Interview mit Jens A. Peters
Offshore-Windparks in Polen

"Die Polen können sich vorstellen, am Strand zu liegen und am Horizont Windkraftanlagen zu sehen", sagt Jens A. Peters, Vorstandsvorsitzender der P & T Technology AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. P & T plant in Polen ein "Offshore-Projekt.

Gute Gründe sprechen dafür, die Windenergie künftig auf See auszubauen. Welche Möglichkeiten und welche Schwierigkeiten sehen Sie?

Offshore hat in der Tat eine Reihe von Vorteilen: Sehr geringe Rauigkeit und Turbulenzen des Windes, hohe Geschwindigkeiten - das ergibt im Ergebnis eine gute Ernte, also viele Kilowattstunden pro installierter Anlage. Aber es gibt auch gravierende Nachteile: Wir benötigen neue Technologien, je größer die Wassertiefe, desto schwieriger die Gründung; für den Aufbau kommen nur wenige Sommermonate in Betracht; die Problematik der Netzanschlüsse ist zu beachten, denn es gibt z.B. in Schleswig-Holstein nur einen größeren Einspeisepunkt in Brunsbüttel. Die Kosten sind durchgängig sehr hoch; es müssen Umweltgutachten erstellt werden bis hin zu Aktionen, dass Taucher Fische zählen - also es gibt ein ganzes Bündel von Schwierigkeiten, die wir erst noch überwinden müssen.

Welche speziellen technischen Probleme sind denn für Offshore-Anlagen noch zu lösen?

Ab 30 Meter Wassertiefe müssen wir eine Tripodgründung machen. Um das wirtschaftlich zu gestalten, müsste die Leistung in den Bereich von 7,5-MW-Anlagen gehen. Das lässt sich derzeit ökonomisch noch nicht darstellen. Stand der Technik sind 1,5 bis zwei Megawatt (MW). Derartige Anlagen funktionieren mit weniger Anlaufproblemen als erwartet. Dennoch ist der Sprung auf fünf MW schon eine Herausforderung - doch wir sehen, dass diese Klasse beherrschbar ist. Bei den Stückzahlen muss eine vernünftige Größenordnung erreicht werden, damit die Produktion wirtschaftlich wird. Bei Offshore-Anlagen ist das noch nicht in Sicht. Dazu brauchen wir Standorte mit 100 Anlagen und mehr, um hier in eine Serienfertigung zu kommen.

Eine ganze Reihe von Projekten wurden bereits für Nord- und Ostsee vorgeschlagen. Wie weit sind die Vorbereitungen? Welche Chancen räumen Sie diesen Projekten ein?

Ich rechne damit, dass von den etwa 20 projektierten Parks in der Nordsee am Ende nur vier bis fünf Parks errichtet werden. Das hängt einerseits mit den großen Investitionskosten zusammen, aber auch mit der Stromabnahme durch das vorhandene Netz, das höhere Leistungen gar nicht verkraftet.

P & T hat ein erstes Offshore-Projekt für Polen in der Pipeline - warum gerade Polen?

Überspitzt formuliert, lautet die Antwort: Die Polen können sich vorstellen, am Strand zu liegen und am Horizont Windkraftanlagen zu sehen - wir wollten aus wirtschaftlichen und rechtlichen Überlegungen heraus auf jeden Fall wegen der Wassertiefe in den Küstennahbereich (Nearshore), weil hier alle angesprochenen Probleme leichter zu lösen sind, und das geht in Polen nach unseren Erfahrungen besser als in Deutschland. In Polen kann man Windparks in einer Entfernung von bis zu neun Kilometern vor der Küste errichten, die Wassertiefe liegt dann zwischen vier und 20 Meter.

Wie groß soll der Park werden, in welchen Zeiträumen rechnen Sie mit der Realisierung?

Wir planen in der Region Bialogora, nordwestlich von Danzig, 100 bis 120 MW. Dafür bestehen auch entsprechende Anschlusskapazitäten. Wir werden auf Zwei- bis Drei-MW-Anlagen zurückgreifen, so können wir schneller bauen und müssen nicht auf die Fünf-MW-Typen warten. Das ist ein sinnvoller Zwischenschritt für die gesamte Industrie. Wir sammeln Erfahrungen beim Rammen der Monopfeiler, müssen uns mit dem Arbeiten im Wasser auseinander setzen, die gesamte Logistik auf See beherrschen und auch alle Umweltfragen beantworten. In 2004 wollen wir mit dem Bau beginnen.

Planen Sie entsprechende Aktivitäten auch anderswo?

In der Tat gibt es ein Projekt südwestlich von Barcelona. Wir planen dort in 2,5 bis fünf Kilometer Entfernung zur Küste vier Parks mit je 48 MW in Tiefen von fünf bis 30 Metern. Anschlusspunkt ist ein Atomkraftwerk in der Nähe. Bis 2004 wollen wir alle erforderlichen Genehmigungen haben, die Umweltstudien sind bereits erfolgreich abgeschlossen.

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