Interview-Offensive nach acht Wochen
Möllemann will kämpfen

Möllemann wäre nicht Möllemann, wenn er sich bußfertig gegeben hätte. Mit einer Mischung aus Lockungen und Drohungen versuchte er aus der Defensive zu kommen.

HB/dpa MÜNSTER/KÖLN. Freiwillig werde er die FDP nicht verlassen, antwortete er auf das ihm von Parteichef Gudio Westerwelle gestellte Ultimatum. Möllemann will um seinen Platz bei den Freidemokraten kämpfen.

Der Nachrichtentag hatte kaum begonnen, da flatterte den Redaktionen ein langes Interview Möllemanns mit dem Magazin "Stern" auf den Tisch. Dabei gewährt der 57-Jährige einen Blick in seine Krankenakte. Sein Herz müsse noch mit starken Medikamenten stabilisiert werden, und aggressive Magensäure drohe Speiseröhrenkrebs auslösen. Immer wieder müsse er Ruhepausen einlegen.

Möllemann scheint in der Tat angeschlagen. Als er am Mittag das Verlagsgebäude seiner Münsteraner Heimatzeitung "Westfälische Nachrichten" verlässt, wirkt er ungewohnt angespannt, fast ein wenig unsicher. "Ich bin nicht völlig gesund", sagt er den wartenden Reportern. Die Ärzte würden erst am Wochenende entscheiden, ob er wegen seines Herzleidens wieder arbeiten dürfe. Außerdem wolle er sich nur ganz vorsichtig und mit juristischer Begleitung äußern. Ob er zum Landesparteitag der NRW-FDP am kommendon Sonntag kommt, lässt er offen. Nur selten blitzt der bei Möllemann sonst übliche Schalk durch. Im ARD-Interview, das am Abend ausgestrahlt werden sollte, antwortet er auf Fragen nach gestückelten Spenden ironisch zurück: "Wir drei am Tisch hier haben alle noch nicht gelogen, gell?"

Seiner Partei wirft Möllemann vor, einen politischen Prozess gegen ihn zu führen. Westerwelle haben "unablässig auf mich eingedroschen". Dennoch bleibe seine Hand ausgestreckt. Zu Gesprächen mit der FDP - Spitze sei er bereit. Allerdings fürchteten "einige Führungsmitglieder ein solches Gespräch wie der Teufel das Weihwasser". Warum, lässt Möllemann offen. Auch seine indirekte Drohung mit der Gründung einer eigenen Partei bleibt vage. Nur so viel lässt er die FDP-Spitze wissen: "Das wäre das Ende der Partei."

Zur Finanzierung seines umstrittenen Wahlkampffaltblatts erfuhr die Öffentlichkeit wenig Neues. Alles privat finanziert, versicherte Möllemann. "Es gibt keine Finanzzuflüsse aus dem Ausland." Bei seinen Einkünften sei es kein Problem gewesen, die knapp 1 Mill. Euro teure Aktion zu finanzieren, gibt er zu verstehen. Allein aus seinen politischen Ämtern habe er monatlich 41 000 DM (rund 21 000 Euro) bezogen. Seine Beratungsfirma WebTec verdiene gut, und bei Geldanlagen habe er Glück gehabt.

Mit Blick auf seine politische Zukunft wirkt Möllemann derzeit doch etwas ratlos: "Ich muss in den nächsten Wochen, wenn ich hoffentlich wieder ganz gesund werde, überlegen, was ich künftig politisch überhaupt tue." Was er mit seinen Mandaten im Bundestag und im Landtag mache, wisse er nicht. Nur eins verspricht er seinen Parteifreunden. Dass sein geplantes Buch eine Enthüllungs- und Schmutzkampagne werde, sei "totaler Quatsch".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%