Interview mit Jordaniens König Abdullah II.
Irak-Krise ist nur zweitrangig

Die USA schwächen die internationalen Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus, wenn sie sich in ihrer Politik zu sehr auf den Irak konzentrieren. Davor hat der jordanische König Abdullah II. in einem Interview mit dem Handelsblatt gewarnt.

HB BERLIN. "Der Hauptgrund für die Instabilität im Nahen Osten ist nicht der Irak, sondern der israelisch-palästinensische Konflikt", sagte der König, der traditionell ein enges Verhältnis zu den USA pflegt. 90 Prozent der Spannungen im Nahen Osten wären beseitigt, wenn dieser Konflikt gelöst würde. Wenn die USA nun aber "auf ein zweitrangiges Problem wie Irak" ablenkten, ermutigten sie damit nur die Extremisten, weiter Anhänger um sich zu scharen.

Das Interview im Wortlaut lesen Sie am Montag im Handelsblatt oder unter Handelsblatt.com/interview.

Kurz vor Beginn seines Deutschland-Besuches am Montag lobte der König die Haltung der Bundesregierung im Irak-Konflikt. "Ein Land, das sagt, lass uns erst einen Dialog versuchen statt die Konfrontation zu suchen, kann nicht auf dem falschen Weg sein. Irak müsse die internationalen Forderungen umsetzen, betonte der König. Wenn die internationale Gemeinschaft allerdings Abrüstung vom Irak fordere, müsse sie auch auf die Beseitigung der Massenvernichtungswaffen etwa in Israel und anderen Ländern im Nahen und Mittleren Osten dringen.

Die Chancen, einen Krieg im Irak noch verhindern zu können, hält der König aber für gering. Immerhin seien sie in den vergangenen drei bis vier Wochen gestiegen. "Die Äußerungen der US-Regierung sind ausgewogener geworden." Eine klare Parteinahme seines Landes für die USA oder den Irak, aus dem Jordanien sein gesamtes Öl bezieht, lehnte Abdullah II. ab. "Wir sagen jedem: Mischt Euch nicht in unsere Angelegenheiten ein, drängt uns nicht in eine Position der Konfrontation, die wir nicht wollen." Jordanien habe sich für Dialog und Frieden ausgesprochen. Falls es zum Krieg im Nachbarland Irak komme, brauche Jordanien aus dem Westen eine Finanzhilfe von mindestens 300 Mill. Euro, um drei bis vier Monate über die Runden zu kommen.

Abdullah II. bestritt zudem Ambitionen seines haschemitischen Königshauses, in einer irakischen Nachkriegsordnung Anspruch auf den Thron in Bagdad zu erheben. "Etwas anderes ist es, wenn die Iraker zwei Jahre nach einem Krieg entscheiden sollten, dass eine Monarchie sie zusammenbringen könnte. Dies muss aber von ihnen ausgehen." Sehr skeptisch beurteilt der König auch Pläne, den Irak nach einem Krieg von einer Militäradministration verwalten zu lassen. Er habe immer betont, dass der Krieg der einfachere Teil bei der Lösung des Irak-Problems sei. Es sei wesentlich schwere, ein tragfähige Nachkriegsordnung zu erreichen. "Ich habe da noch nichts gehört, was sinnvoll wäre."

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