Interview mit Finanzminister Kolodko: Polen will den Euro schon 2007

Interview mit Finanzminister Kolodko
Polen will den Euro schon 2007

Das kommende EU-Neumitglied will sich zu einem etwas niedrigeren als dem derzeitigen Kurs vom Zloty verabschieden.

Reuters ATHEN. Polen könnte nach Einschätzung von Finanzminister Grzegorz Kolodko zum frühestmöglichen Termin 2007 der Euro-Zone beitreten zu einem etwas niedrigeren als dem derzeitigen Zloty-Kurs.

"Wenn wir über einen Beitritt zur Euro-Zone 2007 reden, könnte dies zu einem Kurs von 4,4 bis 4,5 Zloty geschehen", sagte Kolodko in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters in Athen, kurz bevor Polen und neun weitere Länder die Beitrittsverträge zur Europäischen Union (EU) unterzeichnen sollten. Frühester Termin für den Übergang zum Euro wäre nach dem EU-Beitritt im Mai 2004 das Jahr 2007, denn neben den anderen Aufnahmetests müssen die Währungen der Kandidaten zwei Jahre Stabilität im Wechselkursmechanismus (WKM II) beweisen.

Polen sollte nach Auffassung Kolodkos mit dem EU-Beitritt 2004 dieses Wechselkurssystem übernehmen, mit dem der Zloty-Kurs fest an den Euro gebunden würde und nur 15 Prozent nach oben oder unten von seinem zentralen Kurs abweichen dürfte. Es gebe keinen Grund, die zweijährige Frist zu verkürzen oder eine andere Schwankungsbreite anzustreben, sagte Kolodko. Das hatten andere polnische Politiker angeregt. Wirtschaftsminister Jerzy Hausner hatte sich zudem Anfang April für einen späteren Beitritt zur Euro-Zone ausgesprochen.

Trotz der Bedenken gegen den Beitrittstermin in seiner Minderheitenregierung bekannte sich Kolodko dazu, die Staatsausgaben bis 2006 zurückzufahren, um das Maastricht-Kriterium zu erfüllen. Die Neuverschuldung darf demnach drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten - die Regierung hat sich für 2003 eine Defizitquote von 3,9 Prozent vorgenommen.

Der Finanzminister äußerte die Sorge, dass nicht nur aus den eigenen Reihen, sondern auch von der Europäischen Kommission oder der Europäischen Zentralbank Hindernisse für einen Beitritt Polens 2007 aufgebaut werden könnten. "Ich bin ziemlich besorgt, dass in einige Zeit - in einem Jahr oder zwei - Zweifel aufkommen, ob die neuen EU-Mitgliedsländer wirtschaftliche stark genug sind, um den Euro einzuführen." Auch wenn er 2007 für einen guten Starttermin halte, sei er hinsichtlich des Zeitplans nicht dogmatisch. "Die Entscheidung muss die Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Wirtschaft gewährleisten", sagte Kolodko.

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