch nach vorne gespielt haben. Ich bin ja auch ständig rauf und runter gerannt. Als junger und unbekannter Spieler musst du eben etwas zeigen. Inzwischen habe ich bewiesen, dass ich mithalten kann, und ich habe dazugelernt. Ich spiele jetzt überlegter. Ökonomischer.

Dann müssten Sie in der Nationalmannschaft wilder auftreten - da haben Sie noch was zu beweisen.

So kann man das nicht sagen. Ich kann hier ja nicht anders spielen als im Verein. Ich bin doch hier, weil ich so spiele, wie ich spiele.

Anders gefragt: Könnte die Nationalelf nicht ein bisschen von der Wildheit des VfB brauchen?

Was heißt Wildheit? Die Deutschen spielen nun mal eher den einfachen Fußball. Wir sind keine Brasilianer.

Die Stuttgarter auch nicht.

Stimmt. Aber man kann auch einfach gut spielen. Wir spielen beim VfB einen ganz einfachen Fußball - weil wir immer in Bewegung sind.

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