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Interview: Übernahme der LSE für Deutsche Börse strategisch notwendig - PwC

Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch die Deutsche Börse ist aus Sicht von Pricewaterhousecoopers (PwC) kurzfristig betrachtet eine deutliche wirtschaftliche Belastung. "Es schlagen Finanzierungskosten für den Kaufpreis zu Buche.

dpa-afx DÜSSELDORF. Eine Übernahme der London Stock Exchange (LSE) durch die Deutsche Börse ist aus Sicht von Pricewaterhousecoopers (PwC) kurzfristig betrachtet eine deutliche wirtschaftliche Belastung. "Es schlagen Finanzierungskosten für den Kaufpreis zu Buche. Ich erwarte hier aus heutiger Sicht rund 40 bis 60 Mill. Euro pro Jahr. Außerdem stehen noch Aufwendungen für die Integration und Modernisierung der LSE an", sagte PwC-Experte Andreas Rams der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Mittel- bis langfristig jedoch sei dieser Schritt der Übernahme wesentlich, um bei der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft die Nase vorn zu haben und die unangefochtene Nummer Eins unter den Börsen in Europa zu werden, sagte der PwC-Experte für Kapitalmarkt-Finanzierung und-Entwicklung.

Konsolidierung Längst Fällig

Eine Übernahme oder Fusion würde der längst anstehenden Konsolidierung der Börsenlandschaft einen deutlichen Vorwärtsschub geben. "Auf längere Sicht wäre zudem zu erwarten, dass die Konsolidierung weiter geht und sich möglicherweise auch der Verlierer im Wettstreit um die LSE sich dem entstehenden Verbund anschließt oder sich an ihn anlehnt", sagte Rams.

Am 13. Dezember hatte der Frankfurter Börsenbetreiber bekannt gegeben, an dem Londoner Konkurrenten interessiert zu sein. Zuvor waren Fusionsgespräche mit der Schweizer Börse SWX im November gescheitert. Inzwischen hat auch die Vierländerbörse Euronext Interesse an der LSE angemeldet.

Deutsche Börse Dürfte DAS Rennen Gewinnen

Rams ist überzeugt, dass letztlich die Deutsche Börse das Rennen um die LSE gewinnen wird und nicht Euronext. "Die Euronext wird sicher nicht ohne weiteres klein beigeben und dürfte daher den Preis für die LSE-Aktien weiter nach oben treiben", sagte Rams. "Das werden die Aktionäre der Deutschen Börse sicher nicht gut heißen, wie sich bereits aus den ersten Kursreaktionen abzeichnet, zumal bedacht werden muss, dass eine Übernahme der LSE längst überfällige Investitionen in das britische System nach sich ziehen dürfte."

Zwar habe die Euronext einen Vorteil wegen ihrer breiten internationalen Aufstellung in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Portugal sowie über den Londoner Optionenmarkt. Doch "die Deutsche Börse hat überlegene Systeme und auch deutlich mehr Kapitalkraft", sagte Rams. Die Finanzkraft der Euronext mit einer Börsenkapitalisierung von 2,7 Mrd. Euro sei im Vergleich zur Deutschen Börse mit knapp 4,8 Mrd. Euro nicht sehr hoch. Es sei daher die Frage, wie viel Kredit die Euronext aufnehmen müsste, zumal sie erst kürzlich 9,5 Mill. Aktien zurückgekauft habe. "Daran sieht man auch, dass der Vorstoß der Deutschen Börse die Euronext völlig unvorbereitet getroffen hat", sagte der PwC-Experte.

Dass der Kassamarkt komplett nach London verlagert werden könnte, hält Rams für "nicht denkbar". Bei der Abwicklung und Weiterverarbeitung der Orders sieht er die größeren Möglichkeiten einer Aufteilung. "Eine komplette Abwanderung des Kassamarktes nach London aber ist auf Grund der Technik einerseits gar nicht nötig und würde andererseits sicher deutliche politische Reaktionen hervorrufen", sagte Rams.

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