Interview mit einem Zukunftsforscher
"Der Dot-com-Blues ist bald vorbei"

Der britische Zukunftsforscher Ray Hammond ist überzeugt, dass die schlechte Stimmung für Technologiewerte schnell verfliegen wird, wenn sich die Weltbörsen vom Terror-Schock erholt haben.

dpa-afx SEVILLA. "Der Dot-com-Blues ist bald vorbei", sagte Hammond am Mittwoch auf der Fachmesse "Storage Networking World" in Sevilla. Die Bewertung der Unternehmen an den Aktienmärkten habe weniger mit ihrem inneren Wert zu tun als mit wechselnden Anlage-Modetrends.

Hammond sieht in den jüngsten Verkaufswellen den Auswuchs des "Herdentriebs" der Börsianer. "Das erinnert an ein Rudel Antilopen, das über die Savanne rast. Kaum raschelt es im Unterholz, wechselt die ganze Herde die Richtung." Darunter hätten auch solide Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten zu leiden. Sie hätten wegen der "Gier der Risikokapitalgeber" jetzt Schwierigkeiten Mittel aufzutreiben. "Für Anleger mit wenig Mut zum Risiko gibt es jetzt wunderbare Schnäppchen", sagte Hammond.

Keine Geheimrezepte

Zur Auswahl der richtigen Titel kennt der Futurologe allerdings kein Geheimrezept. "Man muss entweder dieselbe Recherche betreiben wie die professionellen Anleger oder sein Portfolio entsprechend breit aufstellen", sagte er. Fonds seien dazu eine gangbare Alternative. "Als Daytrader kann man heute nicht mehr überleben, nicht ohne wesentlich mehr Wissen."

Hammond erwartet, dass das Bedürfnis nach Kommunikation dem Internet weitere Bevölkerungsschichten zuführen wird. "Es ist doch ganz offensichtlich, dass gesellschaftliche Gruppen, die neuen Technologien in der Regel kritisch gegenüber stehen, sich wegen eines so simplen Mittels wie der E-Mail dem Internet geöffnet haben." Die britische Homepage "Friends Reunited" etwa biete nichts anderes an, als Schulfreunde von einst wieder zusammenzubringen. Damit sei das Unternehmen so erfolgreich, dass es demnächst an die Börse gehen könne.

Kein Schaden an der Aktienkultur



Der Kursrutsch bei den Technologiewerten wird nach Ansicht des Zukunftsforschers der noch jungen Aktienkultur in Europa keinen Schaden zufügen. "Die Zahl der Kleinanleger in Deutschland und Europa ist einfach nicht groß genug gewesen, dass ihr finanzieller Verlust der Aktienkultur schaden könnte", sagte Hammond. Die britische Aktienkultur sei auch nicht viel älter als die deutsche. Erst seit der Privatisierung von British Telecommunications Mitte der 80er Jahre hätten auch "normale Menschen" Aktien.

Hammond verfasste bereits 1984 "The On-Line Handbook", eine Einführung in die kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten des Internets. Seine Bücher wurden in 21 Sprachen übersetzt. Derzeit unterrichtet er an der City Business School in London.

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