Interview mit Klaus-Dieter Scheurle
UMTS-Betreiber sind zum Erfolg verdammt

Die UMTS-Lizenzen werden nach Ansicht des Ex-Präsidenten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, für die Mobilfunkbetreiber nicht zu einem Milliardengrab.

dpa-afx DÜSSELDORF. "Der große Optimismus von vor einem Jahr über den Erfolg von UMTS ist nach wie vor angebracht", sagte Scheurle in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der heutige Chef-Berater (Senior Advisor) der Credit Swiss First Boston in Frankfurt stand im August 2000 bei der spektakulären Milliarden-Auktion um die begehrten Konzessionen über den Mobilfunk der Zukunft im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Nach einem fast dreiwöchigen Bietergefecht hatten sechs Unternehmen für insgesamt knapp 100 Mrd. DM eine Lizenz ersteigert.

Derzeit sei es noch zu früh zu sagen, ob sich die Bieter an dem Auktionspreis überhoben hätten. Gegenwärtig würde investiert, Erträge sollen später fließen. Scheurle: "Angesichts der Milliarden-Ausgaben für Lizenzen und Netzausbau sind die Betreiber aber dazu verdammt, Erfolg zu haben".

Nach UMTS-Auktion kam Ernüchterung in europäischer Telekom-Branche

In der europäischen Telekom-Branche hatte sich nach der deutschen Auktion große Ernüchterung breit gemacht. Die Kosten von über 200 Mrd. DM in Europa trieben die Schuldenlast der Unternehmen nach oben. Gleichzeitig stürzten die Aktienkurse der Mobilfunkbetreiber weiter in den Keller. Nicht wenige Experten bezweifeln, dass sich die Investitionen in UMTS für alle Bieter jemals rechnen werden.

Für möglich hält Scheurle in nächster Zeit auf dem deutschen Markt eine Konsolidierung. Wenn einer ausscheide, würde sich die Stellung der verbleibenden Betreiber verbessern. Neben den T-Mobil, Mannesmann Mobilfunk, E-Plus und Viag Interkom ergatterten die beiden Neulinge Mobilcom und Group 3G eine Lizenz. "Wenn alle sechs Anbieter stark genug würden, wäre das aus Verbrauchersicht eine ganz hervorragende Situation", betonte Scheurle. "Aber auch ein Konsolidierungsprozess muss nicht gegen Verbraucherinteressen sein".

Komplette Frequenzen müssen nicht unbedingt zurückgegeben werden

Nicht so eng legt er die Lizenzbedingungen für den Fall aus, dass sich Betreiber zusammenschließen. Es gäbe Lösungen, ohne dass gleich die kompletten Frequenzen zurückgegeben werden müssten. Anderenfalls hätten die Unternehmen nämlich die Lizenzkosten von mehr als 16 Mrd. DM vollständig abzuschreiben.

Da jeder der sechs Bieter im vergangenen Jahr zwei Frequenzpakete ersteigert hatte, also genau die Mindestgröße für eine UMTS-Lizenz, würde bei einer Fusion das neue Unternehmen zum Beispiel über drei Frequenzblöcke verfügen können. Scheurle: "Meines Erachtens ist das rechtlich darstellbar". Auf genau drei Blöcke hatten es die beiden Marktführer T-Mobil (Deutsche Telekom) und Mannesmann (Vodafone) abgesehen, damit den Auktionspreis aber in Schwindel erregende Höhe getrieben.

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