Interview mit Frank Bsirske
„Eine Diskriminierung der Zeitarbeit darf es nicht geben“

Verdi-Chef Bsirske pocht auf Mitsprache. Ohne Tarifvertrag will er den Ausbau der Zeitarbeit nicht akzeptieren.

Herr Bsirske, die Bundesregierung will mit Hilfe der Hartz-Vorschläge die Zahl der Arbeitslosen in drei Jahren um zwei Millionen senken. Ist das realistisch?

Ich will nicht darüber spekulieren, bis zu welchem Prozentsatz und wann dieses Ziel erreicht werden kann. Jeder Arbeitslose weniger ist ein Gewinn. Das Hartz-Konzept enthält viele gute Vorschläge, wie die Arbeitslosigkeit gesenkt werden kann.

Ein zentrales Element ist der Ausbau der Zeitarbeit über die Personal-Service-Agenturen (PSA). Dazu soll das Zeitarbeitsrecht liberalisiert werden, was Verdi bisher abgelehnt hat. Werden Sie Ihre Position ändern?

Für uns ist wichtig, dass die Zeitarbeit nicht gegenüber normalen Arbeitsverhältnissen benachteiligt wird. Eine geplante EU-Richtlinie zur Zeitarbeit sieht dies unter anderem dann als erfüllt an, wenn für die Zeitarbeitnehmer der Tarifvertrag des entleihenden Unternehmens gilt. Das ist auch unsere Forderung.

Welches Lohnniveau soll für die PSA der Arbeitsämter gelten?

Laut Hartz-Konzept soll ein Arbeitsloser von den PSA zunächst auf Probe eingestellt und in Höhe seines Arbeitslosengeldes entlohnt werden. Wir fordern ein Entgelt in Höhe des Arbeitslosengeldes plus X. Nach der Probezeit muss der PSA-Beschäftigte zu den Bedingungen des Betriebes bezahlt werden, an den er entliehen wurde.

Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, will bis Mitte 2003 die Arbeitsämter zu Job-Centern umbauen und die Zeitarbeitsagenturen einführen.

Ich finde ehrgeizige Ziele gut. In wie weit das Ziel von Herrn Gerster erreicht werden kann, müssen wir mit den Personalräten der Bundesanstalt und der Arbeitsämter besprechen.

Unterstützen sie das Vorhaben von Herrn Gerster, bei der Zeitarbeit vor allem mit privaten Anbietern zusammenzuarbeiten?

Eine Diskriminierung der PSA in der Regie der Arbeitsämter werden wir nicht dulden. Es gibt viel Know-How bei den Mitarbeitern der Arbeitsämter, das hier zur Verfügung steht.

Herr Gerster geht davon aus, dass die Arbeitsämter bei sinkender Arbeitslosenzahl mit weniger Mitarbeitern auskommen. Teilen Sie diese Position?

Nein. Ziel der Reform ist eine bessere Betreuung der Arbeitslosen. Wenn wir von dem Missstand wegkommen wollen, dass ein Vermittler 700 Arbeitssuchende betreut, dann brauchen wir die Entlastung durch sinkende Arbeitslosenzahlen.

Brauchen die Arbeitsämter nicht sogar mehr Beschäftigte?

Zunächst müssen die Reformen konkretisiert werden. Dann muss man sehen, wie hoch der Bedarf ist.

Herr Gerster möchte die Beschäftigten der Arbeitsämter aus der Besoldung des öffentlichen Dienstes lösen und mit Verdi einen eigenen Haustarifvertrag schließen. Sind Sie dazu bereit?

Unser Ziel ist es, die Einheit des Tarifsystems im öffentlichen Dienst zu erhalten.

Wann kann der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung gesenkt werden?

Je schneller, desto besser.

Die Fragen stellte Helmut Hauschild

Quelle: Handelsblatt

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