Interview mit Yoga-Lehrer Patrick Broome
Yoga für Jogis Jungs

Er hat Madonna und Sting Yoga-Unterricht in New York gegeben und Münchener Mode-Mädels. Gegenwärtig macht Yoga-Lehrer Patrick Broome in Ascona die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fit.

Handelsblatt: Sie sind der "Yoga-Trainer" der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Patrick Broome: Die Zusammenarbeit mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat mittlerweile eine dreijährige Tradition. Oliver Bierhoff hat mir damals den Kontakt zu Jürgen Klinsmann vermittelt. Nach einem kurzen gegenseitigen Kennlernen und einer Yogastunde für das Trainer-Team hat er dann sein Einverständnis für die Arbeit mit der Mannschaft gegeben. So kamen die Spieler am Tag nach der Einweihung der Allianz-Arena am 31. Mai 2005 in München in den "Genuss" ihrer ersten Yogastunde.

Sind Sie auch jetzt während der EM vor Ort?

Ich war im Vorbereitungslager in Mallorca und bin seit einigen Tagen wieder in der Schweiz bei der Mannschaft.

Böse Zungen behaupten, Sie wären bei den Spielerfrauen populärer als bei den Spielern.

Da müssen sie die Spieler bzw. deren Frauen fragen. Ich weiß nur, dass ich hier täglich mit den Spielern arbeite und viel positives Feedback für meine Arbeit bekomme.

Was machen Sie denn konkret mit den Fußballern der deutschen Nationalmannschaft?

Im Gruppenunterricht lehre ich Yoga-Sequenzen - vornehmlich Variationen der Kriegerhaltungen -, die vor allem der Stabilisation des unteren Rückens, des Bauchs und des Schultergürtels dienen. Vorwiegend also eine Abfolge von Balance- und Kraftübungen, die ich mit speziellen Atem- und Konzentrationsübungen verbinde. Dann kombiniere ich einige stehende und sitzende Drehungen, um den Brustbereich, bei stabilem Becken zu mobilisieren. Anschließend gibt es eine Reihe von Beindehnungen mit einem Gurt um die Beinrückseiten zu strecken und auch um den Bewegungsraum der Hüften zu erweitern. Alles Übungen, die vor allem auch das Verletzungsrisiko erheblich reduzieren.

Gibt es Yoga-Übungen (Stellungen), die für Fußballer besonders geeignet sind?

Alles was der Stabilisation des Bauch- und Rückenbereichs sowie der Mobilisation des Beckens und der Brustwirbel dient. Da die meisten Experten heute gerade in einer guten Kraftübertragung zwischen Oberkörper und den Beinen den Schlüssel zum fußballerischen Erfolg sehen, sind Kriegerhaltungen in Kombination mit sanften Drehungen sehr hilfreich. Die Dehnungen der Vorderseite des Brustkorbs und der Beinrückseite sind ebenfalls essentiell für Fußballer.

Was ist das Ziel des "Yoga-Trainings" aus Sicht des Bundestrainers? Warum lässt er seine Spieler Yoga machen?

Yoga soll beitragen die mentalen und athletischen Voraussetzungen der Spieler der deutschen Nationalmannschaft zu verbessern. Das Ziel meiner Arbeit ist es in enger Zusammenarbeit mit dem Fitness-, Physio- und Ärtzeteam die Stabilität, Flexibilität, sowie die Konzentrations-, Entspannungs- und somit Regenerationsfähigkeit der Spieler zu unterstützen. Yogaübungen helfen bei der Mobilisation der Hüfte und des Brustwirbelbereichs sowie der Flexibilität und Stabilität in den Knien und Knöcheln. Eine Kräftigung der Bauchmuskulatur sowie des unteren Rückens wirken sich positiv auf die Prävention möglicher Verletzungen in diesem Bereichen aus. Außerdem helfen spezielle Entspannungsübungen den Spielern den nötigen Abstand zum Rummel um sie herum zu wahren. Ziel ist eine effiziente und erfolgreiche Regeneration sowie eine Absenkung des Verletzungsrisikos der Spieler.

Haben Sie ähnliche Erfahrungen mit Sportlern anderer Sportarten?

Bisher habe ich Erfahrungen mit Hockey- und Fußballteams sammeln können. Zusätzlich habe ich mit einigen Sportlern in den klassischen Individualsportarten (Tennis, Golf, etc.) gearbeitet.

Nun sind Sie sicherlich nicht von allen Kickern mit offenen Armen empfangen worden. Mussten die zum "Yoga-Training" verpflichtet werden?

Da anfangs die "Schwellenangst" recht hoch schien, wurden die Spieler (damals noch von Jürgen Klinsmann) zur Teilnahme verpflichtet. Doch schon in der ersten Übungseinheit haben mich Eifer und Konzentration der Spieler beeindruckt und positiv überrascht. Da seit einiger Zeit die Teilnahme freigestellt ist, bleiben die, die mit Yoga nichts anfangen können eben weg.

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