Interview mit Prof. Meinhard Miegel
Renten-Reform: "Altersvorsorge ohne Riester-Produkte oft sinnvoller"

Ein Interview mit Prof. Meinhard Miegel, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn und wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, zur Riester-Rente.

Werden Anleger für ihre Altersvorsorge die Riester-Rente überhaupt nutzen?

Im Moment ist die Riester-Rente mit all ihren Möglichkeiten in sehr wenigen Köpfen verankert. Wir haben eine Untersuchung durchgeführt. Nur etwa acht Prozent der Bevölkerung waren informiert. Wenn sich das in den kommenden Monaten nicht nachhaltig verbessert, wird es kompliziert.

Was erwarten Sie von dem Riester-Modell?

Wir werden in sehr hohem Umfang Mitnahmeeffekte haben. Ich hielte es für richtiger, wenn die Regierung ein klares Signal gesetzt hätte im Bezug auf die künftige Entwicklung des Rentenniveaus. Dieses Signal hätte ausreichen können, um jedermann zu verdeutlichen: Ich muss für meine Altersvorsorge selbst aktiv werden. Bislang ist hauptsächlich von Versicherungen und Investmentfonds die Rede, wenn es um die Riester-Rente geht.

Was halten Sie von den angekündigten Pensionsfonds?

Diese werden sich in den Großunternehmen kräftig entfalten. Aber ein Großteil unserer Bevölkerung arbeitet nicht in Konzernen. Pensionsfonds werden die Domäne ganz bestimmter Wirtschaftsbereiche bleiben.

Auf was sollten Anleger bei einem Einstieg in die Riester-Produkte achten?

Wir werden eine Produktpalette bekommen, die gar nicht sonderlich groß sein kann. Riester hat sehr enge Grenzen gezogen, was förderfähig ist. Für viele wird sich sogar die Frage stellen, ob es nicht ökonomisch sinnvoller ist, außerhalb der Riester-Produkte private Altersvorsorge zu betreiben.

An was denken Sie da?

Ich denke zum Beispiel an die verschiedenen Formen der Aktienanlage, die auf mittlere Sicht renditeträchtiger sind als die förderfähigen Vorsorgeprodukte. Allerdings setzt dies voraus, dass schon heute 30-jährige auf den Gedanken kommen, durch Vermögensbildung für ihr Alter vorzusorgen.

Welchen Sinn macht vor diesem Hintergrund die Riester-Rente?

Zum ersten Mal ist der Bevölkerung signalisiert worden, dass die Absicherung des Lebensstandards durch den Staat vorüber ist. Wenn das den Leuten in den nächsten Monaten bewusst wird, ist schon viel gewonnen.

Prof. Meinhard Miegel ist Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn und wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.
Professor Meinhard Miegel ist ein ausgewiesener Rentenexperte und Kritiker des deutschen Sozialsystems.

Die Fragen stellte Steffen Uttich.



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