Interview
Porsche ist nicht drin

Auch Berater müssen in der Krise sparen, bekennt BDU-Präsident Rémi Redley. Für Nischenanbieter sieht er aber gute Chancen, sich zu behaupten.

Sie sind auch Präsident der FEACO, des europäischen Beraterverbands. Wie geht es der Branche in Europa?

Wir werden in diesem Jahr nicht mehr das Wachstum haben wie in den vorangegangenen Jahren. Insbesondere die Beratungen, die stark auf die Informationstechnik (IT) gesetzt haben, werden froh sein, wenn sie den Umsatz halten können.

Gilt das auch für Deutschland?

Ja, die IT-Beratungen sind im Augenblick stark vom Auftragsrückgang betroffen. Zuwachsraten gibt es noch bei einigen Strategieberatern. Aber insgesamt ist die Branche vorsichtig geworden, insbesondere bei Neueinstellungen.

Hier ist es in den letzten Jahren ja auch zu Übertreibungen gekommen.

Wir haben eine lange Wachstumsphase hinter uns. Da tut eine Konsolidierung ganz gut. Auch die Gehälter von Neueinsteigern liegen wieder in einer vernünftigen Größenordnung. Und in den Tiefgaragen der Beratungsunternehmen sind nicht mehr Automobilausstellungen zu besichtigen, sondern ganz normale Fahrzeuge.

Wo liegen denn die Einstiegsgehälter derzeit?

Dazu kann ich keine aktuellen Zahlen nennen. Aber von einem Abschlag von garantiert mehr als 15 Prozent kann man ausgehen. Und auch die Extras sind weniger geworden. Unter einem BMW oder Porsche war ja manchmal keine Zusage zu bekommen. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Es gibt ja auch Personalabbau.

Derzeit findet eine Marktbereinigung statt. Insbesondere bei Fusionen wie zuletzt der von PwC Consulting mit IBM Consulting wird voraussichtlich auch Personal abgebaut.

Wie sind die Aussichten?

Wir werden sicher bald von weiteren Mergern hören. Die Marktbereinigung geht weiter.

Das gilt nicht nur für die internationalen Unternehmen?

Es wird sicherlich auch kleinere Berater treffen. Aber viele mittlere Beratungen mit 15 bis 30 Leuten halten sich relativ gut, wenn sie ihre Nische gefunden haben. Dann wirken die langjährig aufgebauten, stabilen Beziehungen zu den Kunden. Von Vorteil ist ein Standbein im Ausland. Wer nur national aufgestellt ist, hat es sicherlich schwerer.

Und wann geht es wieder aufwärts?

2003 können Sie schon mal abhaken. Die Kunden halten sich mit Investitionen zurück und sind sehr vorsichtig geworden. 2004 kommt vielleicht die nächste Welle von Aufträgen. Insgesamt bin ich für die Branche sehr optimistisch.

Was werden dann die Themen sein?

Sicherheitsfragen, insbesondere die IT-Sicherheit. Vielen Unternehmen wird irgendwann klar werden, dass ihre Datenverarbeitung löchrig ist wie ein Schweizer Käse. Das wird ein Riesenmarkt werden, weil damit auch immer die Frage nach der Organisation und den Systemen der Datenverarbeitung aufgeworfen wird.

Ein weiteres Thema ist die Revitalisierung: Unternehmen werden sich weiter auf ihre Kernkompetenzen besinnen und versuchen, hier einen möglichst hohen Cash-Flow zu generieren. Die Phase, in der man alles machte und in der alles möglich war, ist vorbei.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen Beratern und deren Kunden gestalten?

Ich glaube, das Thema "Ethisches Verhalten von Beratern gegenüber ihren Kunden" wird sehr an Gewicht gewinnen. In anderen Ländern ist dies schon viel stärker zu spüren. Mit der FEACO möchte ich daher einen "Code of Conducts" erarbeiten, der für alle Mitgliedsverbände verbindlich ist.

Was würde da beispielsweise drinstehen?

Das "Cross Selling", also der Verkauf von Dienstleistungen wie etwa das Betreiben von DV-Systemen im Anschluss von Beratung sollte so geregelt sein, dass keine Zielkonflikte auftreten.

Das heißt, der Eindruck soll vermieden werden, dass die Beratung zielgerichtet zum Verkauf weiterer Produkte führt.

Bei den Wirtschaftsprüfern in den USA haben wir ja gesehen, wie die Debatte dann laufen kann. Hier sehe ich auch eine Herausforderung auf unsere Branche zukommen: Nämlich zu verhindern, dass das negative Image der Wirtschaftsprüfer auf uns übertragen wird. Der Klient unterscheidet nicht unbedingt zwischen diesen beiden Branchen.

Gibt es nicht auch Zielkonflikte, wenn sich Berater an Unternehmen, die sie sanieren, beteiligen?

Das sind beispielsweise die Fragen des kurzfristigen Ausstiegs der Beratung oder des Ausstiegs zur Unzeit. Oder eine Kapitalerhöhung, die der Partner nicht mitmachen kann. Man muss sich im Klaren sein, ob man berät oder sich beteiligt. Am besten ist es wohl, die Beteiligung über eine andere Gesellschaft zu halten, in der auch andere Gesellschafter vertreten sind.

Wie geht es dem Bundesverband Deutscher Unternehmensberater?

Der Mitgliederzuwachs hat auch dieses Jahr angehalten. Vielleicht ist dies Teil des Trends, dass mehr Qualität nachgefragt wird: Die Mitgliedschaft ist an strenge Voraussetzungen gebunden und kann damit bei der Kundenakquisition eingesetzt werden.

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ZUR PERSON

Rémi Redley ist Inhaber der Managementberatung Goossens-Redley in Berlin.

Redley steht an diesem Wochenende zur Wiederwahl an als Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (www.bdu.de), der in München seinen Beratertag abhält. Im BDU sind rund 16 000 Berater organisiert, die in 540 Mitgliedsfirmen arbeiten.

Der BDU ist Mitglied im europäischen Beraterdachverband Fédération Européenne des Associations de Conseil en Organisation (FEACO) mit Sitz in Brüssel, dessen Präsident Redley derzeit in Personalunion ist.

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