Interview mit der Energieagentur NRW
Hohe Ölpreise bieten Anreize zum Energiesparen

Die privaten Haushalte verbrauchen ca. 28 % des deutschen Energieverbrauchs. Im Gegensatz zur produzierenden Industrie haben die Haushalte ihren Kohlendioxid-Ausstoß von 1990 bis 1998 um 0,8 Mill. Tonnen gesteigert. Handelsblatt.com sprach mit Michael Müller, Energieberater der Energieagentur NRW, über das Einsparpotenzial der Haushalte.

Frage: Wie setzt sich der Energieverbrauch der privaten Haushalte zusammen und wie hoch ist das Einsparpotenzial?

Müller: Die Erzeugung von Raumwärme nimmt mit 77 % den Hauptverbrauch ein. An zweiter Stelle steht die Warmwassererzeugung mit 12,5 %, die restliche Energie wird bei der Nahrungsmittelzubereitung, der Beleuchtung um beim Gebrauch von Elektrogeräten verbraucht. Im Bereich Raumwärme kann ungefähr 50 % der Energie (ca. 284 Mill. kWh/a, Basis 1999) gespart werden. Je nach baulichen Gegebenheiten und dem Alter der Heizung kann auch wesentlich mehr Energie gespart werden. Zwei Maßnahmen führen dabei maßgeblich zum Erfolg: Wärmedämmung (ca. 80 % des Einsparpotenzials) und Optimierung der Heizung (bis zu 20 % des Einsparpotenzials). Diese Zahlen werden von der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Versorgungsunternehmen (ASEW) herausgegeben. Im Bereich Warmwassererzeugung kann durch den Einsatz von Thermischen Solaranlagen bis zu 60 % (ca. 55,2 Mill. kWh/a, Basis 1999) der verbrauchten Energie eingespart werden.

Frage: Woran liegt es, dass Einsparpotenziale im Bereich Haushalte schwer zu realisieren sind?

Müller: Entscheidend ist dabei die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme. Durch die bisher günstigen Energiepreise war der Anreiz Energie zu sparen eher gering. Durch die Preisentwicklung, gerade am Öl- und Gasmarkt, bekommen jetzt speziell auch private Haushalte Anreize, Investitionen zur Energieeinsparung zu tätigen.

Frage: Ist der Einsatz einer Thermischen Solaranlage wirtschaftlich?

Müller: Die Kilowattstunde Nutzwärme kommt durch verschiedene Fördermaßnahmen auf einen Preis zwischen 15 und 30 Pfennig und nähert sich damit der Grenze zur Wirtschaftlichkeit. Konkret wird durch die solare Warmwasseerzeugung ca. 300 Liter Heizöl pro Jahr gespart. Berechnet man dazu die Kosten für eine Solaranlage nach Abzug der Förderung mit 4 500,- DM, so liegt die Zeit, in der sich die Anlage bezahlt macht, unter der 20-jährigen Lebensdauer.

Frage: Wie setzen Kommunen ihren Einfluss auf den Energieverbrauch in Gebäuden um?

Müller: Viele Kommunen entwickeln zurzeit Konzepte, ihr CO2-Einsparpotenzial mit Hilfe von Wärmedämmung und effizienten Heizungsanlagen, wo möglich mit Unterstützung von regenerativen Komponenten, umzusetzen. Zum Beispiel fand in dem Zusammenhang am 14. November die Regionale Klimaschutzkonferenz in Wuppertal statt. Die vom Klimabündnis der Städte "Allianza del Clima" veranstaltete Konferenz stellt bei diesem Workshop Vorzeige-Projekte von Kommunen vor. Ein Beispiel ist der Gütersloher Klimatisch: Hier haben sich Planer, Handwerker und die Stadt Gütersloh zusammengeschlossen, um private Haushalte zum Thema Energiesparen zu beraten.

Frage: Wie unterstützt die Energieagentur NRW die Kommunen dabei?

Müller: Die Energieagentur leitet das Energienetzwerk NRW. Im Energienetzwerk haben sich fünf Kommunen aus dem Ruhrgebiet zusammengeschlossen, um z.B. mit Förderung von regenerativer Energietechnik einen sparsamen Energieverbrauch zu erzielen. Zielgruppen dieser Initiative sind private Haushalte aber auch regionale Industrie- und Handwerksbetriebe und die kommunalen Einrichtungen. Ergebnisse des Energienetzwerkes sind beispielsweise ein Heizspiegel für Gelsenkirchen, der zur Zeit erstellt wird. Ähnlich wie mit dem bekannteren Mietspiegel, können mit Hilfe des Heizspiegels, auf Basis ähnlicher Gebäudestrukturen, direkte Vergleiche des Energieverbrauchs angestellt werden.

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