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Interview: Sicherheitslage verhindert Engagement von Bilfinger Berger im Irak

Nur die angespannte Sicherheitslage verhindert ein Engagement des deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger im Irak. "Wegen der sehr angespannten Sicherheitslage ist derzeit dort noch kein deutsches Unternehmen im nennenswerten Umfang tätig", sagte Firmenchef Herbert Bodner am Donnerstag in Mannheim der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mittelfristig sei der Golfstaat angesichts seines Ölreichtums für ein breites Engagement des Konzerns aber "hoch interessant".

dpa-afx MANNHEIM. Nur die angespannte Sicherheitslage verhindert ein Engagement des deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger im Irak. "Wegen der sehr angespannten Sicherheitslage ist derzeit dort noch kein deutsches Unternehmen im nennenswerten Umfang tätig", sagte Firmenchef Herbert Bodner am Donnerstag in Mannheim der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mittelfristig sei der Golfstaat angesichts seines Ölreichtums für ein breites Engagement des Konzerns aber "hoch interessant".

"Wenn die Hilfe deutsch oder multilateral ist, werden deutsche Unternehmen dort eine Chance haben", sagte Bodner. Die Sicherheitslage verbiete aber derzeit konkretere Überlegungen. Daran dürfte sich auch im Zeitraum von einem Jahr nichts Grundlegendes ändern. Nur bei einer wirklich kontrollierten Sicherheitslage werde das Unternehmen seine Mitarbeiter auch in den Irak schicken.

Keine Generelle Diskriminierung

Eine generelle Diskriminierung anderer, nicht an der Kriegskoalition beteiligter Länder durch die USA, ist nach Einschätzung von Bodner unterdessen nicht festzustellen. "Bilaterale Hilfe der USA schließt eine ausländische Beteiligung an den Projekten in der Regel aus", sagte Bodner. Dies gelte nicht nur im Irak. Durch die Selbstverwaltung im Irak seien die Chancen für deutsche Firmen insgesamt aber gestiegen. "Das Land steht traditionell den Deutschen sehr offen gegenüber", sagte Bodner. An Deutschland würden große Erwartungen gerichtet.

Angesichts der umfangreichen Irakerfahrung vor der Zuspitzung der Lage in den späten 80er und 90er Jahren rechnet sich der Konzern gute Chancen beim zu erwartenden Wiederaufbau aus. "Die Herstellung der Verkehrsinfrastruktur sowie der Strom- und Wasserversorgung werden erste Themen sein", sagte Bodner. Darüber hinaus ist Bilfinger Berger bereits in Nigeria beim Bau von Ölpipelines aktiv.

Übernahmeziele IM Visier

Generell hält die im MDax gelistete Gesellschaft unterdessen weiter Ausschau nach lukrativen Kaufgelegenheiten. Dank des Buderus-Anteilsverkaufs verfügt das Unternehmen über eine hohe Liquidität. Davon will Bodner 300 Mill. bis 400 Mill. ? in rentable Ziele stecken. "Der Konzern prüft permanent mögliche Aquisitionen", sagte Bodner. Vor allem das Dienstleistungsgeschäft aber auch das internationale Baugeschäft solle weiter ausgebaut werden. Die interne Messlatte liege aber hoch. Deshalb sei es bisher zu keinen Abschlüssen gekommen.

Insbesondere in Osteuropa und den USA ist Bodner auf der Suche. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf Industrie- und Immobiliendienstleistern. Bereits heute steuert das Geschäft mit Dienstleistungen die Hälfte zum Konzernergebnis bei. Doch auch im klassischen Baugeschäft soll die Ertragskraft verbessert werden. "Das Ziel bleiben zwei möglichst gleich starke Ertragssäulen für den Konzern", sagte Bodner.

Hohe Liquidität ALS Renditebremse

Die hohe Liquidität entwickelt sich unterdessen zu einer Renditebremse im Konzern. "Es besteht Handlungsbedarf", sagte Bodner. Wegen der hohen Liquidität werde im laufenden Jahr voraussichtlich nur eine Kapitalrendite von gut zehn Prozent erzielt. Erst 2005 werde die Zielmarke von elf Prozent erreicht. Neben weiteren strategischen Akquisitionen und Investitionen in neue Betreiberprojekte seien auch Aktienrückkäufe weiter "eine Option", sagte Bodner.

In Betreiberprojekte wird der Konzern in naher Zukunft rund 200 Mill. ? investiert haben. Das damit angestoßene Gesamtvolumen sei wegen des geringen Kapitalbedarfs aber um ein vielfaches größer, sagte Bodner. Für den Konzern entstehe damit ein weiteres, "ganz bedeutendes Standbein". Die Schwerpunkte des Geschäftes liegen in Australien und Großbritannien. Doch auch in Deutschland bringe die Finanznot der Kämmerer das privatwirtschaftliche Engagement zunehmend als Alternative für notwendige Investitionen ins Spiel. Allerdings seien die angepeilten Projektgrößen in der Regel "viel zu klein", sagte Bodner. So bewerbe sich der Konzern in Großbritannien nicht um Projekte unter 50 Mill. Pfund (umgerechnet rund 73 Mill. ?).

Zeit FÜR Umdenken Noch Nicht Reif

Weniger Bewegung ist nach Einschätzung von Bodner unterdessen beim mautfinanzierten Straßenbau in Deutschland zu erkennen. Der Startschuss für privatwirtschaftlich finanzierte Autobahnen habe sich mit dem Scheitern von Toll-Collect spürbar verzögert. "Erst 2005 werden die ersten Wettbewerbe starten", sagte Bodner. Voraussetzung sei allerdings das Funktionieren von Toll-Collect zum 1. Januar 2005. Derzeit seien wichtige Randbedingungen wie die steuerliche Behandlung und die vertragliche Risikoverteilung noch strittig.

"Angesichts der Osterweiterung der Europäischen Union muss in Deutschland weitaus mehr in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden als derzeit geplant", forderte Bodner. Die Zeit für ein Umdenken in der Politik sei aber offensichtlich noch nicht reif. "Wir werden uns dem Verkehrskollaps weiter annähern, bevor endlich gehandelt wird", sagte Bodner.

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