Interview
„Viele schütteln den Kopf“

BASF-Chef Jürgen Strube, Manager des Jahres 2002, verteidigt das Prinzip des Shareholder-Value.

HB: Herr Strube, Ihre Strategie bei der BASF findet große Anerkennung. Welche Lehren gibt der "Manager des Jahres 2002", der im kommenden Jahr von der Vorstandsspitze abtritt, seinem Nachfolger mit auf den Weg?

Strube: Jürgen Hambrecht kennt die BASF seit 27 Jahren und ist seit 1997 im Vorstand. Da bedarf es keiner Lehren. Für uns gibt es ein wichtiges Motto: "Be prepared". Damit sind wir gut gefahren.

HB: Was betrachten Sie im Rückblick als Ihren größten Erfolg ?

Strube: Als größte Leistung sehe ich, dass die BASF heute das weltweit führende Chemieunternehmen ist. Daran haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Einsatz und Ausdauer gearbeitet. Als persönlichen Erfolg sehe ich, das Wort Verbund in die englische Sprache eingeführt zu haben (siehe Kasten). Vielleicht wird dieses Wort sogar noch in einer anderen Weltsprache Teil des Wortschatzes werden.

HB: Etwa im Chinesischen?

Strube: Das wäre nicht schlecht. Mit dem Aufbau der Verbund-Standorte in Malaysia und China bereiten wir uns auf die wachsende Bedeutung Asiens vor. Unser Ziel ist es, im Jahr 2010 dort 20 % des Umsatzes zu erwirtschaften. Besonders China wird immer wichtiger für die Chemieindustrie.

HB: Welches Unternehmen hat Sie außerhalb der Chemiebranche 2002 am positivsten überrascht?

Strube: Das waren zwei Unternehmen: BMW und Dell. In zwei unterschiedlichen Branchen, die beide zur Zeit ein schwieriges Marktumfeld haben, wurden gute Ergebnisse gezeigt. Genau wie bei der BASF.

HB: Bei anderen sieht es nicht so gut aus. Hat das "Shareholder-Value-Prinzip" womöglich in die falsche Richtung geführt?

Strube: Die Grundidee ist nach wie vor richtig. Von nachhaltigem Wert für Aktionäre profitieren auch Mitarbeiter und Geschäftspartner. Kurzfristige Gewinnmaximierung kann dagegen nicht der richtige Weg sein. Erst recht nicht, wenn er außerhalb der Legalität begangen wird.

HB: Was für ein Strategie sollten Unternehmen ihrer Meinung nach verfolgen, um erfolgreich zu sein?

Strube: Welche Strategie jeweils die Beste ist, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden. BASF hat das Ziel der Wertsteigerung durch Wachstum und Innovation. Dazu bauen wir renditestarke Arbeitsgebiete aus und investieren in wachsende Märkte.

HB: Auch der gesellschaftlichen Verantwortung widmet die BASF größere Aufmerksamkeit. Passt so etwas zu einem Aktienunternehmen, das eigentlich den Shareholder Value im Blick behalten sollte?

Strube: Wir wollen dauerhaft hohe Erträge erzielen, indem wir die Bedingungen für weiteres Wachstum erhalten und verbessern. Das gelingt am besten, wenn wir unser wirtschaftliches Wachstum mit Umweltschutz und sozialer Stabilität verbinden.

HB: Glauben Sie nicht, dass es genügt, sich an die Gesetze zu halten?

Strube: Oft sind es gerade die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Erfolg erleichtern oder erschweren. Gesellschaftliche Mitgestaltung ist für uns Kerninteresse und damit auch ein Wettbewerbsfaktor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, mit denen es die BASF zu tun hat.

HB: Fordert "gesellschaftliche Verantwortung" nicht noch mehr politisches Engagement von Unternehmern?

Strube: Ohne Zweifel, aber das tun viele Unternehmer schon lange auf regionaler und jetzt verstärkt auch auf Bundesebene. Ein Beispiel ist die "Initiative für Deutschland". Dort bringen Manager ihren wirtschaftlichen Sachverstand ein, um die Reform unserer Sozialsysteme voranzutreiben. Oder nehmen Sie die Initiative für Beschäftigung. Erwähnen möchte ich das Engagement meines Vorstandskollegen Eggert Voscherau in der Hartz- und jetzt in der Rürup-Kommission. Für Politiker, für Unternehmer wie für unsere Sozialpartner gilt: Nur mit gemeinsamen Anstrengungen holen wir Deutschland vom Nebengleis auf die ICE-Strecke.

HB: Wie reagieren denn Ihre Gesprächspartner im Ausland auf den Bummelzug Deutschland?

Strube: Viele mit verständnislosem Kopfschütteln.

HB: Und der Nimbus des "Made in Germany" wird weiter geschwächt ?

Strube: Kunden, die auf den Weltmärkten deutsche Produkte kaufen, achten weniger darauf, wo diese hergestellt wurden, sondern wer sie hergestellt hat. Da gewinnt "Made by BASF" immer mehr an Bedeutung. Glücklicherweise gibt es in Deutschland viele Firmen quer durch alle Branchen, die weltweit für exzellente Qualität und erstklassigen Kundenservice stehen.

HB: Was sind die drei wichtigsten Dinge, die die Regierung gleich Anfang 2003 anpacken sollte?

Strube: Immer noch die selben wie im vorigen Jahr und in den Jahren zuvor. Erstens: Wir müssen sofort und durchgreifend mit dem Umbau unserer Sozialsysteme beginnen. Zweitens: Das Steuersystem muss vereinfacht werden. Mit der Zinsabgeltungssteuer wurde jetzt aber ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht. Drittens: Die Lohnnebenkosten müssen sinken, und die Staatsquote muss geringer werden. Die Zeit drängt. Kommissionen mit kundigen Experten sind gut, aber zügige Entscheidungen sind besser.

Das Gespräch führten Bert Fröndhoff, Dirk Hinrich Heilmann und Siegfried Hofmann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%