Archiv
Interview: RWI befürchtet trotz Ölpreishöhenflugs kein Abgleiten in Rezession

(dpa-AFX) Essen - Trotz des Höhenfluges des Ölpreises ist nach Einschätzung des RWI kein neuerliches Abgleiten in eine Rezession in Deutschland zu befürchten. "Der Ölpreisanstieg ist zwar leicht wachstumsdämpfend, gefährdet aber den an Kraft gewinnenden Aufschwung nicht", sagte der Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts (RWI), Manuel Frondel, am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Als erstes Institut hatte das RWI am Vortag für Deutschland ein Wachstum von mehr als 2 Prozent 2004 vorhergesagt.

(dpa-AFX) Essen - Trotz des Höhenfluges des Ölpreises ist nach Einschätzung des RWI kein neuerliches Abgleiten in eine Rezession in Deutschland zu befürchten. "Der Ölpreisanstieg ist zwar leicht wachstumsdämpfend, gefährdet aber den an Kraft gewinnenden Aufschwung nicht", sagte der Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts (RWI), Manuel Frondel, am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Als erstes Institut hatte das RWI am Vortag für Deutschland ein Wachstum von mehr als 2 Prozent 2004 vorhergesagt.

"Es besteht kein Grund zur Panik", sagte Frondel. So seien die realen Ölnotierungen bei der ersten Ölpreiskrise in den 70er Jahren umgerechnet in heutige Preise mit 80 Dollar "etwa doppelt so hoch" gewesen. Darüber hinaus treffe der Ölpreisanstieg die Unternehmen nicht wie früher unvorbereitet. So sicherten sich inzwischen viele Unternehmen zum Beispiel mit Derivaten gegen die Folgen höherer Ölpreise ab. "Die wachstumsschädliche Wirkung eines Ölpreisanstiegs ist deshalb heute viel geringer", sagte Frondel.

Zuspitzung DER Lage 'Wäre EIN Fiasko'

Ernste Gefahren sieht der Experte nur für den Fall, dass der Ölpreis seinen Höhenflug ungebremst fortsetzen sollte. "Wenn der Preis um weitere 50 bis 100 Prozent klettert, wäre das ein Fiasko", sagte Frondel. Erst dann sei eine Stagflation wie bei der ersten Ölkrise zu befürchten. Eine solche Zuspitzung der Lage liege aber auch nicht im Interesse der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und der anderen Förderstaaten. Denn in einem solchen Szenario würde die Nachfrage sofort stark einbrechen.

"Eine kurzfristige Knappheit" sei der Grund für den jüngsten Ölpreisanstieg. So schöpfe der Irak seine Fördermöglichkeiten nach wie vor "bei weitem nicht aus". Darüber hinaus seien die ungenutzten Kapazitäten der Opec derzeit sehr gering. Der steigende Ölpreis mache aber die Erschließung neuer Reserven lukrativ. "Der höhere Ölpreis wird mit einer Verzögerung von ein bis drei Jahren zu einer höheren Förderung führen", sagte Frondel. Gleichwohl sei die Nervosität am Markt sehr hoch. Die Furcht vor Produktionsausfällen beim russischen Ölkonzern Yukos und erneute Anschläge im Irak hatten die Ölpreise am Mittwoch auf neue Höchststände getrieben.

Stabiles Preisband Seit 1870

Trotz des jüngsten Preisschubs erwartet Frondel mittelfristig eine Normalisierung an den Rohölmärkten mit Notierungen von rund 20 Dollar je Barrel in Preisen von 2000. Diese Erwartung stütze sich auf die Untersuchung der Ölpreisentwicklung seit 1870. "Ungeachtet aller Krisen sind die Ölnotierungen in Preisen von 2000 gerechnet immer in ein Preisband von 10 bis 20 Dollar je Barrel zurückgekehrt", sagte Frondel. "Dieses Preisband ist stabil. Das gibt Hoffnung." In den vergangenen 70 Jahren sei der Ölpreis real im Durchschnitt nur um "moderate" ein Prozent pro Jahr gestiegen.

Die jüngste Preisspitze hat nach Einschätzung von Frondel bereits 1999 begonnen. Nach dem Preisverfall im Zuge der Asienkrise 1998 habe die Opec die Förderdisziplin kontinuierlich erhöht. In der Vergangenheit hätten sich Preisspitzen in der Regel rund 5 Jahre gehalten. Wann sich die jetzige Spitze abbaue, sei aber "schwer vorherzusagen". Bis sich wieder eine Normalisierung einstelle könne es noch bis zu 3 oder 4 Jahren dauern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%