Investitionen gehen weltweit um die Hälfte zurück
Markt für Wagniskapital bricht ein

Das Geschäft mit außerbörslichem Beteiligungskapital hat im vergangenen Jahr einen Rückschlag erlitten. Weltweit brachen die Private-Equity-Investitionen gegenüber dem Jahr 2000 um 50 % auf 100 Mrd. $ ein, geht aus einer Studie der Wagniskapitalgesellschaft 3i und des Beratungsunternehmens Price Waterhouse Coopers (PWC) hervor. Dennoch sei damit historisch gesehen das drittbeste Ergebnis überhaupt erzielt worden.

pk FRANKFURT/M. Zu den Ursachen heißt es, einerseits lasse die Bereitschaft nach, Unternehmen zu gründen, andererseits hätten sich die Beteiligungsgesellschaften stärker um ihre bereits bestehenden Investments gekümmert. Im Buyout-Markt, also dem Kauf von Unternehmensteilen, standen die unterschiedlichen Preisvorstellungen zwischen den Private-Equity-Firmen und den etablierten Familienunternehmen bzw. Konzernen einem stärkeren Wachstum im Weg. "Ganz sicher erfolgte der Investitionsrückgang nicht wegen eines Mangels an Kapital", heißt es in der Studie. Rechne man die unverbrauchten Mittel aus vorherigen Jahren zusammen, so stünden derzeit weltweit rund 180 Mrd. $ für Investitionen bereit. In den folgenden Jahren werde der Druck der Geldgeber auf die Finanzinvestoren zunehmen, den Kapitalüberhang abzubauen oder - falls die Anlagechancen dauerhaft ausbleiben - die Mittel freizugeben.

Die Flaute erfasste im vergangenen Jahr alle Marktsegmente. So sanken die Investitionen in Management Buyouts um 38 %, in die Frühphasen von Unternehmensgründungen ("seed" bzw. "start ups") flossen weltweit mit 18 Mrd. $ gut 50 % weniger Mittel. Deutschland blieb mit Investitionen von insgesamt vier Mrd. Dollar von der allgemein rückläufigen Entwicklung zwar nicht verschont, jedoch konnte es Frankreich vom dritten Platz verdrängen. Unangefochtener Spitzenreiter blieben die USA mit knapp 60 Mrd. $, gefolgt von Großbritannien. Gegen die allgemein rückläufige Tendenz wurde in China, Australien und Indien nochmals mehr Risikokapital investiert. Für 2003 geben sich 3i und PWC verhalten optimistisch, da der Druck auf die Konzerne, sich auf ihre Kerngeschäftsfelder zu konzentrieren, in allen Industrieländern zunehme. Außerdem näherten sich die Preisvorstellungen zwischen Anbietern und Käufern im Buyout-Markt langsam wieder an.

Experten: Investitionstätigkeit in Westeuropa weiter rückläufig


In Westeuropa wurde in 2001 mit 21,5 Mrd. $ rund 33 % weniger investiert. Dies entsprach nur 0,26 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). In den USA entsprechen die Investitionen 0,58 % des BIPs. Gemessen am Ziel, mit den USA gleich zu ziehen, müsse 2001 als Fehlschlag gewertet werden, sagte Theo Weber, bei PWC Deutschland verantwortlich für den Bereich Venture Capital. Das Rekordniveau aus 2000 habe man nach dem Platzen der Internet-Blase nicht durchhalten können, ergänzte Andreas Kochhäuser, Geschäftsführer bei 3i Deutschland. In 2001 entfielen noch 38 % aller Investitionen auf den Technologiebereich, wobei Softwarefirmen den Löwenanteil auf sich vereinten.

Für das laufende Jahr gehen die Experten von einer erneut rückläufigen Investitionstätigkeit in Westeuropa aus. Der Buyout-Bereich könnte sich aber im kommenden Jahr beleben, der für Venture Capital reservierte Technologiesektor werde dagegen wohl erst im Jahr 2004 wieder wachsen, prognostiziert die Gemeinschaftsstudie.

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