Invesco-Umfrage unter deutschen institutionellen Anlegern
Investoren achten stärker auf Risiken

Fallende Aktienkurse schmerzen. Großinvestoren legen deshalb mehr Geld in stabilen Anlagen an. Ihre Asset Manager trimmen sie stärker als früher darauf, Verluste zu vermeiden. Die Jagd nach überdurchschnittlicher Performance ist ihnen jetzt weniger wichtig als in den Jahren des Börsenbooms.

FRANKFURT/M. In schwierigen Börsenzeiten schrauben institutionelle Anleger ihre Aktienquoten zurück. Außerdem ist ihnen die Kontrolle der Anlagerisiken - im Unterschied zu früheren Jahren - jetzt wichtiger als die Jagd nach Performance. Dennoch bleiben sie langfristig von der Aktie als überlegener Anlageform überzeugt.

Das sind wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage, die die amerikanisch-britische Investmentgesellschaft Invesco in Zusammenarbeit mit dem Finanzplatz e.V. unter deutschen institutionellen Anlegern durchgeführt hat. Die Ergebnisse veröffentlicht das Handelsblatt exklusiv. Invesco wertete Antworten von 43 Institutionellen aus, die Gelder in Höhe von über 121 Mrd. in Eigenregie verwalten oder verwalten lassen. Am stärksten vertreten sind Banken, Versicherungen und Pensionskassen.

Die durchschnittliche Aktienquote bei den Eigenanlagen lag Ende vergangenen Jahres nur noch bei 12 %. In der Vorjahresumfrage war sie noch mit 22 % ermittelt worden. "Das ist nicht nur dem Börseneinbruch, sondern auch Umschichtungen zuzuschreiben", sagt Bernhard Langer, Chefstratege von Invesco Deutschland. Hans-Jürgen Reinhart, Geschäftsführer der Consultingfirma RMC Risk-Management-Consulting, ergänzt: "Einige Adressen, etwa aus dem Versicherungsbereich, haben ihre Quoten mit Blick auf den Bilanzierungsstichtag reduziert."

Die Anleger sind trotz gestiegener Vorsicht überzeugte Aktionäre geblieben. Im Schnitt lassen sie 39 % ihrer Gelder von externen Vermögensverwaltern betreuen. "Bei der Anlage dieser Gelder werden auf Sicht von drei Jahren immer noch den Aktien die besten Ertragschancen eingeräumt, noch vor den Anleihen", sagt Langer. Reinhart sieht in den beiden Umfrageergebnis keinen Widerspruch: "Eine strategische Ausrichtung hat nichts mit kurzfristigen und teilweise bilanzbedingten Aktionen zu tun."

Die Börsenrückschläge hinterlassen auch an anderer Stelle Spuren. Für über die Hälfte der Befragten ist das Risikoniveau das wichtigste Kriterium bei der Ausrichtung der Anlagepolitik. Auf Platz zwei folgt die absolute Performance, dahinter rangiert die relative Wertentwicklung. Langer findet "bemerkenswert", dass die absolute noch vor der relativen Wertentwicklung steht. Seine Erklärung: "In der Baisse will man vor allem Verluste vermeiden. Besser abzuschneiden als der Vergleichsindex reicht nicht, wenn man damit nur Verlustminimierung erreicht." In der Hausse dagegen strebe der Anleger ein relativ besseres Abschneiden als der Vergleichsindex an. Ein nur absolut positives Ergebnis reiche ihm nicht. Reinhart nennt das die "Asymmetrie in den Anlegerköpfen".

Auch die Vorgehensweise bei der Auswahl externer Vermögensverwalter stützt die These vom zunehmenden Risikobewußtsein. In der Rangfolge der wichtigsten Faktoren bei dieser Auswahl rangiert die Risikokontrolle an erster Stelle. Die Performance muss sich mit dem zweiten Rang begnügen. In der Vorjahresumfrage war die Reihenfolge nicht nur vertauscht. Die Perfomance lag im Gesamtkatalog nur auf Platz drei, die Risikokontrolle folgte auf dem fünften Rang.

Frank Wehlmann begründet diese Verschiebung zumindest teilweise mit Defiziten bei manchen Asset Managern. "Einige haben sich trotz fallender Aktienkurse zu wenig um die Anleger gekümmert. Diese Adressen hätten mit ihren Kunden die strategische Anlageausrichtung neu besprechen müssen", sagt der Geschäftsführer von RCP & Partners, einer Ratingagentur für Asset-Management-Gesellschaften.

Zu dieser Einschätzung passt ein weiteres Teilergebnis der Invesco-Umfrage. Danach haben in den vergangenen drei Jahren über die Hälfte der Anleger die Zusammenarbeit mit Asset Managern gekündigt und einen neuen Vermögensverwalter gesucht. "Die Zahl der Kündigungen hat zugenommen", registriert Langer.

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