Intifada könnte bis 2006 andauern
Israelischer Generalstab hält regionalen Krieg für möglich

Die israelische Armeeführung hält laut einem Zeitungsbericht einen regionalen Krieg im Nahen Osten für möglich. Vor den palästinensischen Städten Beit Dschala und Beit Sahur nahe Bethlehem blieben die israelischen Truppen in Stellung. "Wenn wir nach Beit Dschala eindringen, bleiben wir," drohte der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben Elieser. Von der Ortschaft aus war am Dienstag die angrenzende jüdische Siedlung Gilo beschossen worden.

afp JERUSALEM. Der Palästinenseraufstand könnte sich noch bis 2006 fortsetzen und die Nachbarstaaten schließlich in einen Krieg hineinziehen, berichtete die Zeitung "Haaretz" am Donnerstag unter Berufung auf eine Prognose des israelischen Generalstabs, die Teil des strategischen Jahresberichts werden soll. US-Präsident George W. Bush rief beide Seiten erneut auf, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.

Laut dem in der "Haaretz" zitierten Bericht könnte die Gewalt in den Autonomiegebieten durch ein Waffenstillstandsabkommen mit Arafat nur vorübergehend beendet werden. Eine solche Vereinbarung werde Arafat aber noch weiter schwächen. Gleichzeitig werde die Bedeutung von Organisationen wie der radikalislamischen Hamas-Bewegung und dem Islamischen Dschihad noch steigen, heißt es. Beide Gruppen zeichnen für eine Reihe von Selbstmordanschlägen verantwortlich, die Palästinenser in den vergangenen Monaten verübten. Hamas und Islamischer Dschihad bekannten sich auch zu dem tödlichen Selbstmordattentat in Jerusalem vergangenen Donnerstag, bei dem 16 Menschen getötet wurden.

Bush mahnt Israel zur "Zurückhaltung"

Die israelische Armee hatte ihren Einmarsch nach Beit Dschalah in der Nacht zum Mittwoch in letzter Minute gestoppt. Aus dem Umfeld von Ministerpräsident Ariel Scharon waren Vermutungen zurückgewiesen worden, wonach die Aktion wegen Kritik aus Washington am israelischen Vorgehen abgebrochen wurde. Das Büro von Außenminister Schimon Peres teilte wiederum mit, dieser habe Verteidigungsminister Elieser zu dem Stopp gedrängt. Im US-Fernsehsender MSNBC betonte Peres, Israel beabsichtige nicht, palästinensische Gebiete zu besetzen. Die Armee werde aber gegen "terroristische Enklaven" vorgehen.

Bush mahnte Arafat, er müsse alles in seiner Macht Stehende tun, um Selbstmordattentäter zu entmutigen. Zugleich mahnte er Israel zur "Zurückhaltung". Ein Krieg in der Region sei vermeidbar. "Die Parteien müssen sich klar werden, dass Frieden besser als Krieg ist", sagte Bush in Albuquerque im Bundesstaat New Mexico.

Rangeleien vor dem Orienthaus

Bei Hebron im Westjordanland wurden nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte fünf Palästinenser verletzt, als ein Panzer Granaten auf eine Polizeistation abfeuerte. Zuvor hätten sich Israelis und Palästinenser südlich von Dura bei Hebron mit Schnellfeuergewehren Schusswechsel geliefert. Die Armee wies den Bericht als "haltlos" zurück. Im Norden von Nablus nahm die Armee nach eigenen Angaben ein Mitglied der Tansim fest, des paramilitärischen Arms von Arafats Fatah-Organisation.

Vor dem Orienthaus in Ost-Jerusalem demonstrierten am Mittag rund 50 Palästinenser, um gegen die israelische Besetzung zu protestieren. Dabei kam es zu Rangeleien mit der Polizei, ein Demonstrant wurde festgenommen. Wegen eines möglichen Anschlags wurde im Norden Israels Alarm ausgelöst. Vor allem im Hafengebiet von Haifa errichtete die Polizei Straßensperren, es kam zu erheblichen Verkehrstaus.

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