Investitionen tief im Minus: Schweizer Wirtschaft 2002 in der Stagnation

Investitionen tief im Minus
Schweizer Wirtschaft 2002 in der Stagnation

In der Schweiz herrschte im vergangenen Jahr Stillstand - und es hätte noch schlimmer kommen können.

rtr BERN. Die Schweizer Wirtschaft hat im letzten Jahr praktisch stagniert. Dass es nicht schlechter gekommen ist und den ersten amtlichen Zahlen zufolge das Bruttoinlandprodukt (BIP) noch um real 0,1 % zugenommen hat, war hauptsächlich dem Export sowie der Nachfrage des Staates zu verdanken. Die Zahlen bieten jedoch wenig mehr als einen Hoffnungsschimmer für das Jahr 2003.

Nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) vom Dienstag wuchs das BIP der Schweiz im vierten Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,8 %. Im Vergleich zu den 0,6 % im Quartal davor kam es damit zu einer leichten Wachstumsbeschleunigung. Das BIP lag im Berichtsquartal zugleich um 1,4 % höher als im dritten Quartal. Vom zweiten zum dritten Quartal war noch eine Zunahme von 1,7 % verzeichnet worden.

Tief im Minus stecken weiterhin die Investitionen, die sich mit einer zunehmenden Rate rückläufig entwickeln und im vierten Quartal um 8,5 % unter dem Vorquartal lagen. Der noch wachsende Konsum der privaten Haushalte mit einer Zunahme von 0,7 % gegenüber dem dritten Quartal basierte auf den Bereichen Wohnen und Gesundheit; bei allen anderen Kategorien sei eine sinkenden Tendenz zu beobachten gewesen. Die Zunahme im Export von 4,8 % gegenüber dem Vorquartal sei schmal abgestützt und müsse mit Preiszugeständnissen erkauft werden, erklärte das seco weiter. Der Endkonsum des Staates erhöhte sich um 2,1 %.

Die vom seco vorgelegten Zahlen lassen nur wenige Wachstumsimpulse erkennen. Angesichts der steigenden Arbeitslosenraten dürften vom privaten Konsum zunächst keine Auftriebskräfte kommen. Und der jüngsten Industrieumfrage der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (KOF) zufolge schätzen die Exportfirmen die Lage zunehmend schlechter ein. Das seco selbst erklärte, die expansive Wirtschaftspolitik der USA sollte im Laufe der Zeit auch Europa Impulse verleihen. Das setze aber voraus, dass die geopolitische Lage sich nicht verschlechtere und die Aktienmärkte nicht nochmals einbrechen. Positiv sei auch, so der Analyst Michael Tschudin von Rüd Blass, dass die Gesamtwirtschaft ungeachtet der Hiobsbotschaften aus Grosskonzernen in der jüngsten Vergangenheit nicht eingebrochen sei.

Für das vierte Quartal hatten Ökonomen eine Wachstumsrate zwischen 0,5 und 0,8 % prognostiziert. Für das ganze Jahr 2003 lauten die Prognosen auf ein Wachstum von knapp einem Prozent.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erklärte, das Wachstum des vierten Quartals liege leicht über den Erwartungen. Die SNB verfolge die Entwicklung des Frankenkurses weiter genau.

Für die Exportfirmen erweist sich der starke Franken als Hindernis, da er die Schweizer Waren im Ausland verteuert. Da die Schweizer Zinsen bereits tief sind, bleibt der Zinssenkungsspielraum der SNB gering und Beobachter gehen davon aus, dass die Notenbank ihr Pulver trocken halten will bis sich die Situation in der Irakkrise geklärt hat. Die SNB versuche derzeit, den Frankenkurs etwas herunterzureden - quasi das schwächste Mittel einer Devisenmarkt-Intervention. Die Bank Sarasin erklärte, die BIP-Zahlen würden, da etwas besser als erwartet, keinen Zinssenkungsdruck für die SNB schaffen.

Am Devisenmarkt wurden die neuen Schweizer BIP-Daten folgenlos zu Kenntnis genommen. Der Eurokurs, auf den es der SNB vor allem ankommt, veränderte sich kaum.

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