Investitionen kommen auch dem Nachwuchs zugute
BVB stürmt auf das Börsenparkett

dpa DORTMUND. Zufriedene Fans, pralles Punktekonto, ansehnliche Spielkultur: Rechtzeitig zum ersten Börsengang eines deutschen Fußball-Clubs gewinnt die Konjunktur des Wirtschaftsunternehmens Borussia Dortmund an Fahrt. Ermutigt durch den guten Saisonstart, blickt Vereinspräsident Gerd Niebaum der Zeichnungsfrist der BVB - Aktie in der kommenden Woche trotz kritischen Marktumfelds voller Zuversicht entgegen: "Die Zeit für eine solche Aktie ist reif. Wir geben keinen Schnellschuss ab, sondern haben diesen Schritt sorgfältig geplant". Nach langem Zaudern und dem sportlichen Rückschlag in der vorigen Bundesliga-Saison setzt der Revierclub zum Sturmlauf auf das Börsen- Parkett an. Aktuelle Berichte von weltweit fallenden Kursen lassen Niebaum ebenso kalt wie die mahnenden Worte von Aktionärsschützern, die vor dem Kauf von Fußball-Aktien warnen. "Wir bieten ein andersartiges Produkt an, für das es ein großes Interesse gibt. Daher sind wir vom allgemeinen schlechten Klima etwas unabhängig", sagte der Jurist voller Hoffnung auf einen gelungenen Start ins Abenteuer.

BVB will Münchener Bayern angreifen

Die bisherige Resonanz bestärkt Niebaum: Bis Anfang der Woche bestellten 5 500 der 11 000 Vereinsmitglieder Aktien vor. Sollte das Interesse am BVB-Wertpapier auch in Zukunft anhalten, könnten die Visionen der Club-Oberen Realität werden. "Wir wollen international mithalten und in Deutschland wieder die Bayern angreifen", sagte Manager Michael Meier in einem Interview mit der "WirtschaftsWoche". Erhoffte Emissions-Erlöse von rund 300 Millionen Mark kämen dem Weltpokalsieger von 1997 deshalb gerade recht. Gleichwohl wird der Geldsegen den westfälischen Traditionsclub nicht dazu verführen, englischen oder spanischen Spitzenvereinen beim Buhlen um sündhaft teure Stars nachzueifern: "Wir werden im Rahmen deutscher Maßstäbe couragiert investieren, aber keinen Unfug betreiben", so Niebaum.

Investitionen in den Nachwuchs

Wie in den vorigen Jahren will die BVB-Führung allerdings nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investieren. So ist an die Aufstockung der Anteile am Westfalenstadion von derzeit 46,2 auf 75 % gedacht. Im Vorfeld der WM 2006 strebt der Club eine weitere Modernisierung und Vergrößerung der Arena an. 40 bis 60 % des Kapitalzuflusses sollen mittelfristig in den Ausbau fußballnaher Geschäftsfelder fließen. Bisherige Beteiligungen in den Bereichen Internet (Absolute Sports), Sportausrüstung (gool.de), Reise (B.E.S.T.) und Rehabilitation (Orthomed) weisen den Weg. Bis zu 10 % der Börsengelder werden zudem dem Nachwuchs zugute kommen. Das Engagement des Clubs jenseits des Kerngeschäfts Fußball macht durchaus Sinn. Denn Kursschwankungen nach sportlichen Niederlagen sollen dadurch vermieden werden. "Nur wenn Borussia Dortmund als mittelständisches Wirtschaftsunternehmen nicht allein auf Fußballer- Beinen steht, können wir die Abhängigkeit von kurzfristigem sportlichen Erfolg oder Misserfolg reduzieren", sagt Meier. Der mutige Schritt birgt nach Meinung des Managers mehr Möglichkeiten als Risiken: "Wir nehmen die einmalige Chance wahr, in Europas stärkstem Fußball-Markt als erster an die Börse zu kommen".

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