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INTERVIEW: US-Zinserhöhungen gefährdet Konjunktur nicht - SEB-BankDPA-Datum: 2004-07-02 12:18:40

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Leitzinserhöhung in den USA gefährdet nach Einschätzung der SEB die Konjunkturerholung in den USA nicht. "Die Geldpolitik der Federal Reserve bleibt weiterhin sehr expansiv", sagte Klaus Schrüfer, Chef-Anlagestratege der SEB AG, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Schrüfer erwartet in den USA zunächst weitere Leitzinserhöhungen in kleinen Schritten. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in den USA am 2. November dürfte sie eine zurückhaltende Zinspolitik fahren.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Leitzinserhöhung in den USA gefährdet nach Einschätzung der SEB die Konjunkturerholung in den USA nicht. "Die Geldpolitik der Federal Reserve bleibt weiterhin sehr expansiv", sagte Klaus Schrüfer, Chef-Anlagestratege der SEB AG, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Schrüfer erwartet in den USA zunächst weitere Leitzinserhöhungen in kleinen Schritten. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in den USA am 2. November dürfte sie eine zurückhaltende Zinspolitik fahren.

"Die US-Wirtschaft sei bereits in einen selbsttragenden Aufschwung übergegangen, der auch am Arbeitsmarkt bereits angekommen ist", sagte Schrüfer. Dies dürfte auch der für Freitag angekündigte Arbeitsmarktbericht zeigen.

Die amerikanische Regierung müsse nun das hohe Haushaltsdefizit zurückfahren, sagte der Experte. Dies könne zwar dämpfende Effekte haben. Die Rückführung der Defizite dürfte aber eher moderat ausfallen und in erster Linie über Steuermehreinnahmen durch das höhere Wirtschaftswachstum erfolgen. "Auf absehbare Zeit werden wir aber keine Haushaltsüberschüsse sehen", sagte Schrüfer.

KEINE LEITZINSERHÖHUNGEN IN DER EUROZONE IN 2004 ERWARTET

"In der Eurozone ist im laufenden Jahr nicht mit Leitzinserhöhungen zu rechnen", sagte Schrüfer. Erst im kommenden Jahr dürfte die EZB in kleinen Schritten die Zinsen erhöhen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet habe jedoch auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag klar gemacht, dass Leitzinssenkungen kein Thema mehr seien. "Die EZB kann sich jedoch mit ihren Zinserhöhungen Zeit lassen", sagte Schrüfer. Die Konjunkturerholung in der Eurozone sei weiterhin größeren Risiken wie dem gestiegenen Ölpreis ausgesetzt. Verantwortlich für die verhaltene Konjunkturerholung in der Eurozone und vor allem in Deutschland ist aber vor allem die schwache Binnennachfrage. Erst bei einer Verbesserung am Arbeitsmarkt sei hier mit einer nachhaltigen Besserung zu rechnen.

Inflationsgefahren durch den hohen Ölpreis in der Eurozone sieht Schrüfer kaum. "Die Gefahr, dass es durch Zweitrundeneffekte zu einem höheren Preisdruck kommt, ist gering", sagte Schrüfer. Deutliche Lohnerhöhungen seien aufgrund des schwachen Arbeitsmarktes kaum durchsetzbar. Das Beispiel Siemens zeigt, dass der Trend bei Lohnvereinbarungen eher in die andere Richtung gehe.

REFORMEN IN DEUTSCHLAND WIRKSAM

Schrüfer zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Reformen in Deutschland ihre Wirkung zeigten. "Wichtig ist, dass die Menschen wieder mehr Zuversicht gewinnen, wie dies auch Bundespräsident Horst Köhler in seiner Antrittsrede gefordert hat. Eine Trendwende am deutschen Arbeitsmarkt sei aber erst im kommenden Jahr zu erwarten.

Zu einer Bremse für die Konjunkturentwicklung in der Eurozone könne jedoch ein erneut steigende Euro-Wechselkurs < EURUS.FX1 > werden. Die hohen Defizite im Staatshaushalt und vor allem in der Leistungsbilanz der USA ließen einen Anstieg des Euro bis auf 1,30 bis 1,35 Dollar zum Jahresende erwarten.

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