Interview mit Nicolas Dufourcq, Vorstandschef Wanadoo
"Wanadoo dort zum Erfolg zu führen, wo wir jetzt schon sind"

Wanadoos Aktien hat seit dem Börsengang im Juli 2000 drei Viertel ihres Wertes verloren. Allein am Montag sank der Kurs um fast 10%. Was steckt dahinter?

Jedesmal, wenn eines der großen US-Technologieunternehmen, egal ob Intel oder Yahoo, eine Gewinnwarnung ausgibt, drückt das auch den Kurs von Wanadoo. Die Börse folgt derzeit stark den US-Märkten.

Yahoo wird unter anderem abgestraft, weil dem Portal die Werbeeinnahmen wegbrechen. Spielt das bei Wanadoo auch eine Rolle?

Unsere Aktivitäten entwickeln sich gut. Die Einnahmen unserer Portale, des E-Commerce und der Telefonbuchdienste haben die Prognosen übertroffen. Nur bei den Werbeeinnahmen der Portale ist das nicht so. Sie sind zwar 2000 um mehr als das Sechsfache auf etwa 30 Mill. Euro gestiegen, wir hatten aber wesentlich mehr erwartet. Aber diese Werbung macht bei uns nur knapp 3% der Erlöse aus.

Als Wanadoo an die Börse ging, wurden ihr Telefonbuchgeschäft "Pages Jaunes" als Cash-Flow-Bringer präsentiert - und als eine Art Versicherung gegen die Risiken des Internetgeschäftes. Das schützt sie offenbar nicht.

Wir hätten es durchaus lieber, wenn man uns als Neue-Medien-Gesellschaft einordnen würde, nicht als reines Internetunternehmen. Der Internetzugang ist bei uns nur ein Teil eines größeren Angebots. Zwei Drittel der Umsätze stammten 2000 von den "Pages Jaunes", der Rest aus dem Internetzugang, von den Portalen und allen anderen Dienstleistungen.

Andere Portale haben sich mit großen Mediengruppen zusammengetan. Könnten Sie sich für Wanadoo einen ähnlichen Schritt vorstellen?

Eine Allianz mit einer Mediengruppe ist völlig ausgeschlossen. Das ist einfach nicht unser Geschäft. Wir haben außerdem keine Probleme, an Inhalte für unsere Portale zu kommen. Vielleicht werden wir irgendwann Inhalte kaufen - aber Inhalte sind billig zu haben. Als wir jetzt Inhalte für Sports.com ausgeschrieben haben, haben wir acht Offerten auf den Tisch bekommen - und eine ausgewählt.

Haben AOL-Time und Vivendi also nicht richtig gerechnet?

Gute Portale haben es derzeit nicht nötig, Inhaltelieferanten zu kaufen. Aber die Anbieter von Inhalten gehen ohne eigene Vertriebswege ein hohes Risiko ein. Nur wenn es eine Kartellierung bei den Inhalten gäbe, müssten wir aktiv werden. Aber das ist unwahrscheinlich. Denn das Internet ist offen.

Bei Musik zeichnet sich eine Oligopolsituation ab. Wie reagieren Sie?

Noch sind die Suchmaschinen als Erlösquellen für uns viel wichtiger als die Musik. Aber Vivendi Universal wird nicht verhindern können, dass Wanadoo ihre Musik vertreibt. Das folgt aus den Auflagen, die Brüssel für die Genehmigung von AOL-Time gemacht hat. Es stellt sich also nur die Frage des Preises.

Der Vertrieb von Musik- und Filmdateien gilt als Zukunftsgeschäft im Internet - auch bei Wanadoo?

Auf Wanadoo bringen wir Auszüge aus Musiktiteln als Information. Aber über Alapage werden wir auch komplette Musiktitel vertreiben, etwa von Duet (Anm. d. Red.: Vivendi Universal/Sony). Wir werden gegen Bezahlung Titel im MP3-Format anbieten.

Sie haben sich mit Freeserve in England verstärkt, sind aber beim Internetdienst des deutschen France-Télécom-Partners Mobilcom nicht zum Zuge gekommen. Kann das noch kommen?

Tatsächlich waren wir im vergangenen Juli in engem Kontakt miteinander. Die Marktentwicklungen haben uns seither aber etwas voneinenader entfernt, und wir konzentrieren uns jetzt auf die Eingliederung von Freeserve. Aber Freenet bleibt eine Schwestergesellschaft.

Planen Sie weitere Akquisitionen?

Bei dem niedrigen Kurs unserer Aktie sind Akquisitionen gegen Papier nicht wünschenswert - sie würden Wert vernichten. Wanadoo dort zum Erfolg zu führen, wo wir jetzt schon sind - also in Frankreich, Spanien, Benelux und via Freeserve auch in England -, das ist schon nicht schlecht. Vielleicht tätigen wir kleinere Zukäufe, um unsere Präsenz hier und da zu stärken - beispielsweise sind wir in Spanien noch nicht stark genug.

Wie wird UMTS Wanadoos Geschäft verändern?

Es ist noch zu früh, um das sicher zu sagen. Wir wissen noch nicht, ob UMTS spezialisierte Dienste hervorbringen oder zur totalen Konversion des Internets führen wird. Ich persönlich erwarte eher, dass Spezialdienste entstehen werden und die Nutzung für mobiles und stationäres Internet verschieden sein wird. Mobil würden immer mehr Dienstleistungen angeboten, stationär über schnelle Leitungen immer mehr Inhalte zum Herunterladen.

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