Investitionen in schwere Lkw auf dem Prüfstand
VW plant offenbar Neuordnung der Marken

Der Volkswagen-Konzern will seine Marken nach Angaben von Analysten in einen eher konservativen und einen eher sportlich-aggressiveren Bereich bündeln, um deren Image zu schärfen.

Reuters HAMBURG. Demnach sollten Skoda, VW und Bentley sowie Seat, Audi und Lamborghini jeweils in einer eigenen Markenwelt zusammengefasst werden, hieß es am Freitag aus Kreisen am Unternehmenssitz in Wolfsburg. Bestätigt wurden damit Angaben von Analysten, die zuvor unter Berufung auf ein Treffen von VW-Vorstandsmitglied Bernd Pischetsrieder mit Investoren am Mittwoch in London entsprechende Pläne geschildert hatten. Dabei teilte Pischetsrieder den Angaben zufolge auch mit, dass VW nur dann weiter in schwere Lkw investieren wolle, wenn der Konzern dadurch Nummer eins oder zwei in Europa werden könne.

Der Kurs der VW-Aktie legte bis zum Freitagnachmittag in einem freundlichen Börsenumfeld zeitweise um 2,1 % auf 50,43 ? zu.

Bei Volkswagen wird seit einiger Zeit über eine neue Struktur für die bislang getrennt geführten Marken diskutiert, um das Markenimage zu schärfen. Konzernchef Ferdinand Piech hatte dafür zunächst ein Modell aus drei Säulen ins Gespräch gebracht, wobei dieser Vorschlag eigene Bereiche für Massen-, Luxus- und Nutzfahrzeuge umfasst hatte. Später reduzierte Piech dieses Konzept in Zeitungsinterviews auf zwei Sektoren. Volkswagen ist wesentlich an dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania beteiligt. Seit längerem wird darüber spekuliert, der Wolfsburger Konzern könnte seinen Scania-Anteil erhöhen. Darüber hinaus gibt es Vermutungen, VW plane den Zukauf einer weiteren Lkw-Marke.

Nach Informationen aus den Unternehmenskreisen wird in Wolfsburg über eine Marken-Gruppe mit eher konservativem Zuschnitt mit Bentley an der Spitze nachgedacht. In dieser Gruppe solle Skoda als "Einsteiger"- und VW als "Aufsteiger"-Marke profiliert werden, hieß es. In einem sportlich ausgerichteten Bereich mit einem eher "aggressivem" Profil solle mit Bugatti an der Spitze eine Gruppe zusammengefasst werden, in der daneben Lamborghini, Audi und als Abrundung dazu Seat Platz finden könnten.Damit will VW offenbar eine stärkere Konzentration auf das Margen stärkere gehobene Segment auch organisatorisch nachvollziehen. Von Analysten, die sich auf Angaben des Unternehmens beriefen, hieß es, die Produktion sei von diesen Überlegungen wohl nicht betroffen. Es gehe VW vielmehr darum, das Margenimage zu schärfen.

Die Analysten werteten die Überlegungen als Versuch, die Marken zu differenzieren beziehungsweise Audi und Seat zu stärken. Dabei bezogen sie sich auch auf Aussagen von VW-Chef Piech. Der hatte Audi vorgeworfen, die Marke verhalte sich zu konservativ, in der Modellpolitik herrsche Stillstand, hatte Piech kritisiert.

Die Branchenexperten bezweifelten allerdings, ob die von Pischetsrieder vorgestellte Zusammenfassung den gewünschten Erfolg haben werde. Die UBS-Analysten schrieben, mit der Zusammenfassung in einer "konservativen" Markenwelt könnten Skoda/VW und Bentley "gesetzt" wirken und an Ansehen bei Kunden verlieren. Die für den "aggressiven", sportlicheren Bereich vorgesehenen Seat, Audi und Lamborghini würden zudem so nicht wahrgenommen.

Deutsche-Bank-Analyst Christian Breitsprecher, der an dem Treffen in London nach eigenen Angaben selbst nicht teilgenommen hat und seine Informationen bei der Investor-Relations-Abteilung von VW eingeholt hat, interpretierte Pischetsrieders Aussagen nicht als konkrete Pläne. Grundsätzlich begrüßte er aber den Versuch von Volkswagen, die Marken stärker zu differenzieren. Mit Blick auf Pischetsrieders Aussagen zur Strategie im Lkw-Segment erklärte Breitsprecher: "Das macht Hoffnung, dass Volkswagen im Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen keine aggressive Expansionsstrategie verfolgen wird."

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