Interview mit dem ADAC-Präsidenten
"Der ADAC ist ein Mobilitätsdienstleister"

Das Handelsblatt sprach anläßlich des 100-jährigen Jubiläums des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs mit dem ADAC-Präsidenten Peter Meyer. Mit rund 14,6 Millionen Mitgliedern ist der ADAC der größte Club Europas und der drittgrößte in der Welt.

Was empfinden Sie anlässlich des Jubiläums?

Freude und Genugtuung über das Leistungsniveau, das der ADAC im Jahr seines 100. Geburtstages erreicht hat. Erst kürzlich hat uns ja die Untersuchung 'Perspektive Deutschland' bestätigt, dass unter allen Institutionen in Deutschland der ADAC am meisten Vertrauen und die größte Kompetenz genießt, und am wenigsten verbesserungswürdig erachtet wird. Dies ist eine Bestätigung dafür, dass wir wenig falsch gemacht haben und auf dem richtigen Weg sind.

Was ist die größte Errungenschaft des ADAC?

Sicherlich die Tatsache, dass es den ADAC überhaupt gibt. Darüber hinaus sind es unsere 1700 Gelben Engel, eine der größten privaten Pannenhilfe-Organisationen der Welt, die in 83 Prozent der Fälle ein Fahrzeug an Ort und Stelle wieder flott bekommen. Und natürlich unser bundesdeutsches Luftrettungsnetz, das auf eine Initiative des ADAC zurück geht. Mit 52 Stationen ist es praktisch lückenlos und garantiert, dass bundesweit bei einem Unfall oder sonstigen Notfall binnen kürzester Zeit ärztliche Hilfe dort sein kann, wo sie gebraucht wird. Der ADAC selbst ist mit 25 Stationen in diesem Netz vertreten.

Worin sehen Sie die Zukunft des ADAC?

Wir wollen uns von der reinen Pannenhilfe-Organisation hin zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen entwickeln, das die Interessen und Bedürfnisse aller an der Mobilität interessierten Menschen im Auge hat und sich um diese kümmert. In diesem Zusammenhang steht zwar das Auto nach wie vor im Mittelpunkt unserer Aktivitäten, aber eben nicht mehr ausschließlich. Wir werden uns künftig noch intensiver auch mit anderen Varianten der Mobilität beschäftigen.

In welche Bereiche könnte sich der ADAC noch wirtschaftlich ausbreiten über die Finanzdienstleistungen hinaus?

Wir, analysieren sehr sorgfältig und versuchen Lücken zu finden. Da wo wir solche finden, versuchen wir, mit eigenen Angeboten dabei zu sein. Wir werden uns aber auch nicht verzetteln, einige denkbare Aktivitäten haben wir nach genauerer Prüfung auch wieder verworfen.

Wird der ADAC ein Allfinanzkonzern? Sagen Sie der Branche den Kampf an?

Wir wollen uns weder zu einem Allfinanzkonzern entwickeln noch kann von einer Kampfansage an die Branche die Rede sein. Ich sagte es bereits, wir sehen uns als Mobilitätsdienstleister, der da, wo er auf dem Markt hinsichtlich Preiswürdigkeit und Verbraucherfreundlichkeit Lücken entdeckt, diese schließt. Konkret: Wir waren beispielsweise der Meinung, dass man Autoversicherungen noch verbraucherfreundlicher gestalten kann. Also haben wir unsere Vorstellungen definiert und uns Partner gesucht, die bereit waren, zu diesen Bedingungen ein Produkt anzubieten. Einen ähnlichen Weg stellen wir uns bei Finanzdienstleistungen vor.

Welchen Betrag hat der ADAC 2002 gespart, weil er ein Verein ist?

Wir sind, was unseren Clubbereich angeht, ein Idealverein, der seine Tätigkeit nicht an wirtschaftlichen Zwecken ausrichtet, sondern sich an den Interessen seiner Mitglieder orientiert. Außerdem haben wir uns verpflichtet, Pannenhilfe nicht nur für unsere Mitglieder, sondern für jeden Autofahrer zu leisten. Daraus genießen wir in diesem Bereich einen gewissen Steuervorteil, der rund 20 Mill. Euro im Jahr ausmacht. Alle anderen Aktivitäten müssen der ADAC und seine Tochtergesellschaften ganz normal versteuern wie jeder Steuerpflichtige auch.

Wird der ADAC ein Verein bleiben?

Wir haben nicht die Absicht, an dieser Philosophie etwas zu ändern.

Wie realistisch ist Ihr Ziel von 18 Millionen Mitgliedern?

Dies ist sicherlich ein sehr anspruchsvolles Ziel. Mit einer neuen strategischen Ausrichtung hin zu einem breiten Angebot an Mobilitätsdienstleistungen sind wir aber der Ansicht, dass es bis zum Jahr 2010 erreichbar ist.

Sie sind jetzt über 2 Jahre im Amt. Welches persönliches Fazit ziehen Sie?

Es macht ungeheuer Freude, einen Verein mit dem eingangs bestätigten Leistungsniveau noch weiter zu verbessern und seine Zukunft verantwortlich mit zu gestalten.

Kann man diesen Job eigentlich überhaupt noch ehrenamtlich machen?

Eigentlich nicht.. Als ich in dieses Amt gewählt wurde, war mein Ziel 30 Prozent ADAC, 20 Prozent Job und 50 Prozent Familie. Derzeit bin ich bei 70 Prozent ADAC. Aber das liegt sicherlich auch an den im Zusammenhang mit unserem Jubiläum verstärkten Aktivitäten.

Was ist ihre wichtigste Forderung an die Bundesregierung?

Zum einen muss Mobilität bezahlbar bleiben. Sie ist nicht nur ein Grundbedürfnis der Menschen, sondern eine absolute Notwendigkeit. Ohne Mobilität ist ein soziales Leben unmöglich, Deswegen sind sie auch bereit, einen entsprechenden Preis dafür zu bezahlen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass der Staat diese Zahlungsbereitschaft über Steuern und Gebühren überstrapaziert.

Zum anderen ist es unerlässlich, das bundesdeutsche Fernstraßennetz im Hinblick auf die wachsenden Anforderungen insbesondere durch die EU-Osterweiterung schleunigst leistungsfähiger zu machen. Dazu müssen zusätzliche Etatmittel bereit gestellt werden. Andernfalls sind noch mehr Staus, Zeitverluste und unsinniger Kraftstoffverbrauch, der auch die Umwelt unnötig belastet, die Folge. Diesen volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe können wir uns nicht länger leisten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%