Archiv
Interview: Sparprogramm bei VW - Ratingagenturen sehen keinen Handlungsbedarf

Auch nach der Präsentation der neuen Sparpläne dürfte sich an der erst vor kurzem von den drei wichtigsten Ratingagenturen gesenkten Bonität des Volkswagen-Konzerns zunächst nichts ändern. Die verantwortlichen Analysten von Standard & Poor's, Moody's und Fitch, erklärten auf Anfrage, die weitere Entwicklung bei den Wolfsburgern abwarten zu wollen. Grundsätzlich bewerteten die Experten die Pläne positiv.

dpa-afx FRANKFURT/LONDON. Auch nach der Präsentation der neuen Sparpläne dürfte sich an der erst vor kurzem von den drei wichtigsten Ratingagenturen gesenkten Bonität des Volkswagen-Konzerns zunächst nichts ändern. Die verantwortlichen Analysten von Standard & Poor's, Moody's und Fitch, erklärten auf Anfrage, die weitere Entwicklung bei den Wolfsburgern abwarten zu wollen. Grundsätzlich bewerteten die Experten die Pläne positiv.

"Das neue Sparprogramm könnte sich längerfristig stabilisierend auf das Rating auswirken, doch noch ist es zu früh, Genaueres zu sagen. Wir müssen erst die Umsetzung und die Tarifgespräche abwarten", erklärte Standard & Poor's-Analystin Maria Bissinger in Frankfurt. "Unser Volkswagen-Rating hat einen negativen Ausblick, der nicht aufgrund dieser Entwicklung geändert wird, sondern auf mehreren Faktoren basiert", sagte die Expertin.

Nicht NUR Kostenfaktor Wichtig

So hänge Volkswagens Bonitäts-Einstufung nicht nur an dem Kostenfaktor, sondern auch an dem Markterfolg des Unternehmens, betonte Bissinger. "Volkswagens Produkterneuerungsprogramm läuft noch bis 2005, und für das Rating wird es ebenfalls wichtig sein, welche Erfolge dies hat", sagte die Analysten. Grundsätzlich seien die geplanten Einsparungen von 30 % der jetzigen Arbeitskosten aber ein "guter Ansatz", bekräftigte Bissinger.

Alle drei Ratingagenturen hatten die Bonität des Konzerns zuletzt vor wenigen Wochen herabgestuft und dies unter anderem mit der unzureichenden Höhe des im Frühjahr aufgelegten Sparprogramms "Formotion" begründet. Am vergangenen Montag präsentierte Personalvorstand Peter Hartz zudem sein sieben Punkte umfassendes Sparprogramm für die Personalkosten, mit dem der Konzern in die am 15. September beginnende Tarifrunde gehen will. Durch zwei Nullrunden in den westdeutschen Werken und eine tief greifende Reform von Bezahlung und Arbeitszeit will Volkswagen seine Arbeitskosten bis 2011 jährlich von derzeit 6,8 auf dann 4,8 Mrd. ? drücken.

Sparprogramm IN Bewertung Eingeflossen

Bei der Ratingagentur Fitch sieht Wolfgang Wiehe, Analyst für den europäischen Automobilbereich den neuen Sparansatz im Zusammenhang mit dem bereits im Frühjahr angekündigten Kostensenkungsprogramm. Eine sofortige Überprüfung des Ratings sei daher nicht notwendig. "Die Herabstufung des Ratings vom Juli beruhte auf der von uns für 2004 und 2005 erwarteten geringeren Cash-Flow-Generierung bei Volkswagen." Das Unternehmen habe bereits in der ersten Jahreshälfte angekündigt, die Personalkosten erheblich senken zu wollen, betonte Wiehe. "Dies ist in unsere letzte Bewertung mit eingeflossen", sagte der Fitch-Analyst.

"Wichtig ist, dass Volkswagen die gesteckt Kostensenkungsziele erreichen wird, gleichzeitig aber auch erfolgreich neue Modelle in den einzelnen Schlüsselmärkten platziert, um seine Position trotz des zunehmenden Wettbewerbs zu stärken." Ob sich etwas am aktuellen Rating ändern werde, werde sicherlich vom Erreichen dieser Ziele abhängen. "Der gegenwärtige negative Ratingausblick signalisiert die Herausforderungen, denen sich Volkwagen in den nächsten zwölf bis 24 Monaten bei der Umsetzung dieser Maßnahmen gegenüber sieht", sagte Wiehe.

'Unternehmen Müssen Kosten Senken'

Auch Falk Frey, Volkswagen-Analyst bei Moody's sieht für seine Agentur derzeit keinen Handlungsbedarf: "Ich glaube nicht, dass wir tätig werden. Die Kostenstruktur bei Volkswagen hatte in der Vergangenheit im internationalen Vergleich schlechter abgeschnitten. "Alle Unternehmen müssen Kosten senken um wettbewerbsfähig zu bleiben, und wir als Ratingagentur erwarten auch, dass sie das tun." Sparmaßnahmen seien bei Volkswagen "dringend nötig", betonte Frey. Andererseits sollte nach Ansicht des Experten auch ein möglicherweise drohender Streik bei den Wolfsburgern die Bonität ebenfalls nicht beeinflussen. "In der Regel haben Streiks nur einen geringen Einfluss auf die Bilanz, meistens geht es da nur um einen Quartalseffekt."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%