Interview mit dem Honda-Chef
„Ich will kein Dinosaurier sein“

Honda-Chef Takeo Fukui fühlt sich stark genug, um alleine gegen die globalen Auto-Riesen zu bestehen. Dies sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Die Fragen stellte Nicole Bastian:

Herr Fukui, seit zwei Monaten sind sie Präsident des siebtgrößten Autoherstellers der Welt. Was werden sie bei Honda ändern?

Im kommenden Jahr erarbeiten wir unseren neuen Dreijahresplan. Vom Trend her wollen wir die Marke Honda stärken. Andere sagen, sie wollen Marktanteil oder Gewinn anheben, ich will vor allem Hondas Identität schärfen.

Wie soll das gehen?

Wir wollen technologisch immer ein, zwei Schritte vor der Konkurrenz sein und das dem Kunden klar machen. Das ist Hondas Identität. Honda ist zum Beispiel Nummer eins im Motorradgeschäft geworden, weil wir uns, als alle einen Zweitakt-Motor verwendeten, für einen Viertakter entschieden haben.

Beim Verkauf von Hybridfahrzeugen etwa ist Ihnen Toyota aber davongezogen...

Das ist richtig. Aber Verkaufszahlen sind derzeit nicht das wichtigste. Wir konzentrieren uns auf das Civic-Hybridmodell, wollen die Kundenzahl langsam steigern und unsere Technologie weiterentwickeln, die wir für den effizienteren Ansatz halten.

Der Civic Hybrid hat sich in den USA mit 13 000 Autos im ersten Halbjahr gut verkauft. Wann gibt es einen Hybrid-Massenmarkt?

Dafür müssen die Einstiegskosten sinken. Aber wir werden in den nächsten Jahren einen bemerkenswerten Anstieg der Zahlen sehen - in Europa wegen der Konkurrenz zum Diesel wohl etwas später.

Honda sieht sich auch bei der Brennstoffzelle ganz vorn. Wann kommt hier der Durchbruch?

Toyota und Honda haben erste Brennstoffzellenautos herausgebracht. Ich bin überzeugt, dass wir das CO2-Problem ohne sie nicht lösen. Die Hersteller können in zehn Jahren die Systeme der Autos umstellen. Doch bis wir die Infrastruktur verändern, wird es 20 bis 30 Jahre dauern. Am Ende wird sich aber die Brennstoffzelle durchsetzen.

Wo wir über einen so langen Zeitraum sprechen - einige Konkurrenten unken, dann gebe es Honda nicht mehr. Ist das Unternehmen zu klein für die Unabhängigkeit?

Die Diskussion, wie groß ein Autobauer sein muss, haben wir vor fünf Jahren in Japan schon einmal heftig geführt. Damals verkauften wir 2,4 Millionen Autos im Jahr, heute sind es drei Millionen. Wir bauen Brennstoffautos, entwickeln Dieselmotoren, nehmen an der Formel 1 teil. Und das alles alleine. Aber ich sage nicht, dass wir immer darauf bestehen werden, unabhängig zu bleiben. Wenn es für unsere Kunden von Vorteil ist, können wir uns durchaus vorstellen, mit anderen bei Modellen oder Technologien zu kooperieren. Aber im Moment haben wir keine solche Absicht.

Große Autohersteller wie Daimler-Chrysler oder Renault - Nissan beginnen in ihren Allianzen von Skaleneffekten zu profitieren. Was kann Honda dagegensetzen?

Größe kann auch negativ sein. Es könnte sich ebenso gut herausstellen, dass nur die kleinen, schnellen Spieler überleben. Es ist ein bisschen wie Jurassic Park, die Dinosaurier gegen die Mammuts - und die Mammuts überleben. Ich will kein Dinosaurier sein.

Ihre Strategie scheint sich auf die USA, wo schon jetzt über die Hälfte des Umsatzes herkommt, und Asien zu konzentrieren. In Europa machen Sie zwar in diesem Jahr Gewinne, aber gerade einmal sieben Prozent des Absatzes. Warum legen Sie nicht mehr Gewicht auf Europa?

Wir haben Probleme in Europa, doch das ist für uns ein wichtiger Markt. Ob Technologie oder Design, Europa ist ein Trendsetter. Aber es ist für uns ein unheimlich schwerer Markt, auf dem wir Schritt für Schritt vorgehen müssen. Großbritannien läuft ganz gut, aber Deutschland ist wirklich schwer.

Warum?

Die Deutschen haben sich darauf eingeschossen, dass deutsche Autos die besten sind. Sie müssen sich einfach ein bisschen öffnen. Dann bin ich sicher, werden sie auch einen Honda schätzen.

Wenn Sie sich Honda 2010 vorstellen, welche Rolle spielen die einzelnen Weltregionen?

Vom Markt her wachsen China und die Asean-Länder. Generell peilen wir überall auf der Welt zehn Prozent Marktanteil an, in Japan natürlich mehr. In Europa liegen wir mit ein bis zwei Prozent Marktanteil heute weit unter unseren Möglichkeiten. Zehn Prozent wäre sehr ambitioniert, aber fünf Prozent wollen wir so schnell wie möglich schaffen.

In den USA hat Honda den Umsatz im ersten Halbjahr um 13 Prozent erhöht - mit den niedrigsten Rabatten der Branche. Wird dieses Wachstum anhalten?

Für ein paar Jahre ja. Wir erhöhen gerade die Produktionskapazität für leichte Lastwagen in unserem Werk in Alabama. Das wird den Absatz heben. Denn bis das Werk fertig ist, werden wir in den kommenden zwei Jahren eher einen Angebotsengpass haben.

Wann erholt sich der US-Markt insgesamt wieder?

Ich glaube, es ist ein gutes Zeichen, dass das Volumen nicht unter 16 Millionen gesunken ist, auch wenn da natürlich die Rabatte geholfen haben. Ich erwarte eine Erholung, wenn auch nicht sofort auf Rekordniveau. Ob das noch in diesem Jahr einsetzen wird? Ich wünschte es mir, aber ich bin nicht sicher.

Planen Sie eine Erweiterung ihrer globalen Kapazität?

Neben Alabama haben wir in China Expansionspläne. Und in Ländern wie Malaysia, Thailand und Indonesien erreichen kleinere Werke bald ihre volle Kapazität. Das warten wir ab, bevor wir über den nächsten Schritt entscheiden. Wenn wir die Kapazitäten all jener Firmen, die sagen, Honda sei zu klein, addieren, ist da auf jeden Fall eine riesige Überkapazität. Und ich glaube, das wird nicht lange anhalten.

Sprich: Sie erwarten, dass Marktteilnehmer untergehen?

Ja, das glaube ich sicher.

Wie viele?

Das weiß ich nicht. Aber es können nicht alle so weitermachen. Einige schließen schon die ersten Werke. Es muss nicht heißen, dass ihr gesamtes Geschäft untergehen wird, aber wie Sie an den Schließungen sehen, müssen zumindest Teilbereiche restrukturiert werden.

Honda ist einer der ersten Autohersteller, der China als Exportbasis nutzt. Heißt das, dass Sie neue Werke - sollten sie denn entstehen - vor allem im billigeren China oder Südostasien bauen?

Das reine Exportwerk in China ist ein Spezialfall. Grundsätzlich bleiben wir bei unserer Devise, dort zu produzieren, wo der Markt ist. Das könnte auch Europa sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%