Interview
Wie viel bringt Harvard?

Heiner Thorborg sucht Top-Manager für deutsche Unternehmen. Auch an der legendären Harvard Business School kennt er sich aus.

Heiner Thorborg ist einer der führenden Headhunter für Top-Manager in Deutschland. Der 58-Jährige ist auch Präsident der Deutschen Harvard Business School-Alumni Vereinigung, der einige Hundert Absolventen der fast legendären US-amerikanischen Top- Schule angehören. An der Harvard Business School (HBS) besuchte Thorborg vor einigen Jahren das Advanced Management Program (AMP).

Herr Thorborg, Sie platzieren regelmäßig Manager in Top-Positionen bei deutschen Unternehmen. Wie gesucht sind Leute mit einem - guten - MBA, das heißt mit einem MBA einer der Top-Business Schools in Europa oder den USA? Ist ein guter MBA ein reales Karriere-Plus in Deutschland?

Inzwischen ist ein guter MBA sicherlich ein wünschenswertes Asset und hat in der deutschen Industrie breite Akzeptanz gefunden. Zu den guten MBAs zähle ich die Absolventen europäischer und US-amerikanischer Eliteschulen, dazu gehören natürlich die HBS, aber auch INSEAD.

Wie viel "mehr" bringt ein Harvard-MBA im Vergleich zu anderen MBA-Abschlüssen?

In den USA haben Harvard-MBAs traditionell - im Vergleich zu anderen Schulen - die höchsten Einstiegsgehälter erzielt. Das lässt sich für Deutschland nicht sagen. Hier dürften die Einstiegsgehälter der Absolventen der Top Schulen ziemlich ähnlich sein.

Wir sehen, dass deutsche HBS-MBA-Absolventen gute Chancen im Investment-Banking und bei Beratungsunternehmen haben. Viel weniger bei den klassischen deutschen Industrieunternehmen.

In den vergangenen Jahren wurden den MBAs von Investmentbanken und Consulting-Firmen horrende Einstiegsgehälter angeboten, die von 95% der Industrie nicht gezahlt werden konnten. Hierin sehe ich den Hauptgrund dafür, dass viele MBAs erst nach einigen Jahren im Consulting bzw. im Investment Banking in die Industrie wechselten. Inzwischen hat sich die Lage völlig verändert: Einerseits kehrt gezwungenermaßen Bescheidenheit bei den MBAs ein, andererseits sind die Kanäle Consulting und Investment Banking weitgehend ,verstopft?. Eine exzellente Chance für die Industrie, sich die Besten zu vernünftigen Preisen zu holen.

Sie selbst haben an der HBS keinen MBA gemacht, sondern das AdvancedManagement Programm (AMP) absolviert, ein achtwöchiges Programm für Manager mit ca. 15 Jahren Berufserfahrung, die den Sprung ins Top-Management anstreben (Kosten 2003: 49 000 US-Dollar) Aus Ihrer heutigen Sicht: Lohnt sich das AMB für ambitionierte deutsche Middle Manager?

Die Weiterbildungsprogramme der HBS sind mentale, fachliche aber auch multi-kulturelle Fitnessprogramme. Dazu gehören das PMD für aufstrebende Führungskräfte und das AMP für Top-Manager. An solchen Programmen teilzunehmen ist eine ungeheure Bereicherung und durch keine normalen Fortbildungskurse zu ersetzen.

Gibt es noch andere HBS- Executive- Education-Programme, die Sie deutschen Managern empfehlen würden?

Es gibt eine Vielzahl kurzer Programme unter anderem zum Thema Corporate Governance oder speziellen Finanz-, aber auch Marketingthemen, die alle empfehlenswert sind. Für selbstständige Unternehmer empfehle ich das OPM, das von ehemaligen Teilnehmern sehr gelobt wird.

Die Harvard Business School steht auch für das fast legendäre Ehemaligen-Netzwerk, von dem man sagt, das es als Türöffner und Job-Trampolin Zugang zu fast jedem führenden Unternehmen in den USA verschafft. Sie selbst sind Präsident der deutschen HBS-Alumni. Wie hilfreich ist dieses Ehemaligen-Netzwerk für Deutsche, in den USA und in Deutschland/Europa wirklich?

Die HBS Alumni Organisation ist mit etwa 65 000 Ehemaligen das mit Abstand größte Ehemaligen-Netzwerk aller Business Schools. Teil dieses Netzwerks zu sein ist nicht nur ein Privileg, sondern eröffnet riesige Chancen, neben persönlichen Freundschaften geschäftliche Kontakte weltweit zu knüpfen und zu vertiefen.

Um Mitglied dieses Alumni-Netzwerkes zu werden, braucht man keinen "vollen" MBA an der HBS zu machen. Es reicht auch die Teilnahme an einem der kurzzeitigen Manager-Fortbildungsprogramme. Lohnt es sich, sich mit ein paar Tausend Dollar so in dieses Netzwerk "einzukaufen"?

Wir reden nicht über ein paar tausend Dollar, sondern über 50 000 Dollar, da nur die Teilnehmer der langen Programme (PMD, AMP, OPM) den Status Alumnus erhalten. Außerdem werden diese Kurse ausschließlich vom Arbeitgeber bezahlt, privat können Sie daran nicht teilnehmen.



SERVICE UND ADRESSEN



Handelsblatt.com bietet eine  MBA-Datenbank mit den wichtigsten Informationen zu den besten MBA-Programmen. Mehr zum Thema MBA in den USA finden sie auch unter www.jungekarriere.com/mba. Dort berichten auch deutsche MBA-Studenten aus erster Hand über ihre Erfahrungen.

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