Interview mit Holger Schmieding
„Obama wird schnell handeln“

Barack Obama soll die Finanzkrise in den Griff bekommen und sein Land zu wirtschaftlicher Stärke zurückführen. Die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten könnten kaum größer sein – doch seine Chancen stehen gar nicht schlecht. Im Interview erklärt Holger Schmieding, Volkswirt der Bank of America, wie die USA aus der Krise kommen könnten.

Handelsblatt: Wie will Obama die wirtschaftlichen Probleme in den Griff bekommen?

Holger Schmieding: Obama wird nicht warten, bis er im Amt ist. Er wird in den nächsten Tagen handeln und ein umfassendes Konjunkturprogramm in einer Größenordnung von bis zu 300 Mrd. Dollar auflegen. Denkbar sind Steuererleichterungen für Leute mit kleinem und mittlerem Einkommen, Entlastungen für Hausbesitzer und massive Investitionen in die Infrastruktur.

Wie will die US-Regierung das finanzieren?

Über eine höhere Staatsverschuldung. Es ist durchaus denkbar, dass das Defizit des Staatshaushalts über sechs Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigt. Die USA kommen damit in Zukunft aufgrund ihrer demografischen Entwicklung besser zurecht als Europa.

Lässt sich das Abrutschen in eine weltweite Rezession noch verhindern?

Nein, wir stecken schon in einer Rezession; die USA, Deutschland und fast alle der großen Industriestaaten, ebenfalls viele der aufstrebenden Marktwirtschaften. Angesichts der Reaktionen auf die Krise ist es aber unwahrscheinlich, dass es zu einer lang anhaltenden Weltwirtschaftskrise kommt. Die Reparaturen an den Finanzmärkten sind bereits in vollem Gange und in der Geldpolitik wird aggressiv eingegriffen. Die Rezession wird scharf, aber kurz.

Wann greifen die Maßnahmen der Notenbanken?

Auf dem Geldmarkt zeichnet sich jetzt schon eine Entspannung ab. Dieser Trend wird sich fortsetzen bis wir in den ersten Monaten des kommenden Jahres nahezu normale Verhältnisse haben. Die Abstände zwischen den Zinssätzen der US-Notenbank und dem Dreimonatsgeld auf dem Interbankenmarkt werden dann nicht mehr als 75 Basispunkte auseinander liegen.

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