Interview mit dem AWD-Chef
Maschmeyer: "Wir brauchen ein Vorsorgekonto"

Mit einem "flexiblen Multivorsorgekonto" könnten Arbeitnehmer sowohl fürs Alter sparen als auch in Notfällen liquide sein, schlägt Carsten Maschmeyer, Vorstandsvorsitzender der AWD Holding AG, vor.

Das Alterseinkünftegesetz regelt weit mehr als die Besteuerung von Renten und Pensionen. Muss der AWD künftig um sein Kerngeschäft bangen?

Maschmeyer: Die Kapitallebensversicherung hat einen Anteil von lediglich 7 % am AWD-Konzernumsatz. Der Produktmix für das Schließen der Altersversorgungslücke wird sich auf andere Segmente und neue Tarife verlagern.

Die Lebensversicherer rechnen mit einem Boom zum Jahresende, weil ab 2005 der bisherige Steuervorteil wegfällt. Teilen Sie die Euphorie?

Maschmeyer: Wir erwarten für den Herbst eine deutlich steigende Nachfrage nach Lebensversicherungen. Denn alle bis Ende des Jahres abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen bleiben steuerfrei. Dafür sollten die Verträge bis Anfang Dezember policiert sein und die erste Prämie noch in 2004 gezahlt werden.

Ab 2005 wir vieles anders. Höhere Besteuerung im Alter passt aus fiskalischen Gründen zur demografischen Entwicklung. Wie sollen die Bundesbürger reagieren?

Maschmeyer: Die zu erwartende Vielzahl an neuen, zum Teil staatlich geförderten Produkten führt zu einer Unübersichtlichkeit für die Bundesbürger und erhöht den Aufklärungsbedarf deutlich. Am lohnendsten ist es, sich durch einen unabhängigen Navigator durch diesen vielfältigen Produktdschungel führen zu lassen. Professionelle unabhängige Beratung und bedarfsorientiertes Financial Planning bilden einen unverzichtbaren Mehrwert.

Ein neues Element ist die Rürup-Rente. Ihre Meinung: Top oder Flop?

Maschmeyer: Die erhöhte Absetzbarkeit bei der privaten Altersversorge ist ein Weg in die richtige Richtung. Dies wird vermehrt zum Abschluss von Rentenversicherungen führen. De facto wird gesetzlich vorgeschrieben, was die meisten Kunden heute schon tun. Bedauerlich ist der Ausschluss der Vererbbarbeit.

Sie haben den Begriff den Multivorsorgekontos in die Diskussion eingeführt. Was verstehen Sie darunter?

Maschmeyer: Das Multivorsorgekonto könnte eine Gesamtlösung sein. Denn was nützt die beste Altersversorgung, wenn sich beispielsweise ein 30-jähriger Arbeitnehmer einen medizinischen Eingriff nicht leisten kann, weil die gesetzliche Krankenkasse den Eingriff nicht bezahlt und der Zugriff auf einen Teil des angesparten Vermögens verweigert wäre. Gleiches gilt für die Überbrückung von Phasen der vorzeitigen Berufsunfähigkeit oder auch von Arbeitslosigkeit. In solchen Ausnahmefällen jedoch sind auch vor dem Renteneintritt steuerfreie Entnahmen möglich. Mit diesem flexiblen Multivorsorgekonto wären alle Reformbedürfnisse ganzheitlich und vernetzt gelöst. Dieses personalisierte Konto behält der Arbeitnehmer sein Leben lang, und er kann es von jeder Arbeitsstelle mit einem festgelegten Höchstbetrag steuerfrei besparen oder dort Gelder in staatlich geförderten, klassisch bewährten Finanzprodukten nach eigener Wahl anlegen. Die nachgelagerte Besteuerung erfolgt beim Arbeitnehmer im Auszahlungszeitpunkt bei Erreichen der Altersgrenze.

Carsten Maschmeyer ist Vorstandsvorsitzender der AWD Holding AG. Im letzten Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 563 Millionen Euro.

Quelle: ?uro 10/2004 vom 01.10.2004 Seite 86

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