Interview mit Carleton Fiorina
„HP verdient im Privatkundengeschäft Geld“

Das Handelsblatt sprach mit Carleton Fiorina, Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard, über die Strategie des Unternehens und dessen Position im Privatkunden-Geschäft.

Frau Fiorina, teilen Sie die Kritik einiger Analysten, die bei HP eine Fokussierung auf Geschäfts- oder Privatkunden vermissen?

Wir wissen genau, wohin wir wollen - nämlich in beide Märkte. HP ist der einzige Computerkonzern, der heute das gesamte Spektrum der Computertechnologie vom Hochleistungsserver bis zum Personalcomputer und Drucker inklusive IT-Dienstleistungen abdeckt.

Doch in der Industrie und bei Banken hat IBM das bessere Standing.

Der ehemalige IBM-Chef Lou Gerstner hat inzwischen eingeräumt, dass es sein größter Fehler war, aus dem Privatkundengeschäft auszusteigen. Er hat recht: Denn der Markt für Privatanwender ist ein Wachstumsmarkt. Würde man das Geschäft von HP nach Privat- und Geschäftskunden aufschlüsseln, würde sich zeigen, dass wir im Privatanwender-Geschäft Geld verdienen. Im Gegensatz zu IBM, die mit dem PC-Geschäft über Jahre Milliardenverluste angehäuft haben.

Wie profitiert HP im Großkundengeschäft von einer starken Stellung in margenschwachen Endverbrauchermärkten?

Wir haben den Outsourcing-Auftrag von Procter & Gamble nicht allein deshalb gegen IBM gewonnen, weil wir in der Lage sind, die IT-Infrastruktur des Konzerns kostengünstiger zu betreiben, sondern auch, weil wir - wie Procter & Gamble selbst - in den Konsumgütermärkten präsent sind. Einer der kommenden Technologietrends für Firmen wie Procter & Gamble ist die Ausstattung ihrer Produkte mit so genannten Radio Frequency Identifiers - kleinen Microchips, die Informationen über die Produkte enthalten. Aufgrund unseres Privatanwendergeschäfts verfügen wir über eine Produktions- und Lieferstruktur, die es uns ermöglicht, diesen Massenmarkt zu bedienen.

Nach dem dritten Quartal hat die Börse trotzdem sehr negativ auf Verluste im PC-Geschäft reagiert. Ist die Wall Street zu kurzfristig orientiert?

Manche Akteure an der Börse übertreiben die Bewertung kurzfristiger Änderungen im Verhältnis zur langfristigen Strategie. Unser Ziel ist es nicht, in jedem Quartal in jedem Markt die Nummer eins zu sein. Unser Ziel ist, es auf mittlere Sicht eine führende Rolle in jedem wichtigen Markt zu spielen.

Sie waren eine der ersten Managerinnen, die den Abschwung der IT-Industrie vorhergesehen hat. Für wann rechnen Sie mit einem Aufschwung?

Die Konsolidierung der IT-Industrie wird noch weitergehen. Und wenn der Aufschwung kommt, wird er anders aussehen als Ende der neunziger Jahre. Die Kunden sind heute anspruchsvoller, und die Latte für die Unternehmen liegt höher. Auch das Wachstum wird moderater ausfallen. Der Technologiesektor wird mit der doppelten Geschwindigkeit des Sozialprodukts wachsen, nicht mit der fünffachen Geschwindigkeit.

Werden die Margen im profitablen Geschäft mit IT-Dienstleistungen ebenso fallen wie die bei Hardware?

Ich rechne vor allem damit, dass die Margen für teure Beratungsdienstleistungen dramatisch sinken werden. Das war der Grund, warum ich Pricewaterhouse Coopers nicht gekauft habe, die uns zwei Wochen vor IBM angeboten worden waren.

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