Interview mit Beiersdorf-Chef
„Ich bin sehr stolz“

Vorstandschef Rolf Kunisch über die Verkaufspläne der Allianz. Kunisch, 61, ist seit 1994 Vorstandschef des Hamburger Kosmetikkonzerns.

Herr Kunisch, Beiersdorf droht, seine Selbstständigkeit zu verlieren. Können Sie nachts noch ruhig schlafen?

Ich schlafe Gott sei Dank ganz gut, aber dass mich das Ganze völlig kalt lässt, kann ich auch nicht behaupten. Die Spekulationen schaden unserem Unternehmen und verunsichern unsere Mitarbeiter.

Welche Lösung wäre Ihnen denn die liebste?

Was unsere Großaktionäre mit ihren Anteilen machen, entzieht sich der Einflussmöglichkeit des Vorstandes.

Man sagt Ihnen nach, dass Sie die Platzierung des Allianz-Anteils an der Börse favorisieren.

Selbstverständlich mache ich mir meine Gedanken, aber die werde ich nicht öffentlich sagen, da sie durchaus den Interessen einzelner Aktionäre widersprechen könnten. Was ich sagen kann, ist, dass ich den Wachstumskurs, den wir seit zehn Jahren erfolgreich verfolgen, gerne weiterführen möchte.

Muss Beiersdorf dafür selbstständig bleiben?

Der Erfolg einer Marke hängt immer auch vom Hersteller ab. Wenn Nivea nur noch eine Marke unter vielen in einem Konzern wäre, hätte sie nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit wie heute bei uns.

Eine starke Mutter könnte Nivea aber in den USA helfen, wo die Marke nicht so stark ist.

Natürlich könnte ein ganz Großer unsere Distribution noch stärker fördern, aber warum sollte er das tun? Procter & Gamble steckt jedes Jahr etwa 100 Millionen Dollar in die Werbung für Oil of Olay. Warum sollten die zusätzlich in Nivea investieren? Außerdem: Nivea ist im letzten Jahr um 17,7 Prozent gewachsen, dann kam L'Oréal mit 7,2 Prozent. Nestlé, Unilever und Procter & Gamble lagen nahe drei Prozent. Wer will uns da eigentlich beim Wachstum helfen?

Hält die Allianz Sie über den Stand der Gespräche auf dem Laufenden?

Wir sprechen laufend mit all unseren Großaktionären. Wenn sich irgendwann ganz konkrete Fragen stellen, werden wir mit Sicherheit einbezogen. Bis jetzt hat es allerdings noch keine konkrete Frage gegeben.

Macht es Sie stolz, dass für Beiersdorf Preise von bis zu 16 Milliarden Euro genannt werden?

Ich bin stolz, dass wir an der Börse einen Wert von knapp elf Milliarden Euro darstellen. Und darauf, dass wir bei der Marktkapitalisierung in Deutschland auf Platz 20 stehen, während wir vom Umsatz her ungefähr auf Platz 50 sind. Darauf bin ich sehr stolz.

Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?

Ich bin kein Börsenguru, aber wenn die Kurse eines Tages wieder nach oben gehen, wird Beiersdorf ganz sicher überproportional steigen. Performance ist für mich das allerwichtigste, denn mit Performance kann man sich treue Aktionäre erhalten.

Heißt das, Sie sehen noch eine Chance, dass die Allianz ihre Beiersdorf-Beteiligung behält?

Ja, ich sehe diese Chance.

Die Allianz hat Ihnen also noch nicht gesagt, dass sie fest zum Verkauf entschlossen ist?

Nein

.

Was würden Sie persönlich tun, wenn ein großer Konkurrent Beiersdorf schlucken würde?

Ich würde mir sicher meine privaten Gedanken machen.

Es heißt, Sie hätten für den Fall, dass Tchibo zum Zug kommt, mit Rücktritt gedroht.

Das ist nun wirklich absoluter Quatsch.

Von Claus Gorgs, Wirtschaftswoche

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%